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 II. IN DER BATSCHKA (2)

5. In der West- und Nordwestbatschka hielt der Tod reiche Ernte

Hodschag
In dem Bezirk Hodschag hatte das Deutschtum den zahlenmäßig stärksten Anteil an der Bevölkerung. Es war ein fast rein deutscher Bezirk. Er erstreckte sich auf die großen, rein deutschen Gemeinden Hodschag, Filipovo, Karavukovo; die Gemeinden mit einem geringen serbischen Bevölkerungsanteil: Parabutsch, Milititsch, Brestowatz, die Gemeinden mit einem starken deutschen Bevölkerungsanteil Batsch, Deronje, Wajska und Plavna. Ein großer Teil der Bevölkerung hatte noch im Herbst von den herannahenden russischen Truppen die Heimat verlassen, doch war der Prozentsatz der mit den Evakuierungsmaßnahmen abgezogenen Bevölkerungsteile einzelner Ortschaften sehr verschieden. Während sich aus fast allen Orten des Bezirkes der überwiegende Teil evakuieren ließ, blieben die Einwohner Filipovos fast vollzählig, die Hodschags zum größten Teil in der Heimat. Gerade diese zwei Gemeinden waren dann später Schauplatz grauenhafter Massenerschießungen. Es scheint, daß es die Liquidierungskommandos der Partisanen eigens auf Orte abgesehen hatten, in denen starke Bevölkerungsteile auf der angestammten Scholle geblieben waren.

Schon gleich in den ersten Tagen nach ihrem Einmarsch hatten die Partisanen im ganzen Bezirk die angesehensten Deutschen verhaftet und nach Hodschag gebracht. Während viele von ihnen mit der Verhaftung auch gleichzeitig spurlos verschwunden sind, wurden viele in das Lager eingewiesen und von dort aus zu Zwangsarbeiten eingesetzt. Noch im Herbst wurden 182 deutsche Männer im Alter von 16 bis 60 Jahren von einem Partisanenkommando verhaftet und sind seither verschwunden. Sie wurden in zwei Gruppen aus dem Ort geführt, und zwar eine in Richtung Karavukovo zu dem am Karavukovoer Weg stehenden Kreuz, die andere in Richtung Filipovo auf die dort neben der Straße liegenden Wiese. Sie mußten sich dort ausziehen und wurden erschossen. Die Toten wurden von den Partisanen in das bereitgemachte Massengrab geworfen und zugeschaufelt. Unter den Opfern befanden sich die angesehensten Hodschager Bürger, u.a. auch der Industrielle Ing. Franz Ertl. Ein einziger ist von dieser Gruppe mit dem Leben davongekommen. Schon nackt ausgezogen, lief er gerade in dem Augenblick davon, als er an das Grab herantreten sollte, um dort erschossen zu werden. Die Partisanen - auf diese Wendung nicht gefaßt - schossen und liefen ihm nach, wobei selbst ein Partisane von einem anderen angeschossen wurde. Dieser Zwischenfall begünstigte seine Flucht erst recht, so daß er mit heiler Haut noch davon kam. Lange Zeit hielt er sich bei Leuten, die ihn nicht kannten, verborgen. Als im Frühjahr und Sommer alle Deutschen des ganzen Bezirkes in die Lager getrieben wurden, konnte auch er sich nicht mehr halten und wurde in eines dieser Lager eingewiesen. In diesem lebte er fortan unter einem falschen Namen.

Im Frühjahr und Sommer wurden auch zahlreiche deutsche Frauen, Mädchen und Männer aus den verschiedensten Orten und Lagern nach Hodschag gebracht. Im nordöstlichen Teil des Ortes wurden zu diesem Zwecke zwei gegenüberliegende Häuserreihen einer Gasse in der Länge eines Straßenquadrates mit Stacheldraht eingefaßt. Jahrelang wurden dahinter Tausende von deutschen Menschen gefangengehalten und von hier aus zu den verschiedensten Arbeiten im ganzen Bezirk eingesetzt. Die gefährlichsten Arbeitsplätze waren in den Rieden. Die ersten, die in diesen Rieden massenhaft zugrunde gingen, waren junge Frauen aus Apatin. Es waren vorwiegend solche, die, weil sie Mütter kleiner Kinder oder gesundheitlich nicht auf der Höhe waren, nicht nach Rußland deportiert, später aber dann nach Gakovo und Kruschevlje vertrieben, dort von ihren Kindern getrennt und nach Hodschag überstellt worden waren. Die hohe Sterblichkeit erhellt die Tatsache, daß in wenigen Tagen in Hodschag allein 27 in den Rieden gestorben sind. Die Krankheitserscheinungen, an denen sie alle gestorben sind, waren recht sonderbarer Natur. Sie haben meist vor ihrem Tode stark ins Auge fallende körperliche Veränderungen an Kopf und Füßen aufzuweisen gehabt, verfielen dann einer Teilnahmslosigkeit an dem Geschehen um sie herum, vernachlässigten sich, namentlich aber hinsichtlich des Essens, wurden zuletzt wahnsinnig und starben in wenigen Tagen. Das erste Anzeichen, das an ihnen auffiel, war auch ein starrer und geisterhafter Blick der Augen. Die merkwürdigen Erscheinungen wurden auf die völlig unzureichende Nahrung und den ständigen Einsatz zu den denkbar schwersten Arbeiten, aber noch mehr auf seelische Depressionen im Zusammenhang mit der Trennung von ihren Kindern zurückgeführt.

Oft brachten ganze Wagenkolonnen völlig entkräftete Frauen, die sich auf den Wagen sitzend schon nicht mehr aufrecht halten konnten, aus den Rieden zurück, weil sie keinerlei Arbeiten mehr verrichten konnten. Sie litten meist an Durchfall und roter Ruhr. In den Rieden und im Zentrallager ist auch Typhus aufgetreten. Nach einer, gelegentlich eines Typhusfalles in dem Krankenhaus des Hodschager Lagers, an allen Kranken durchgeführten Impfung, sind nach wenigen Tagen alle Geimpften bis auf einen kleinen Teil gestorben.

Der Lagerkommandant - ein Partisane aus Deronje - war ein gefährliches Individuum. Verstöße gegen jede Menschlichkeit oder Anordnungen wurden von ihm grausam bestraft. Die Strafe bestand in der Regel darin, daß er die nach seiner Ansicht zu Bestrafenden in einen Keller einsperren ließ, bis er selbst oder einer seiner Männer Lust und Muße hatte, sich an ihnen auszutoben. Solche Opfer waren oft Tage lang in den Kellern, ohne je herausgelassen worden zu sein, oder was zu essen bekommen zu haben. War es dann soweit, daß er sich ein Vergnügen machen wollte, ließ er sich die "Straffälligen" vorführen, um sie zu verprügeln oder von anderen quälen zu lassen. Reitpeitschen, Riemen, schwere Holzknüppel, Stühle, Schaufelstiele und ähnliches waren die Werkzeuge, die bei diesen Mißhandlungen Verwendung fanden. Einmal zusammengebrochene Opfer bearbeitete er mit seinen Stiefelabsätzen. Insbesonders wurden solche hart bestraft, die auf der Flucht oder bei unerlaubten Entfernungen aus anderen Lagern ergriffen und in das Hodschager Lager eingeliefert wurden.

Die Ernährung war eine solche, bei der man weder leben noch sterben, geschweige denn auch noch arbeiten - und zwar in der großen Sommerhitze - schwer arbeiten konnte. Morgens gab es einen Schöpflöffel voll Tee, der von irgendwelchen Blättern gekocht war. Zucker gab es keinen. Zum Mittagessen gab es eine Bohnensuppe ohne Fett und ohne Salz. Ebenso am Abend. Im Sommer 1945 wurden im Lager 1.400 Personen verköstigt. Für diese wurden täglich etwas mehr als 2 kg Bohnen von der Lagerkommandantur zur Verfügung gestellt, mit denen für die ganze Belegschaft für beide Mahlzeiten gekocht und ausgekommen werden mußte. Am Nachmittag oder Abend bekam jede Person außerdem noch ein Stückchen Brot aus Maisschrot in der Größe von zwei Zündholzschachteln, das auch wieder ohne Salz war. Es wurde in Pfannen gebacken, bis es etwas steif war, und blieb meist innen noch recht naß. In Fällen, wo es trocken gebacken war, verbröselte es zu kleinen Krümelchen, die dann mit Löffeln ausgeteilt wurden.

Das im Lager eingerichtete Krankenhaus führte diesen Namen nur deswegen, weil in ihm solche Personen untergebracht wurden, die nicht mehr aufstehen konnten. Es waren meist von Hunger, schwerer Arbeit, Durchfall und Ruhr vollkommen ausgemergelte und zu Skeletten abgemagerte menschliche Gestalten. Behandlung gab es keine, dafür aber Prügel vom Lagerkommandanten. Das Krankenhaus war meist die Vorstation vom Friedhof. Im frühen Sommer des Jahres 1945 wurde eine Ortschaft des Hodschager Bezirkes nach der anderen von der deutschen Bevölkerung geräumt. Während bei dieser totalen Vertreibung aller Personen deutscher Abstammung die Arbeitsfähigen meist im Orte selbst in den Arbeitsplatzlagern des Hodschager Zentrallagers behalten oder in das Zentrallager als Zwangsarbeiter eingewiesen wurden, wurden die Kinder und sonstigen arbeitsunfähigen Personen zuerst nach Filipovo und dann nach Gakovo und Kruschevlje gebracht.

Im Herbst 1945 wurden von allen Arbeitsplätzen des Hodschager Bezirkes die deutschen Mädchen und jungen Frauen zusammengelesen und im Zentrallager in Hodschag gesammelt. Allgemein wurde angenommen, daß sie auch nach Rußland verschleppt werden sollten. Viele Mütter, die davon hörten oder sich mit ihren Töchtern in demselben Lager befanden, wollten sich von diesen nicht trennen und versuchten zu ihren Töchtern, wenn nicht anders, so auf heimlichen Wegen in das Hodschager Lager zu gelangen. Die meisten von diesen wurden dort Objekte der sadistischen Mißhandlungen des Lagerkommandanten. Mit den Mädchen und jungen Frauen wurde eine "Stoßarbeiter-Brigade" aufgestellt, die den ganzen Winter Tag für Tag auf dem Felde Mais brechen mußte. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang mußten sie ununterbrochen und auch im stärksten Schneetreiben über die verschneiten Felder waten und den Mais ernten. Nach wenigen Tagen hatten viele von ihnen schon erfrorene Füße und erfrorene Hände. Dessen ungeachtet mußten sie mit ihren wunden Händen den ganzen Winter hindurch Tag für Tag, Sonntag wie Werktag, diese Arbeit verrichten. Als im Frühjahr die Brigade wieder nach Hodschag zurückgebracht wurde, wurde sie aufgelöst und auf verschiedene Arbeitsplätze verteilt. Eine größere Gruppe kam später nach Batsch.

Im Frühjahr und Sommer 1946 wurden in den entvölkerten Orten des Bezirkes Kolonisten aus den südlichen Teilen des Landes angesiedelt. Im Laufe des Sommers mußten sie die Bewirtschaftung der Felder übernehmen, so daß die Zwangsarbeiter der Lager meist überflüssig und in das Zentrallager nach Hodschag zurückgebracht wurden. Mitte September wurden alle, für deren Arbeitskraft im Hodschager Bezirk keine Verwendung mehr war, nach Gakovo und Kruschevlje überstellt. Aber auch schon vorher wurden von Zeit zu Zeit die Arbeitsplatzlager des Bezirkes durchgekämmt und arbeitsunfähige Personen und solche, die zu Arbeiten nicht mehr benötigt wurden, nach Hodschag und von da nach Gakovo und Kruschevlje gebracht. Als im Herbst die Insassen fast aller Lager des Hodschager Bezirkes zum Abtransport nach Gakovo und Kruschevlje gesammelt waren, betrug ihre Zahl keine Tausend. Noch im Herbst 1945 führte das Lager Hodschag rund 4.000 in zahlenmäßiger Evidenz. Rund 3.000 waren also inzwischen zugrunde gegangen oder zum Zugrundegehen nach Gakovo und Kruschevlje überstellt worden.

Karavukovo
Karavukovo war eine rein deutsche Gemeinde und zählte rund 5.000 Seelen. Es war eine der reichsten Gemeinden der Batschka. Der größte Teil der Bevölkerung hat noch vor dem Einmarsch der russischen Truppen den Ort verlassen. Während die Partisanen in den umliegenden Ortschaften schon längere Zeit die Militärverwaltung eingeführt hatten, blieb in Karavukovo alles in einem ungeklärten Zustand, so daß eine Delegation nach Hodschag zu gehen und die Partisanen dort um die Übernahme der Verwaltung ersuchen zu müssen glaubte. Als ihrem Wunsche entsprochen wurde, hatten sie insofern Glück, als zur Ausübung der Machtbefugnisse der Militärverwaltung nach Karavukovo Serben geschickt wurden, die dort als aufrechte Männer bekannt waren. Den ab und zu einlaufenden Befehlen, soundsoviel Männer oder Frauen als Zwangsarbeiter nach Hodschag oder sonstwohin zu liefern, konnten jedoch auch diese keinen nennenswerten Widerstand leisten, so daß vereinzelt doch immer wieder derartige Einweisungen vorkamen. Ein Teil - es war der überwiegende - konnte auch noch länger, wenn auch nur als Zwangsarbeiter, in der Heimat bleiben. Mehrere Karavukovoer Männer wurden auch verhaftet und erschossen. Opfer einer solchen Aktion ist auch der angesehene Maurer Balthasar Broder.

Im Sommer 1945 wurden alle arbeitsunfähigen Personen nach Filipovo getrieben und von dort nach einiger Zeit nach Gakovo überstellt. Unter den Deutschen, die bei dieser Vertreibung ihre Heimat verlassen mußten, befand sich auch Pfarrer Alexander Thiel. Er konnte später zwar nochmals für kurze Zeit in seine Pfarre zurückkehren, wurde aber wieder verhaftet und ein halbes Jahr in Neusatz im Gefängnis gefangengehalten. Von dort entlassen, flüchtete er später nach Österreich.

Als 1945 zur Ernte Arbeiter benötigt wurden, wurden solche vom Lager in Sombor angefordert und auch geliefert. Eine Gruppe von 160 Männern und Frauen wurde am 21. Juni von Sombor zu Fuß nach Karavukovo in Marsch gesetzt. Das Lager befand sich ursprünglich im Hause des Schlossermeisters Leopold Rohrbacher, wurde aber nach dem Eintreffen der aus Sombor kommenden Arbeiterpartie verlegt. Die Männer kamen in das Haus des Großbauern Auer in der Morastgasse, die Frauen in das des Bauern Hutterer. Die Verköstigung unterschied sich in den ersten Monaten in nichts von der im Hodschager Zentrallager, wurde aber bald besser. Dieser Besserung ist es auch zuzuschreiben, daß trotz der schweren Arbeit Todesfälle äußerst selten waren.

Im Rohrbacherschen Hause neben dem Frauenlager war die Wachmannschaft der Partisanen untergebracht. Diese ließen es sich nicht nehmen, die Frauen ständigen Schikanen zu unterwerfen und zuweilen auch schwer zu mißhandeln. Wochenlang wurden sie jede Nacht aus dem Schlaf hinaus in den Hof getrieben und mußten dort oft stundenlang im Regen und Unwetter stehen, während die Partisanen in den Zimmern die zurückgebliebenen Kleidungsstücke durchsuchten und alles wegnahmen, was ihnen paßte.

Frauen, die etwas versteckt hatten, wurden in den Keller getrieben und dort längere Zeit hindurch über Nacht immer wieder eingesperrt und geschlagen. Eine Frau, die ihre Tochter im Karavukovoer Lager suchen kam und dabei ertappt wurde, wurde in dem Keller so stark geschlagen, daß sie tagelang bewegungslos und mit dem Tode ringend liegengeblieben ist. Ebenso eine andere, die aus einer Nachbargemeinde ihre Tochter im Parabutscher Lager suchen wollte und dabei erwischt wurde. Beide sind nie wieder gesund geworden und später in Hodschag an den Mißhandlungen gestorben.

Mehr Ruhe hatten die Männer. Hatte aber einer das Pech, bei einer unerlaubten Entfernung ertappt und nach Karavukovo zurückgebracht oder im Falle eines in dieser Zeit recht häufigen Diebstahles verdächtigt zu werden, wurde er in der Regel so verprügelt und mißhandelt, daß er sich nur selten wieder davon erholen konnte.

Im Sommer 1945 wurde das Arbeitsplatzlager in Deronje aufgelassen und die Belegschaft nach Karavukovo überstellt. Vom Herbst 1945 an wurden immer mehr Lagerinsassen an das Zentrallager in Hodschag zurückgeschickt und von dort wieder auf anderen Arbeitsplätzen eingesetzt. Die Frauen wurden fast restlos nach Hodschag überstellt und in dem darauffolgenden Frühjahr wieder in die Riede diesseits der Donau, wo schon im Sommer des vorigen Jahres Frauen in Massen gestorben waren, auf Arbeit geschickt.

Als im Frühjahr 1946 die Ziegelei wieder in Betrieb genommen wurde, wurde auch dort ein Arbeitsplatzlager errichtet. Die Leitung der Ziegelei bevorzugte ehemalige Karavukovoer Bürger und holte sich solche aus dem Hodschager Zentrallager. Das Vergnügen, in der Heimat als Zwangsarbeiter bei kärglicher Ernährung die schwere Arbeit der Mauersteinherstellung zu verrichten, war recht zweifelhafter Natur, zumal in dieser Zeit schon Kolonisten aus der Piroter Gegend angesiedelt waren und die schwer arbeitenden ehemaligen Besitzer schöner Bauernhöfe nur die Begünstigung hatten, zuzusehen, wie andere mühelos in den Besitz der Güter gekommen waren, die ihre Väter und Generationen vor ihnen mit schwerer Mühe, harter Arbeit, Sparsamkeit und Anspruchslosigkeit zu dem gemacht hatten, was sie waren, als sie ihnen weggenommen wurden.

Im Frühjahr 1946 wurde auch das Karavukovoer Männerlager fast vollkommen aufgelassen. Eine größere Arbeiterpartie wurde über das Hodschager Zentrallager nach Batsch überstellt und fand dort bei der Forstverwaltung als Zwangsarbeiter Verwendung. Die Männer und Frauen, die von Karavukovo wieder fortgeführt und nach Hodschag oder anderswohin gebracht wurden und vorher oft ein volles Jahr und länger in Karavukovo für ein Stückchen Maisschrotbrot und drei Schöpflöffel Suppe täglich gearbeitet hatten, wurden vor ihrem Abtransport immer zur Partisanenwache geführt, die ihnen alles wegnahm, was für die Bedeckung des nackten Körpers irgendwie entbehrlich war.

Milititsch
Milititsch, nordwestlich von Hodschag gelegen, war eine reiche Hanfbauerngemeinde. Im Orte lebten noch einige serbische Familien, die Nachkommen einer einst größeren Anzahl serbischer Einwohner. Sie hatten eine eigene orthodoxe Kirchengemeinde und lebten mit den Deutschen durch alle Jahrhunderte hindurch im besten Einvernehmen. Ein großer Teil der deutschen Bevölkerung ist noch von den abziehenden deutschen Truppen evakuiert worden und hat wider Anraten der einheimischen Serben den Ort verlassen. Etwa hunden Familien glaubten sich auf Wort und Versprechen ihrer serbischen Landsleute, namentlich aber des serbischen Ortspfarrers, sie den Partisanen gegenüber in Schutz zu nehmen, verlassen zu können und blieben daheim. Wenn in den ersten Tagen der Partisanenherrschaft dann wirklich auch nur selten deutsche Männer und Frauen verhaftet und in die Zwangsarbeitslager nach Hodschag und Sombor gebracht wurden, so ist es in erster Linie den Bemühungen der serbischen Ortsbewohner zu verdanken. Dennoch aber blieb auch Milititsch von Grausamkeiten nicht ganz verschont. Eine der gräßlichsten war die an dem Schmied und Fuhrwerkuntemehmer Breitenbach verübte Untat. Er wurde eines Nachts gefesselt und bei lebendigem Leibe in den angeheizten Kessel der wegen Stromerzeugung in Betrieb gehaltenen Hanffabrik geworfen und dort verbrannt.

Am 11. März 1945 wurde eine größere Zahl Männer und Frauen nach Sombor in das dortige Lager gebracht. Sie mußten den Weg von etwa 40 km in der Nacht zu Fuß zurücklegen und sollten dort einer großen, von den russischen Truppen für die Baranja angeforderten Arbeiterpartie beigeschlossen werden. Da nach ihrem Eintreffen die Zahl der von den Russen angeforderten 14.000 Arbeiter bereits voll war, blieben sie in Sombor. Sie wurden im Partisanen-Spital in Sombor als Arbeiter eingesetzt. Als von Sombor in den Monaten April und Mai verschiedentlich Arbeiterpartien nach Semlin und Mitrowitz in Marsch gesetzt wurden, wurden die meisten von ihnen diesen zugeteilt. Sie sind meist dann auch dort gestorben. Alle übrigen, die nicht nach Mitrowitz oder Syrmien kamen, wurden am 21. Juni zu Fuß von Sombor nach Karavukovo getrieben, wo sie bis zur Auflösung des Karavukovoer Lagers im Sommer 1946 blieben und dann über Hodschag nach Gakovo und Kruschevlje gebracht wurden.

Im Frühjahr 1945 wurden alle Deutschen zusammengetrieben und in zwei Gruppen eingeteilt: in eine der Arbeitsunfähigen mit den Kindern und den alten, kranken und arbeitsunfähigen Männern und Frauen, und in eine der Arbeitsfähigen. Es war eine unbeschreibliche, herzzerreißende Szene, als jede Gruppe eines anderen Weges weggeführt wurde. Die Kinder schrien und wollten zu ihren Müttern oder Großmüttern laufen, die Frauen ihren Kindern nachlaufen oder sie mit sich nehmen. Mit Prügel und Gewehrkolben wurden sie immer wieder zurückgetrieben, genau so, wie wenn Jungtiere von der Mutterherde weggetrieben werden. Die Arbeitsunfähigen wurden nach Filipovo geschafft, von wo sie dann später mit allen anderen arbeitsunfähigen Personen des Bezirkes nach Gakovo verfrachtet wurden; die Arbeitsfähigen zum Teil in Milititsch zur Arbeit behalten, zum Teil aber auch nach Hodschag gebracht und von dort auf die verschiedensten Arbeitsplätze im ganzen Bezirke verteilt.

Batsch
Die alte Festungsstadt Batsch, die nicht nur für die Namensgebung des ganzen zwischen Donau und Theiß liegenden Gebietes bestimmend war, sondern auch in der ungarischen Geschichte eine hervorragende Rolle spielte, zumal zeitweise hier sogar der ungarische Reichstag tagte, ist seit der Ansiedlung der Deutschen nur noch ein gemischtsprachiges Dorf gewesen. Es lebten hier Schokatzen, Ungarn und Deutsche. Die Zahl der Deutschen betrug ein Drittel der rund 4.000 Seelen zählenden Bevölkerung. Sie waren die fortschrittlichsten und wohlhabendsten Bürger des Ortes.

Noch im Herbst 1944 wurden zahlreiche Deutsche nach Hodschag gebracht und von dort in den verschiedensten Orten des Bezirkes als Zwangsarbeiter verwendet Als im Frühjahr alle Deutschen des Bezirkes von ihren Heimstätten vertrieben und nach Hodschag gebracht wurden, blieben in Batsch nur zwei deutsche Männer zurück, der Fleischhauer Pauschert und der Schlosser Armbrust, die in der Heimat Zwangsarbeit verrichten mußten. Noch im Herbst brachten die Partisanen den Pfarrer Novotny aus Plavna nach Batsch und sperrten ihn im Gemeindehaus ein. Einige Tage später führten sie unter Vorgabe, den geflüchteten Pfarrer Novotny zu suchen, in dem jahrhundertealten Franziskanerkloster und im Pfarrhause eine Hausdurchsuchung durch, die ergebnislos verlief, weil der Gesuchte zu dieser Zeit gar nicht mehr am Leben und auch nicht entflohen war. Er war in dem Keller des Gemeindehauses inzwischen schon zu Tode gequält und verscharrt worden. Die angesehenen Bürger des Ortes, Kubesch und Gebauer sind ebenfalls spurlos verschwunden und wahrscheinlich getötet worden.

Ende März 1945 kam eine größere Arbeiterpartie aus dem Somborer Lager nach Batsch. Sie wurde im Tanzsaal des Kaiserschen Gasthauses am Towarischer Weg untergebracht und bei der Bestellung der ehemaligen schwäbischen Felder des Ortes eingesetzt. Sie stammten vorwiegend aus den Gemeinden Stanischitsch, Gakovo und Apatin. Unter ihnen befanden sich u.a. auch der Apatiner Schiffahrtsunternehmer Braun, der Stanischitscher Mühlenbesitzer Paul Haut, der Stanischitscher Großgrundbesitzer Anton Rendl sowie der Sentiwaner Industrielle und Großgrundbesitzer - einer der reichsten Männer des Landes - Anton Kerschner, der hier dann auch lange Zeit als Schweinehirt Verwendung fand.

Der Batscher Landwirt Djuro Treuer war vom Lager Hodschag schon im Winter 1945/46 nach Apatin überstellt worden und ist von dort im Sommer 1946, als sich bei ihm Anzeichen einer tödlichen, aber an sich heilbaren Krankheit bemerkbar gemacht hatten, nach Batsch geflüchtet und hielt sich in seinem Hause versteckt. Seine Anwesenheit wurde von einer sich in Batsch mit dem berüchtigten "Lazo" herumtreibenden ortsfremden Serbin entdeckt und den Partisanen gemeldet. "Lazo" ließ gleich einen Wagen einspannen und fuhr selbst mit, den von seiner Krankheit bereits genesenden Mann abzuholen. Während des ganzen Nachmittags konnte man schon merken, daß "Lazo" mit dem Manne nichts Rechtes vor hatte. Sein Blick war schon von jener Trunkenheit verschleiert, die blutrünstige Partisanen zuweilen schon von weitem als solche kenntlich machten. Am Abend sperrte er ihn in den Keller ein und holte ihn in der Nacht auf sein Zimmer. Dort mußte sich der alte Mann ausziehen und hinknien. Mit einem Pferdegeschirrteil schlug er dann auf den Mann ein. Noch liegend, flehte dieser mit gefalteten Händen um Gnade. Einigemale wiederholte der Partisane diese Prügelei, die er immer nur wegen eigener Erschöpfung unterbrach. Das ging so bis gegen vier Uhr morgens. Um diese Zeit konnte sich der alte Mann schon nicht mehr aufrichten und lag stöhnend auf dem Fußboden. Im Vorraum des Zimmers, in dem sich diese schaurige Mißhandlung zutrug, befand sich eine Dezimalwaage und deren Gewichte. Von diesen holte der Partisane zwei und zertrümmerte mit ihnen die Geschlechtsteile des Mannes. Eine halbe Stunde später schoß er ihm noch in den Bauch und ließ dann einspannen und den Mann nach Hodschag in das Zentrallager fahren. Als er aufgeladen wurde, war er schon tot.

Im Sommer 1945 führten die Partisanen aus dem Somborer Lager eine Arbeiterpartie weg und führten sie zu Fuß nach Batsch, wo sie in der Hanffabrik in der Hanfröste arbeiten mußten. Auf der Tomoripuszta, dem inzwischen enteigneten Besitz des Bischofes der Batschka, arbeitete zu dieser Zeit ebenfalls eine Arbeiterpartie, die aus über 45 Jahre alten Frauen bestand. Sie waren von Hodschag nach Batsch gebracht worden. Als im Herbst desselben Jahres beide dieser Lager aufgelassen wurden, wurden deren Insassen in das Lager der Kolchos-Verwaltung übernommen.

Im Frühjahr 1946 wurden erneut Zwangsarbeiter aus dem Hodschager Zentrallager nach Batsch gebracht. Es waren dies meist Mädchen und junge Frauen aus der damals gerade aufgelösten "Stoßarbeiter-Brigade", die den ganzen Winter hindurch auf dem Felde Mais brechen mußten. Ein großer Teil dieser neuen Zwangsarbeiter waren aber auch ältere und junge Buben sowie Männer aus Filipovo.

Im Juli 1946 wurde das Lager in Batsch nach und nach aufgelassen und die Insassen nach Hodschag gebracht, von wo sie meist noch im September nach Gakovo und Kruschevlje weitergeleitet wurden. Das Lager der Forstverwaltung wurde weiter aufrechterhalten und erst 1948, als die Lager allgemein aufgelassen wurden, aufgelöst, die Männer jedoch als Arbeitsverpflichtete beibehalten. Von dieser Zeit an wurden sie für ihre Arbeit entlohnt.

Filipovo
Die nördlich von Hodschag gelegene rein deutsche Gemeinde Filipovo war eine seltene Berühmtheit der katholischen Welt. Das vorbildliche religiöse und kirchliche Leben der Gemeinde spiegelte sich vor allem in der Tatsache wieder, daß rund 40 ihrer Söhne Priester geworden sind und rund 100 Frauen das klösterliche Kleid katholischer Ordensschwestern tragen. Von der rund 4.000 Seelen zählenden Bevölkerung ließen sich nur wenige von den abziehenden deutschen Truppen evakuieren. Auf Anraten ihres Pfarrers Peter Müller blieben fast alle in der Heimat. Pfarrer Müller wurde später verhaftet und zu einer hohen Gefängnisstrafe verurteilt.

Mit diesem Verhalten der Filipovoer anscheinend unzufrieden, machten die Partisanen Filipovo schon gleich nach ihrer Machtübernahme zum Schauplatz der größten Massenerschießung in der Batschka. Eines Morgens mußten alle Männer im Alter von 16 bis 60 antreten. Unter den erschienenen Männern befand sich auch der Mitarbeiter des Ortspfarrers, Kaplan Paul Pfuhl, und der in Filipovo gebürtige, damals aber im Banate tätige Priester Anton Zollitsch, der um diese Zeit gerade in der Heimat weilte. Der Kommandant des Liquidierungstrupps erkannte in Kaplan Zollitsch einen ehemaligen Regimentskameraden und gestattete ihm und seinem Amtsbruder Pfuhl, wegzutreten und wieder heimzugehen. Alle übrigen wurden darauf aus dem Dorfe in Richtung Hodschag hinausgeführt und dort erschossen. Sie haben sich zuvor das Grab selbst schaufeln müssen. Ihre Kleider, die sie vor ihrer Erschießung ablegen mußten, wurden tags darauf auf einem Wagen nach Hodschag gefahren. Unter den bei dieser Gelegenheit liquidierten 243 Männern befand sich auch der Filipovoer Arzt und Klaviervirtuose Dr. Franz Dickmann und zahlreiche andere angesehene Bürger des Ortes.

Während schon vorher immer wieder Männer und Frauen von Filipovo nach Hodschag in das dortige Zentrallager gebracht worden waren, wurden im Frühjahr alle Filipovoer aus ihren Häusern vertrieben. Zum Teil mußten sie in Filipovo Zwangsarbeit verrichten, zum Teil wurden sie nach Hodschag in das Zentrallager gebracht, von dort im ganzen Bezirk verstreut, immer wieder versetzt und verschoben und gezwungen, bald da, bald dort ohne Lohn und bei schlechtester Ernährung zu arbeiten. Die Kinder und arbeitsunfähigen Personen blieben zunächst noch in Filipovo, wo auch die übrigen Kinder und alten Leute des Bezirkes gesammelt und nach einiger Zeit nach Gakovo und Kruschevlje verschickt wurden. Im September 1946 kamen meist auch die Arbeitsfähigen, soweit sie noch am Leben waren, über Hodschag nach Gakovo oder Kruschevlje.

6. Im Apatiner Bezirk brachten Zwangsarbeit und Hunger vielen den Tod

Apatin
Die schwäbische Großgemeinde Apatin war nicht nur eine der ältesten deutschen Siedlungen der Batschka, sie war gleichzeitig die größte rein deutsche Gemeinde Jugoslawiens. Sie zählte rund 14.000 Seelen. Mit ihrer Gründung wurde vor 200 Jahren die eigentliche Besiedlung der Batschka mit deutschen Kolonisten begonnen. Sie war auch für die ganze Besiedlungszeit Ausgangspunkt zur Gründung fast aller deutschen Siedlungen der Batschka. In Industrie, Handel und Gewerbe hatte Apatin eine hervorragende Rolle, namentlich aber im Schiffsverkehr auf der Donau. Der Wohlstand seiner Bewohner fand seinen sinnfälligsten Ausdruck in dem gepflegten äußeren Bild des Ortes, das eines der schönsten des ganzen Landes war.

Die russischen Truppen erreichten noch im Oktober Apatin. Wochenlang versteifte sich hier der Kampf um die in den Tagesberichten der kriegführenden Mächte so oft als Apatiner Brückenkopf bezeichnete Stelle zwischen Apatin und Monoschtor. Die russischen Anstrengungen, hier die Donau zu überschreiten, kostete die Rote Armee Ströme Blutes. Es sollen hier nicht weniger als 60.000 russische Soldaten in den Sumpfgebieten auf der gegenüberliegenden Seite der Donau gefallen und ertrunken sein. Noch während die Schlacht um den Donauübergang voll im Gange war, richteten die Partisanen in Apatin und im ganzen Bezirk ihre Militärverwaltungen ein, deren erste Amtshandlung die Verhaftung zahlreicher deutscher Bürger war.

Fast täglich wurden Männer aus ihren Wohnungen abgeholt und im Keller des Gemeindehauses, im Gefängnis des Bezirksgerichtes und im Gemeindegefängnis eingesperrt, geschlagen und getötet. Andere wurden in das Lagergebäude Weindl, das als Lager erklärt wurde, gebracht und von dort zu Zwangsarbeiten eingesetzt. Auch nach Sombor wurden viele geschickt und dort im Gefängnis nach Zupanija und im Kronic-Palais gefangengehalten oder in das Somborer Lager am Bezdaner Weg eingewiesen. Mit Ausnahme der im Weindl-Magazin gefangengehaltenen oder in das Somborer Lager eingewiesenen Männer haben von den verhafteten nur mehr wenige wieder das Tageslicht gesehen. Unter den Opfern dieser Wochen und Monate befand sich der angesehene Holzhändler und Ziegeleibesitzer Adam Mayer, der Inhaber der Erzeugungswerkstätte für landwirtschaftliche Maschinen, Ingenieur Adam Hauck, der Steinmetz Anton Wilpert, der Ziegeleibesitzer und Holzhändler Josef Zimmermann, der Schiffahrtsunternehmer Michael Rayal, der Kinobesitzer Josef Gaßmann und zahlreiche andere. Die an den Verhafteten ausgeführten Folterungen gehörten zu den gräßlichsten dieser an sadistischen Bestialitäten wirklich nicht armen Zeit. Adam Hauck wurden mit glühenden Eisen am ganzen Körper und im Gesicht Brandwunden beigebracht. Diese Wunden wurden dann mit Stahlbürsten abgerieben. Von den unmenschlichen Leiden und Folterungen hat ihn der Tod befreit. Gaßmann war nach Sombor in das Kronic-Palais verschleppt und dort so schwer mißhandelt worden, daß er, vollkommen entstellt, von den Häftlingen, die ihn aus der Zelle trugen, nur an seinen Kleidern erkannt werden konnte. Die Zahl der auf diese Weise ums Leben gekommenen Apatiner Bürger wird mit 64 beziffert, dürfte aber auch höher sein und wird wahrscheinlich nie genau ermittelt werden können.

Die Verhaftungen hielten auch in den ersten Monaten des Jahres 1945 noch an; einer der letzten, die verhaftet wurden, war der Zahnarzt Kiefer. Er und der Schiffahrtsunternehmer Peter Ehmann sind im März wieder entlassen worden und sind einige der wenigen, die wieder das Tageslicht gesehen haben. Nach ihrer Entlassung wurden sie in das Somborer Lager überstellt. Während der Zahnarzt Kiefer kurz darauf einem nach Syrmien in Marsch gesetzten Arbeitertransport beigeschlossen und unterwegs an Erschöpfung und Mißhandlungen gestorben ist, erreichte Ehmann noch eine Überstellung in das Internierungslager Gakovo, wo aber auch er bald starb.

Apatin war das geistige Zentrum des deutschen Katholizismus des ganzen Landes. Seit dem Frühjahr 1935 erschien hier die durch ihre Schreibweise gegen den Nationalsozialismus weit über die Grenzen des Landes bekanntgewordene und auf Betreiben Deutschlands von den ungarischen Besatzungsbehörden 1941 verbotene katholische Wochenschrift "Die Donau". Trotz dieses Umstandes hatten es die Partisanen gerade mit Apatin darauf abgesehen, der deutschen Bevölkerung Apatins ganz besondere Drangsalierungen angedeihen zu lassen. Nicht nur, daß im ganzen Bereich der Westbatschka in Apatin die höchste Zahl an Männern auf die grausamste Weise zu Tode gefoltert wurde und Apatin die erste Gemeinde der Westbatschka war, die von ihrer deutschen Bevölkerung restlos geräumt werden mußte, wurden von Zeit zu Zeit eigens und nur aus Apatinern aufgestellte Arbeiterpartien zu Fuß nach Syrmien in Marsch gesetzt. Selbst auf Lager verschiedener Orte verstreute Apatiner Bürger wurden zu diesen Transporten gesammelt. Von einer solchen aus 500 Männern bestehenden Arbeiterpartie sind schon unterwegs 27 an Erschöpfung und Mißhandlungen gestorben und nach Wochen nur mehr 43, vollkommen entkräftet und zu lebenden Menschenwracks ausgemergelt, zurückgekehrt.

Nicht viel besser ist es den Transporten gegangen, die im Frühjahr 1945 nach Semlin und Mitrowitz in Marsch gesetzt wurden, wo ebenfalls von Hunderten nur mehr einzelne am Leben blieben und wieder zurückkehrten.

Der 11. März 1945 war der schwarze Tag für Apatin. An diesem Tage wurde die ganze Bevölkerung Apatins von ihren Heimstätten vertrieben und nach Gakovo und Kruschevlje in die dortigen Internierungslager gebracht. Sie waren die ersten, mit denen diese Todesmühlen gespeist wurden. Schon nach wenigen Monaten waren 700 dort Hungers gestorben. Wer auf dem Marsch nicht mitkam oder nicht Schritt halten konnte, wurde mit Prügel angetrieben, wer zusammenbrach, blieb liegen. Keines der Angehörigen durfte sich dieser Unglücklichen annehmen.

Die lange Anwesenheit russischer Militärverbände und Einheiten von Partisanen führte zu zahlreichen Vergewaltigungen von Frauen und Mädchen. Der sadistische Charakter dieser Ausschreitungen ist besonders an der Tatsache ersichtlich, daß selbst ein Alter von 92 Jahren kein Schutz dagegen war. Häufig ersannen die Wüstlinge auch die abscheulichsten Torturen für ihre Opfer. So haben sie, unter dem Vorwand, die Deutschen hätten das Elektrizitätswerk zu sprengen beabsichtigt, Frauen und Mädchen auch damit gepeinigt, daß sie ihnen in die Geschlechtsteile elektrische Leitungen einführten und Strom einschalteten.

Schon kurze Zeit nach der Einführung der Militärverwaltung führte diese in ganz Apatin eine Volkszählung durch. Einige hundert Familien, vorwiegend solche, die einen nichtdeutsch klingenden Namen hatten, erklärten sich bei dieser Registrierung als Ungarn oder Slawen. Auf Grund dieser Zählung wurden allen, denen anerkannt wurde, einer nichtdeutschen Nationalität anzugehören, Legitimationen ausgeteilt. Die Besitzer solcher Legitimationen waren am 11. März die einzigen, die ihre Heimstätten nicht verlassen mußten. Rund 2.000 Personen blieben auf diese Weise von der Vertreibung verschont. Etwa mehr als 2.000 hatten noch vor dem Abzug der ungarischen Behörden den Ort verlassen, 2.400 - vorwiegend Mädchen und junge Frauen - waren an Weihnachten und Neujahr nach Rußland verschleppt worden und nicht ganz 8.000 wurden am Nachmittag des 11. März über Sombor nach Gakovo und Kruschevlje getrieben. Diejenigen, die daheim bleiben konnten, hatten aber auch keine Ruhe. In gewissen Zeitabständen immer wieder durchgeführte Razzien, von denen die am Ostermontag die berüchtigste war, beunruhigten immer wieder die Bevölkerung und lichteten ihre Reihen. Unter den Männern, die noch im Februar verhaftet wurden, befanden sich auch der zuletzt als Kaufmann tätige ehemalige Redakteur der katholischen Zeitung "Die Donau" und einer der Autoren des Buches "Ein Volk - ausgelöscht", Leopold Rohrbacher. Am Tage der Vertreibung der Apatiner war er schon einige Tage von der OZNA entlassen und in das Somborer Lager überstellt worden. In den Vormittagsstunden des 11. März war er mit Gewehrkolben und Gummiknüppel so erbärmlich geschlagen worden, daß er bewußtlos liegen blieb und wochenlang nicht auf den Rücken liegen konnte. Er war gerade wieder in die Lagerkommandantur gerufen worden, um ein zweites Mal geprügelt zu werden, als vom GNOV (Glavni Narodnooslobodilacki Odbor Vojvodine - Haupt-Volksbefreiungsauschuß der Wojwodina) angerufen und Befehl gegeben wurde, sofort für die Unterbringung von 8.000 Frauen und Kindern Platz zu machen.

In dieser Zeit streiften noch immer Flüchtlingskolonnen aus dem Landesinnern nach dem Norden. Es waren dies in der Regel Flüchtlinge aus Gebieten, durch die sich starke kroatische und deutsche Verbände nach dem Norden durchzukämpfen trachteten und diese Flüchtlingszüge vor sich einher trieben. In der Meinung, es wäre für einen derartigen Flüchtlingszug im Lager Platz zu machen, ließ der Kommandant sofort alle Baracken bis auf zwei räumen. Erst als er sah, daß die Kommenden keine Flüchtlinge aus den Kampfgebieten, sondern die aus Apatin vertriebene Zivilbevölkerung war, ließ er die Lagerinsassen wieder in ihre Baracken treiben. Ungefähr viertausend Frauen und Kinder - darunter auch Säuglinge - mußten die ganze Nacht bei grimmiger Kälte und Frost draußen im Freien zubringen.

Der restliche Teil des Elendszuges wurde auf offener Straße angehalten und sollte die Nacht dort verbringen. Als in einer in der Nähe liegenden Kaserne untergebrachte Soldaten einer bulgarischen Einheit das Schreien der frierenden Kinder hörten, lockten sie die Bewachungsmannschaft der Partisanen mit Schnaps in ihre Kaserne und überließen ihre Betten und Unterkünfte den Vertriebenen. In den Morgenstunden des 12. März wurden die Vertriebenen weiter nach Gakovo und Kruschevlje getrieben. Der Gruppe, die im Hof des Somborer Lagers über Nacht untergebracht war, wurde zuerst alles, was sie als Handgepäck oder auf Schubkarren mitgebracht hatte, weggenommen. Schon nach wenigen Tagen wurden die arbeitsfähigen Frauen von ihren Kindern - es waren meist nur Säuglinge - getrennt und in die Baranja gebracht, wo sie Stellungen für die russischen Truppen graben mußten. Als diese Arbeit am 21. März abgebrochen wurde, wurden sie nach Sombor gebracht und von dort wieder auf anderen Plätzen in der ganzen Westbatschka eingesetzt, Arbeiterpartien von Männern von Zeit zu Zeit auch wieder nach Syrmien in Marsch gesetzt. Sie sind meist auch dort gestorben oder erschlagen worden.

Lange Zeit waren die Vertriebenen aus Apatin, Kernei und Sentiwan die einzige Belegschaft des in Gakovo und Kruschevlje untergebrachten Internierungslagers. Immer wieder wurden solche, die noch einigermaßen arbeitsfähig waren, herausgekämmt und den verschiedensten Lagern der Westbatschka als Zwangsarbeiter zugeteilt. In wenigen Wochen waren in dem Internierungslager nur mehr alte Leute und Kinder (meist ohne Eltern) zurückgeblieben. Eine große Gruppe junger Apatiner Frauen kam in den Hodschager Bezirk, von wo dann nach Monaten und Jahren nur mehr einzelne, insgesamt aber recht wenige, wieder nach Gakovo oder Kruschevlje zurückkamen. Auf den in den Rieden gelegenen Arbeitsplätzen des Hodschager Lagers und im Hodschager Zentrallager selbst sind fast alle gestorben. Was die Vernichtungslager in Semlin und Mitrowitz für Hunderte von Apatiner Männer war, waren die Riede des Hodschager Lagers für die Frauen: Die letzte Station eines leidvollen Weges.

Als in den späteren Monaten in Apatin wieder verschiedene Industrien (Korbschule, Strumpffabrik, Mank, Brauerei u.a.) in Betrieb genommen wurden, hatten viele Apatiner Facharbeiter das Glück, nach Apatin zurückzukommen und in der Heimat als Zwangsarbeiter Verwendung zu finden. Diese Veränderungsmöglichkeiten retteten vielen das Leben. Als später die Bewirtschaftung der Felder von den neuen Kolonisten übernommen wurde und die in der Landwirtschaft eingesetzten Zwangsarbeiter überflüssig geworden waren und wieder nach Sombor, Gakovo und Kruschevlje gebracht wurden, blieben die Facharbeiter in den Industrien auch vor dieser Maßnahme verschont und konnten vielfach auch nach der Auflösung der Lager und der Befreiung der deutschen Bevölkerung von der Zwangsarbeit, als Arbeitsverpflichtete zwar, in der Heimat bleiben, aber nicht mehr in ihre inzwischen von den Kolonisten belegten Häuser zurückkehren.

Sonta
In der vorwiegend schokatzischen Gemeinde Sonta mußte noch im Herbst von jeder Familie jemand in das Gemeindehaus kommen und dort erklären, zu welcher Nationalität die Familie gehöre. Kurz darauf mußten die arbeitsfähigen Personen in das Gemeindehaus kommen. Sie wurden nach Apatin geführt und von dort nach Rußland verschleppt. Ende Jänner wurden alle Männer aus ihren Häusern geholt und in der sogenannten "3. Gasse", in dem Haus einer ehemaligen Bäckerei eingesperrt und als Zwangsarbeiter verwendet. Am 12. März wurden diese Männer alle nach Sombor und von dort in die Baranja zu den Arbeiten am Ausbau russischer Stellungen getrieben. Den 70 Kilometer weiten Weg mußten sie ohne Ruhepause zu Fuß zurücklegen. Nach ihrer Rückkehr wurden sie in Sombor behalten und als Zwangsarbeiter verwendet. Der Rest der deutschen Bevölkerung des Ortes wurde im Frühjahr 1945 nach Milititsch getrieben, von wo die arbeitsunfähigen nach einiger Zeit nach Filipovo und von dort dann später nach Gakovo und Kruschevlje überstellt wurden.

Sentiwan
Die reichste Gemeinde der Batschka und vermutlich auch des ganzen Landes war Sentiwan. Die über 6.000 Einwohner zählende rein deutsche Gemeinde war in der ganzen Welt als die Zentrale des jugoslawischen Hanfexportes bekannt und berühmt. Einfache Arbeiter und Bauern haben sich hier in wenigen Jahrzehnten zu weltbekannten Exportfirmen emporgearbeitet, die den Hanf, das "weiße Gold" der Batschka, in fast alle Länder Europas lieferten. Auch verschiedene Industrien hatten hier ihren Sitz, und es ist für den wirtschaftlichen Fortschrtt des Ortes mehr als bezeichnend, daß in dem schwäbischen Dorf Sentiwan allein zwei Wochenblätter und die katholische Jugendzeitschrift "Der Jugendruf" erschienen.

Bald nach der Errichtung der Militärverwaltung wurden mehrere deutsche Männer verhaftet und in die Lager nach Apatin und Sombor gebracht. Einzelne kamen auch in das berüchtigte Gefängnis der OZNA. Selbst der ehemalige Richter Müller, ein Mann, der zeitlebens ein eifriger Vorkämpfer serbischer-nationalistischer Parteien war, und es immer leugnete, Deutscher zu sein, wurde nach Sombor in das Kronic-Palais und seine Frau nach Parabutsch in das dortige Zwangsarbeitslager verschleppt.

Eine größere Zahl deutscher Männer, darunter auch der Industrielle Anton Kerschner, wurde in dem Schwesternkloster eingesperrt und zu Zwangsarbeiten verwendet. Am 12. März wurden sie nach Sombor und von dort in die Baranja gebracht, wo sie für die russischen Stellungen Verteidigungsanlagen errichten mußten. Nach ihrer Rückkehr aus der Baranja wurden sie vom Somborer Lager aus auf verschiedene Orte als Zwangsarbeiter verteilt. Am 15. März wurde die deutsche Bevölkerung von Sentiwan über Sombor nach Gakovo und Kruschevlje gebracht. Im Orte selbst blieben zahlreiche arbeitsfähige Männer und Frauen, die als Zwangsarbeiter die Felder bestellen und in den Industrien, namentlich in den zahlreichen und großen Hanffabriken und Hechlereien, arbeiten mußten.

Doroslo
Die Gemeinde Doroslo hatte noch vor der Jahrhundertwende eine erhebliche Zahl deutscher Einwohner. Im Laufe der letzten Jahrzehnte, namentlich der vor dem ersten Weltkriege, sind jedoch viele deutsche Familien nach und nach in dem zahlenmäßig stärkeren Ungarntum des Ortes aufgegangen. Die wenigen Deutschen des Ortes wurden meist noch im Herbst 1944 in die verschiedensten Lager gebracht. Viele der bereits seit Generationen mit dem Ungarntum assimilierten ehemaligen deutschen Familien mußten, weil sie noch ihre deutschen Namen führten, das Los der Deutschen teilen. Sie haben meist erst nach Jahren in den Lagern wieder die Sprache des Volkes erlernt, dem ihre Väter eins angehörten. Ein deutlicherer Beweis dafür, daß die Ausrottung des Deutschtums in Jugoslawien allein nach rassischen Gesichtspunkten durchgeführt wurde, hätte kaum geliefert werden können.

7. Im Somborer Bezirk: Sklavenhandel und Endstation des Leidensweges

Sombor
Die Stadt Sombor hatte nur eine geringe Zahl deutscher Bewohner. In der Vernichtung des Deutschtums der Westbatschka war ihr jedoch eine hervorragende Rolle zugedacht. In den Baracken am Bezdaner Weg, zur Internierung der Juden von den ungarischen Besatzungsbehörden kurz vor ihrem Abzug errichtet, wurden Tausende deutscher Menschen zusammengepfercht, mißhandelt und geschunden. Es war das erste große Zwangsarbeitslager der Batschka. Fast täglich wurden neue Gruppen immer wieder aus fast allen Orten der Batschka nach Sombor in das Lager gebracht und hier täglich, sonntags wie werktags, bei schlechtester Ernährung zu den schwersten Arbeiten eingesetzt. Im Herbst 1944 wurde eine Arbeiterpartie nach Bezdan gebracht, um 127 Personen, die dort liquidiert worden waren, in die Erde einzuscharren. Die Toten waren vorwiegend Intellektuelle, Kaufleute, Landwirte, die auf eine recht bezeichnende Art ausgewählt worden waren. Alle Männer des Ortes mußten antreten und die Hände zeigen; wer keine schwieligen Hände hatte, wurde sofort erschossen.

Das Bereichskommando der Partisanen schickte zeitweise an die einzelnen Gemeindeverwaltungen Befehle, daß soundsoviele Männer oder Frauen zu liefern seien. Prompt wurden solche Befehle immer wieder ausgeführt. Schon im Frühjahr 1945 war das Somborer Lager der größte Umschlagplatz des Sklavenhandels in Jugoslawien geworden. Immer wieder wurden neue Arbeiterpartien aufgestellt und in die entlegensten Orte der Batschka zu Fuß in Marsch gesetzt. War man nach Tagen oder Wochen von einem solchen Arbeitsplatz in das Lager zurückgekehrt, so wurde man oft schon an demselben Tage wieder einer neu abgehenden Arbeiterpartie zugeteilt und erneut irgendwohin getrieben. Wie zügig und erfolgreich in der Abstrapazierung und Vernichtung deutscher Menschen dieses Verschleißgeschäft florierte, ist am deutlichsten bei dem Versuch offenkundig geworden, den Lagerinsassen eine Nummer zu geben, wo bei den häufigen Verschickungen nicht mehr die Namen, sondern nur mehr die Nummern aufschreiben zu müssen und so die Abfertigung von Arbeiterpartien zu vereinfachen.

Der Arbeitseinsatz bei der Errichtung russischer Verteidigungslinien in der Baranja war einer der schwersten, für den Zwangsarbeiter des Somborer Lagers verwendet wurden. Schon in der Nacht um drei Uhr wurden alle aus den Unterkünften getrieben. Es waren meist Gasthäuser, Scheunen oder Ställe, in denen sie zusammengepfercht, auf dem nackten Boden liegen mußten, ihre Kleider aber nicht ablegen und sich auch nicht ausruhen konnten. Gleich nach dem Verlassen der Unterkünfte mußten alle zum Frühstück antreten. Es bestand aus einer salz- und fettlosen Erbsensuppe. Die eingekochten Erbsen waren hart und konnten nicht gegessen werden. Es ist zuweilen vorgekommen, daß das Wasser der Suppe noch gar nicht erwärmt, geschweige mit den Erbsen zu einer Suppe gekocht gewesen wäre. Da schon in Sombor die Eßgeschirre und Löffel vielfach abgenommen worden waren, mußten oft Tausende die Suppe aus einigen, sonst restlos unbrauchbaren Geschirren, Blechdosen und dergleichen trinken. Mit dem Frühstück wurde auch ein Stückchen Brot von etwa 15 Dekagramm ausgefolgt. Diese Stückchen Brot und die Erbsensuppe mußten bis zur Nacht genügen. Um die Mittagszeit wurde eine kleine Ruhepause gewährt, während der das Stückchen Brot verzehrt werden durfte. Jede bei den Arbeiten eingesetzte Person bekam von dem meist mit Pflügen vorgezeichneten Lauf der Stellungsgräben 6 Meter vorgemessen und mußte in dieser Länge einen 185 cm tiefen und 80 cm breiten Laufgraben ausgraben. Solange nicht alle so vorgemessenen und zum Ausgraben zugeteilten Abschnitte fertig waren, durfte keiner weg. Wer auf einem steinigen Boden eingeteilt worden war, konnte unmöglich damit fertig werden. Das vorgemessene Arbeitspensum wäre bei einer entsprechenden Ernährung zu bewältigen gewesen. Da aber die meisten der Arbeiter schon monatelang nur von der Lagerkost lebten, waren sie meist schon so erschöpft, daß selbst diejenigen, die immerhin noch damit fertig wurden, bis zum Einbruch der Dunkelheit zu tun hatten. Aber auch dann gab es noch keine Ruhe.

Wer fertig war, mußte den anderen, die wegen Kräftelosigkeit oder steinigem Boden nicht fertig geworden waren, helfen. In den späten Abendstunden, gegen zehn Uhr und später, wurden dann die Zwangsarbeiter in den nächsten Ort zum Übernachten in Gasthäuser, Schulgebäude, Scheunen und Ställe geführt. Für viele gab es oft auch kein Abendessen mehr. Dieser Einsatz dauerte neun Tage. Schon in den ersten Tagen litten die meisten so an Hunger, daß sie alles zu essen versuchten, was sie auf den Feldern fanden. Selbst den Genuß rohen Maises konnten viele nicht widerstehen. Als die Arbeiten abgebrochen wurden, mußten alle wieder zu Fuß nach Sombor zurück. Es war gerade ein heißer Tag. Schon auf dem Hinweg wurden die Frauen und Männer immer mit Prügel angetrieben. Noch mehr war es beim Rückweg der Fall, wo viele schon so erschöpft waren, daß sie ein Bein kaum noch vor das andere brachten. Die meist ungarische Bevölkerung der Orte, durch die die oft kilometerlangen Arbeiterkolonnen getrieben wurden, standen oft mit Lebensmitteln und Kannen mit Wasser vor ihren Häusern, um sie den Erschöpften zu geben. Wer es wagte, aus der Kolonne auszutreten, um sich durch einen Schluck Wasser zu erfrischen oder den peinigenden Durst zu stillen, wurde mit Gewehrkolben zurückgestoßen und geschlagen. In den Nachmittagsstunden waren viele schon so stark vom Durst gepeinigt, daß beim Anblick eines nahe gelegenen Brunnens ganze Rudel auszureißen und Wasser zu holen versuchten. Solche Versuche wurden mit Schüssen, bei denen einige auch verwundet wurden, unterdrückt. Während des ganzen Rückmarsches - er dauerte einen vollen Tag und eine volle Nacht - gab es nachts nur eine kurze Ruhepause, aber nichts zu essen und nichts zu trinken.

Am 23. März wurde eine größere Arbeiterpartie auch von dem Partisanen-Spital angefordert. Die dort eingesetzten Männer und Frauen mußten abends meist bis 10 Uhr und länger arbeiten, wurden aber dennoch jeden Morgen schon um vier Uhr wieder an die Arbeit getrieben. Das Spital führte eine gute Küche, doch war es jedem unter Strafe verboten, den Zwangsarbeitern von den Speisen zu geben, die dort für die verwundeten Partisanen zubereitet wurden, obwohl in der Küche zentnerweise übriggebliebene Speisereste weggeschüttet und Schweinen verfüttert werden mußten. Für die Lagerleute mußte eigens gekocht werden, und zwar dasselbe wie im Lager: morgens Tee ohne Zucker, und mittags und abends Bohnensuppe. Es war auch verboten, den Zwangsarbeitern von dem besseren Brot der Partisanen zu geben. Für sie wurde eigens Maisbrot gebacken, obwohl hartgewordenes Weizenbrot täglich in Massen verheizt oder verbrannt werden mußte.

Wie reich an Einfällen die Kommandantur des Somborer Lagers in dem Bestreben war, die Insassen des Lagers durch Zwangsarbeit zu schwächen und ihre physischen Widerstandskräfte zu zermürben, zeigen recht eigenartige Einfälle. Wenn keine andere Arbeit war, mußten die Lagerinsassen Gebäude abtragen und das Baumaterial an das andere Ende der Stadt tragen. Endlose Kolonnen von Frauen, Mädchen und Männem zogen oft tagelang immer wieder durch die Stadt und trugen Mauersteine und anderes Baumaterial eines abgetragenen Gebäudes in einen anderen Stadtteil.

Bis Herbst 1945 verging selten ein Tag an dem Lagerinsassen einzeln oder in Gruppen nicht geschlagen oder mißhandelt wurden. Im Lagerhof lag die Karosserie eines ehemaligen geschlossenen Personenkraftwagens, dessen Fenster mit angenietetem Blech verschlossen worden waren. Die Karosserie war weiß überstrichen. Wer nach Auffassung der Lagerwachmannschaft straffällig geworden war, wurde oft für Tage in diesem als "Weißes Haus" bezeichneten Lagergefängnis eingesperrt. Sobald einer der Partisanen Lust hatte, konnte er sich an den Opfern im "Weißen Haus" austoben, ohne erst nach Opfern in den Baracken suchen zu müssen. Die im "Weißen Haus" Eingesperrten bekamen die ganze Zeit keine Nahrung und wurden auch die ganze Zeit nicht herausgelassen. Die Befriedigung ihrer natürlichen Bedürfnisse mußten sie auf dem Boden verrichten, die Karosserie selbst durften sie erst beim Verlassen reinigen. Von einem Ruhen konnte keine Rede sein. Besonders gefürchtet waren die kalten Nächte des Winters. Decken durften keine mitgenommen werden und warme Kleidungsstücke wurden abgenommen. Hunger, Kälte, Gestank, ständiges Stehen und Prügel zermürbten häufig noch die letzten Widerstandskräfte und viele, die einmal im "Weißen Haus" eingesperrt waren, sind nie wieder gesund geworden, viele später dann auch gestorben.

Eine beliebte Tortur der Partisanen-Wachmannschaft des Somborer Lagers war auch die Verspottung Gottes und des Gebetes. Wenn die Frauen bei gemeinsamen Gebeten ertappt wurden, wurden sie gewöhnlich geschlagen. Zuweilen wurden aber auch besondere Torturen für Betende ersonnen. Sie mußten sich in einer Reihe entlang der Wand niederknien und laut gemeinsam beten, während ihnen die Partisanen Fußtritte versetzten. Dann mußten sie der Reihe nach aufstehen, vor die Partisanen treten und sagen, ob ihnen Gott geholfen habe, wieder von dem Lager frei zu werden. Sobald einer die Frage beantwortet hatte, bekam er mit Fluchworten gewürzte Ohrfeigen. "Was betest Du dann?" schrien sie ihn gewöhnlich an und hießen ihn hinknien und weiterbeten. "Vielleicht hilft er Dir doch", sagten sie und wiederholten nach einer Weile dieselbe Prozedur mit ihm. Diese Torturen wurden vorwiegend auch mit solchen ausgeführt, die bei Versuchen, aus den Lagern ins Ausland zu fliehen, aufgegriffen und in das Lager überstellt wurden.

Am 20. Juli 1945 wurden abends auch alle außerhalb der Stadt eingesetzten Arbeiterpartien im Lager versammelt und in die Baracken geführt. Als es dunkel geworden war, wurden zehn und zehn abgesondert und in eine Baracke genommen. Dort mußten sie alles, was sie hatten, abgeben. Nur das Nötigste an Kleidungsstücken wurde belassen; Uhren, Schmuckstücke, Geld und alles andere wurde weggenommen. Jeder wurde aufgefordert, alles herzugeben und nichts zu verstecken. Bei wem etwas versteckt gefunden würde, würde sofort erschossen werden. (In der Nacht wurden im Hofe öfter Schüsse abgegeben.) Allen wurde eingeschärft, daß schon einige erschossen worden seien, weil bei ihnen versteckte Sachen gefunden wurden. In derselben Nacht haben Partisanentrupps auch die Arbeiterpartien aufgesucht, die nicht in das Lager kommen konnten, und haben diese Aktion auch dort durchgeführt. Wer seine Kleidungsstücke nicht schnell genug aufgeknöpft und nicht so weit freigemacht hatte, daß sie genauestens durchsucht werden konnten, bekam Ohrfeigen und Prügel. Auf manche hat sich gleich ein ganzes Rudel von Partisanen gestürzt und die Männer und Frauen erbärmlich geschlagen. Manche wurden bewußtlos wieder aus der Baracke ins Freie gestoßen. Besonders unflätig und flegelhaft benahmen sich die Partisanen bei diesen Leibesvisitationen Frauen und Mädchen gegenüber.

Im Mai 1946 fand in Sombor eine Demonstration der Partisanen gegen den Beschluß der Westmächte statt, die Stadt Triest nicht Jugoslawien anzuschließen, sondern als Freistadt unter Verwaltung der UNO zu stellen. Als der Lagerkommandant in vorgerückter Abendstunde von der Demonstration in das Lager zurückkam, holte er zwei alte Männer aus den Baracken und führte sie in seine Kanzlei, wo er sie mit noch drei Partisanen fürchterlich folterte. Sie schnitten ihnen einzelne Glieder ab, schlugen sie, stachen sie mit Messern und schnitten ihnen schließlich die Kehlen durch. Nach der Tat erklärte der Lagerkommandant, diese Bluttat nur aus Wut gegen den Beschluß der UNO ausgeführt zu haben. Mangels anderer Möglichkeiten, sich zu rächen, wollte er seinen Blutrausch an wehr- und schutzlosen deutschen Menschen stillen.

Eine zweite Folterstätte für deutsche Menschen war in Sombor das Gefängnis in der Zupanija. Hunderte schmachteten in den Zellen dieses Gefängnisses. Die Häftlinge wurden ständig Vernehmungen und Verhören unterzogen, die sich in den seltensten Fällen auf sie selbst oder ihre Vergangenheit oder Tätigkeit bezogen. Auf sie bezogen sich nur die Prügel und die seelischen Qualen, denen sie unterworfen wurden. Nur selten hatten die Häftlinge auch nur eine Ahnung von dem, was sie aussagen sollten. Sie wurden meist über andere befragt und meist über Personen, die sie gar nicht kannten und nie gesehen hatten. Um von ihnen belastende Aussagen gegen andere, auch gegen einheimische Serben und Ungarn, zu erpressen, wurde manchen Tag und Nacht keine Ruhe gelassen.

Ein Häftling, der drei Monate lang in diesem Gefängnis eingesperrt war, erzählt darüber folgendes:
"Ich wurde gefragt, ob ich N., einen bekannten Somborer Rechtsanwalt, kenne und ob mir nicht auch der Vernehmende bekannt sei. Da ich weder mit dem einen noch dem anderen jemals im Leben was zu tun hatte, kannte ich keinen. Von dem Rechtsanwalt hatte ich wohl hie und da den Namen gehört, aber mehr nicht. Den Vernehmenden, der in seiner Kanzlei gearbeitet haben will, habe ich nie im Leben gesehen. Um diese Frage drehten sich viele meiner Verhöre, die bald am Tage, bald in der Nacht durchgeführt wurden und bei denen ich fast immer Prügel bekam. Einigemal wurde ich auch mit anderen konfrontiert, die dieselbe Frage zu beantworten hatten. Bald mußte ich zusehen, wie man sie schlug und mißhandelte, wie man mich quälte. Das wurde wochenlang fortgesetzt. Immer hieß es, daß man uns schon dahin bringen werde, daß wir uns genau dessen erinnern würden, was man von uns wissen wolle. Eines nachts wurde ich wieder vorgeführt. Auf dem Tisch lagen Pistolen. Während die Partisanen diese ergriffen, erklärten sie mir, daß ich jetzt erschossen werde. Ob ich Frau und Kinder habe, fragten sie noch und dann hießen sie mich, an die Wand zu stellen, den Mund aufzutun und hielten mir den Lauf einer geladenen Pistole in den Mund. Ob ich jetzt aussagen wolle, war die Frage. Auf mein Nicken nahm er die Pistole wieder aus meinem Mund. Ich beteuerte beim besten Willen und auch angesichts der Gefahr, daß meine Familie deswegen ihren Ernährer verlieren könnte, den Genannten weder zu kennen oder gesehen zu haben, noch von ihm irgend etwas zu wissen. Darauf wurde ich wieder in meine Zelle geführt, von der man mich am nächsten Tage wieder holen und erschießen wollte, wenn in bezug auf mein Gedächtnis noch immer keine Besserung eintrete. In der nächsten Nacht wurde ich von zwei mit Gewehren bewaffneten Partisanen abgeholt, kurz gefragt, ob ich jetzt schon was wisse, und in den Hof geführt. Ich war überzeugt jetzt erschossen zu werden. Im Hofe angelangt, taten die Partisanen so, als wäre es schade, mich gleich zu erschießen, zumal sie kein geschnittenes Holz hätten und ich noch ganz gut vor meinem Tode das nötige Kleinholz für die kommenden Tage schneiden könnte. Ich wurde dann zum Holzplatz geführt und mußte dort Holz schneiden. Nach einigen Stunden wurde ich wieder in meine Zelle gebracht und nach einigen Tagen mit anderen in das Somborer Lager überstellt."

Gefährlicher als das Gefängnis in der Zupanija war das im Kronic-Palais. Nur wenige, die einmal hier hinter Schloß und Riegel verschwunden sind, haben wieder das Tageslicht gesehen. Wieviele Menschen hinter den Mauern dieses Hauses unter furchtbaren Qualen ihr Leben ausgehaucht haben, wird die Welt wahrscheinlich nie erfahren. Die Häftlinge wurden nicht nur immer wieder auf andere Zellen verlegt, sie wurden auch nach Neusatz (Novisad) verschoben. Manche wurden von dort auch wieder zurückgebracht und wieder nach Neusatz verschickt. Der Sinn dieser ständigen Umlegungen dürfte der gewesen sein, den Mithäftlingen alle Möglichkeiten auch für annähernde Schätzungen der Opfer dieses Hauses zu verwischen. In dem Gefängnis waren auch solche verhaftet, mit denen man nichts anderes im Sinn hatte, als belastende Aussagen gegen andere zu erwirken und zu erpressen. Die Vernehmungen sollen das Brutalste gewesen sein, was bisher in solchen Dingen je auf der Welt bekanntgeworden ist. Fast täglich gab es auf zahlreichen Zellen Tote, die an den Mißhandlungen gestorben sind. Von den Leiden einzelner erzählten hie und da doch entlassene Häftlinge, bis dann nach einem gewissen Zeitpunkt keiner der später Entlassenen mehr was von ihnen berichten konnte. Das war das sicherste Zeichen, daß der Häftling auch nicht mehr lebte.

Der Apatiner Kinobesitzer Gassmann lag eines Tages tot in der Zelle und mußte von einem Häftling, der aus seinem Geburtsort Sentiwan stammte und ihn trotz seines durch Mißhandlungen entstellten Kopfes an den von ihm in den Wochen vorher getragenen Kleidern erkennen konnte, hinausgetragen werden. Das sind nur wenige von den vielen bekannten Fällen, die in den Zellen und Folterkammern dieses Hauses geendet haben. Noch größer ist aber die Zahl derer, die in dieses Haus gekommen und darin verschwunden sind, ohne daß je ein Mensch einmal was davon erfahren hätte. Es war damals und noch viele Monate später jedem strengstens verboten, seinen Wohnort auch nur zeitweilig zu verlassen. Niemand durfte reisen, oder sich auf eine andere Art in einen anderen Ort begeben, ja nicht einmal einen solchen für Stunden besuchen. Diesem Umstande ist es zuzuschreiben, daß nur wenig Einzelheiten aus dem Kronic-Palais von den recht selten entlassenen Häftlingen erfahren werden konnten. Durch die ständigen Umlegungen aber blieb auch diesen das Schicksal vieler Mithäftlinge völlig in Dunkel gehüllt.

Niemals aber wurde gegen Personen deutscher Abstammung eine Untersuchung darüber geführt, ob sie Anhänger des Nationalsozialismus oder Kriegsverbrecher waren. Es genügte, deutscher Abstammung zu sein, um hinter den Mauern dieses oder jenes Gefängnisses für immer zu verschwinden. Mehr als bezeichnend ist der Umstand, daß es die sogenannten "Komitees zur Untersuchung von Kriegsverbrechern" nur in Orten gab, in denen Ungarn wohnten. Die Deutschen waren anscheinend schon damals alle dem Tode geweiht, so daß es sich nicht mehr gelohnt hat, noch eigens zu untersuchen, ob sie sich etwas haben zuschulden kommen lassen oder nicht.

Eine besonders beliebte Art war bei Erschießungen der Versuch, mit einer Kugel gleich eine ganze Reihe zu töten. Oft wurden mehrere Personen streng in einer Reihe hintereinander aufgestellt und erschossen, um feststellen zu können, wieviele Menschen eine einzige Kugel tödlich treffen kann.

Die überwiegend deutschen Gemeinden des Somborer Bezirkes stellten schon im Herbst den größten Teil der Belegschaft des Somborer Lagers. Einige tausend waren in Kolut, Gakovo, Kruschevlje, Stanischitsch, Monoschtor, Siwatz, Tschonopl, Kernei ausgehoben und nach Sombor gebracht worden. Viele wurden auch in ihren Heimatorten gefangengehalten und mußten dort Zwangsarbeit verrichten. Im Frühjahr und Sommer wurden dann auch die arbeitsunfähigen Personen ausgehoben und nach Gakovo und Kruschevlje gebracht. Die letzte Gemeinde, die dieses Schicksal erreichte, war Stanischitsch. Sie war zugleich auch die letzte der einige hundert zählenden Reihe von Ortschaften, in denen deutsche Menschen lebten.

Schauplatz kommunistischer Grausamkeiten war Kernei. Hier wurden noch im Herbst mehrere deutsche Frauen, zum Teil auch vor den Augen ihrer eigenen Kinder, vergewaltigt, und solche, deren Widerstand auch mit Gewalt und Schlägen nicht gebrochen werden konnte, erschossen. Im Keller des Schulgebäudes haben besoffene Partisanen 15 deutsche Männer in eine Ecke getrieben und solange mit Maschinenpistolen in die Gruppe geschossen, bis sie alle tot waren. Einige der erschossenen Männer hatten allein 16 tödliche Wunden.

Gakovo - Kruschevlje
Im Nordwesten der Batschka, dicht unterhalb der ungarischen Grenze lagen die beiden reindeutschen Gemeinden Gakovo und Kruschevlje. Sie wurden von den Partisanen zu der letzten Station des Weges bestimmt, auf dem die Vernichtung der deutschen Minderheit in Jugoslawien vollzogen werden sollte. Die vorausschauende Berechnung, die schon von vornherein genau festgelegte Systematik und die Rolle, die diesen Orten dabei zugedacht war, geht vor allem aus einer Tatsache hervor, die zwar als merkwürdig schon im Herbst 1944 aufgefallen ist, deren Sinn und Zweck aber erst später erkannt werden konnte. Schon wenige Wochen nach der Errichtung der Militärverwaltung der Partisanen wurde die gesamte Bevölkerung von Gakovo mit Ausnahme der arbeitsfähigen Männer nach Kruschevlje getrieben, die arbeitsfähigen Männer von Kruschevlje ausgehoben und nach Gakovo gebracht. Von dort wurden dann 250 nach Bezdan gebracht, wo sie einige Zeit Zwangsarbeit verrichten mußten. Auf dem Wege nach Bezdan wurde ein Mann, der nicht mehr gehen konnte, totgeschlagen. In Kruschevlje wurden in dieser Zeit ein Mann (Karl Franzen) und eine Frau (Anna Depre) vor der Kirche erschossen, weil sie versucht hatten, in ihre Häuser zu gehen. Während dieser Zeit wurde aus den Häusern weggeschleppt, was die Partisanen von auszurottenden Deutschen zu besitzen für überflüssig hielten, oder, wie der Besitz von Lebensmitteln, das an ihnen geplante Vernichtungswerk des Hungers und der Not in ihre ausgeraubten Häuser zurückgelassen. Schon vorher und auch später waren unzählige arbeitsfähige Männer und auch viele Frauen aus Gakovo und Kruschevlje nach Sombor in das dortige Zwangsarbeitslager gebracht und zu den verschiedensten schweren und schwersten Arbeiten verwendet worden.

Im Frühjahr wurde der Sinn der im Herbst schon durchgeführten aber wieder rückgängig gemachten Vertreibung der Bevölkerung beider Orte offenkundig. Am 12. März wurden 8.000 Personen zu Fuß von Apatin nach Gakovo und Kruschevlje gebracht, beide Orte hermetisch abgeschlossen und die Todesstrafe allen jenen angedroht, die den Ort zu verlassen oder unbefugt zu betreten versuchen sollten. Nach und nach folgten immer neue Menschenmassen. So wie ein Ort im Vernichtungsbereich der Westbatschka ausgetrieben wurde, wurde seine arbeitsunfähige Bevölkerung nach Gakovo und Kruschevlje getrieben. Sowohl Gakovo als auch Kruschevlje wurde von den Partisanen selbst "Vernichtungslager" genannt. Immer wieder kamen neue, oft aus mehreren Tausenden von Menschen bestehende Marschgruppen an. Mütter mit kleinen Kindern wurden meist zusammen nach Kruschevlje gebracht. Nur in seltenen Fällen konnten sie jedoch beisammen bleiben. Fast täglich wurden arbeitsfähige Personen ausgehoben, fortgeführt und auf die verschiedensten Arbeitsplätze in der ganzen Batschka gebracht, so daß jeden Tag immer mehr Kinder elternlos wurden. Wohl hatten anfangs die Kinder meist doch noch jemanden, der sich ihrer annahm - eine Großmutter oder eine Verwandte. Als aber schon nach wenigen Wochen das große Sterben anhub und der Hungertod mehr als reich Ernte hielt, verloren Hunderte und Hunderte von Kindern auch den letzten Menschen, der sich ihrer hätte annehmen können.

Post gab es keine. Weder konnten Briefe abgeschickt noch empfangen werden. Wer einmal von den Seinen getrennt war, blieb meist ohne jede Kunde von ihnen. Die einzige Möglichkeit, von Angehörigen, die in Gakovo oder Kruschevlje zurückgeblieben waren, etwas zu hören, bestand in seltenen Fällen in den reichlichen Verlegungen von einem Arbeitsplatz auf den anderen und den ständigen Umgruppierungen der Arbeiterpartien. So und nur so konnte hie und da von einem Leidensgenossen über den Verbleib eines Angehörigen, den er vielleicht noch vor Wochen oder Monaten gesehen hatte, etwas erfahren werden. Meist lagen aber diese Nachrichten zeitlich so weit zurück, daß sie schon überholt waren. Es gab Tausende von Fällen, wo Mütter erst nach Jahren erfuhren, ob und wo ihre Kinder noch lebten und unzählige Mütter, die nie vom Schicksal ihrer Kinder erfuhren und in Ungewißheit blieben, ob sie noch lebten oder nicht.

Bald wurde die deutsche Bevölkerung dieses, bald jenes Ortes der Batschka vertrieben und nach Gakovo und Kruschevlje gebracht. In den Sommermonaten 1945 erreichte die Zahl der dort zusammengepferchten Menschen 21.000. Sie ist während der ganzen Zeit kaum nennenswert und nur für kurze Zeitspannen heruntergegangen, weil immer wieder aus den anderen Internierungslagern Menschen hierher gebracht wurden. Selbst ganze Lager konnten im Laufe der Zeit nach Gakovo und Kruschevlje verlegt werden. Sie füllten dort die Lücken aus, die das Massensterben in die Belegschaft gerissen hatte. Als im Sommer 1945 als erstes das Filipovoer Internierungslager, im Herbst desselben Jahres das Sekitscher und im Frühjahr 1946 das Jareker auch nach Gakovo und Kruschevlje verlegt worden waren, erreichte die Belegschaft eine Zahl von rund 27.000 (18.400 in Gakovo und 8.600 in Kruschevlje). In der Folgezeit ist die Zahl der Belegschaft nie unter 20.000 gesunken. Neben dem ständigen Zustrom von in Zwangsarbeitslagern arbeitsunfähig gewordenen Personen wurden, nachdem bereits alle Internierungslager der Batscbka nach Gakovo und Kruschevlje verlegt worden waren, nicht nur nach und nach auch Zwangsarbeitslager der Batschka aufgelassen und deren Belegschaft ebenfalls hierher gebracht, sondern auch Transporte aus dem Banat, vorwiegend aus Rudolfsgnad, nach Gakovo und Kruschevlje überführt.

Im April 1945 mußte die gesamte Belegschaft beider Lager mit allem, was sie hatte, antreten. Einzeln wurde ein jeder vorgenommen und mußte alles abgeben, was er an Geld, Wertgegenständen oder sonst nach Auffassung der Partisanen an entbehrlichen Dingen bei sich hatte. Wer etwas versteckt, würde sofort erschossen werden, hieß es. Tatsächlich wurden in Kruschevlje auch zwei Frauen gleich von den ersten, die ihre Sachen abzugeben hatten, deswegen erschossen, weil bei ihnen kleine Geldbeträge versteckt gefunden wurden. Sie wurden auf die Straße geführt und vor der Kolonne, die dort angetreten war und zu warten hatte, bis jedes an die Reihe kam, aufgestellt und vor allen erschossen. Alle weiteren mußten dann auf dem Wege zu der "Kommission", die die Sachen abnahm, an den Toten vorbeigehen. Erst als die "Aktion", die bis in die Morgenstunden des nächsten Tages dauerte, beendet war, durften die Leichen weggetragen und begraben werden.

Der ewige Hunger und das Massensterben, das aus der nächsten Umgebung täglich neue Opfer forderte, drängte Unzählige zur letzten Verzweiflungstat: Sie erhängten sich. Viele aber entschlossen sich, ihr Leben für ein Stückchen Brot aufs Spiel zu setzen, namentlich Mütter. Aber auch Kinder taten es. Sie schlichen nachts aus dem Lager und gingen in die umliegenden serbischen, bunjewatzischen und ungarischen Orte betteln. Sie legten dabei oft erstaunlich weite Wege zurück und bettelten häufig in 10 bis 20 Kilometer entfernten Ortschaften. Das Ende vieler solcher Unternehmungen aber war, daß die Verzweifelten bei der Rückkehr in das Lager kurz vor dem Erreichen des Zieles erwischt und entweder noch auf dem Felde oder im Ort selbst öffentlich erschossen wurden.

Geschäft mit der Flucht
War bis Herbst 1946 nur der Tod oder ein gewagter und meist auch mit dem Leben bezahlter Fluchtversuch nach Ungarn der einzige Erlösungsweg aus den Leiden dieser Lager, so gab es von dieser Zeit an auch noch einen anderen. Offenbar erkennend, daß die mit dem Frühjahr 1947 als Endtermin für die restlose Vernichtung des gesamten Deutschtums Jugoslawiens ganz offiziell vom Innenministerium festgelegte und von Organen desselben, sowie Massenerschießungen, ohne größtes Aufsehen in der ganzen zivilisierten Welt zu erwecken, nicht mehr durchgeführt werden können, schien man sich zu einem anderen Wege entschlossen zu haben. Die Lagerkommandantur begann mit dem Herbst 1946 allmählich die Massenflucht nach Ungarn zu dulden. Wer allerdings dabei ertappt wurde, wurde in das Lager zurückgebracht, wo ihm alles, was er sich für den weiten Weg mitnahm, weggenommen wurde. Diese Maßnahmen scheinen aber weniger den Zweck gehabt zu haben, eine Flucht überhaupt zu verhindern, sondern verrieten vielmehr das Bestreben, die Flucht in die Bahnen eines eigenen Geschäftes zu lenken. Die Lagerkommandantur duldete ganz offiziell eine Reihe von Mittelsmännern, die Transporte zusammenzustellen und selbst über die Grenze zu führen hatten. Jeder, der in einem solchen Transport aufgenommen werden wollte, mußte dem Mittelsmann 1.000 Dinar bezahlen, der den Betrag dann wieder bei der Lagerkommandantur abzuliefern hatte. Solche Transporte wurden nie ertappt. Sie wurden daher auch ganz offiziell und im Gegensatz zu den anderen, die geschnappt werden konnten und daher als "schwarze" bezeichnet wurden, "weiße Transporte" genannt. Den ganzen Winter über florierte dieses "Transportgeschäft". Es wurde erst wieder im Herbst 1947 aufgelassen.

An diesen Transporten verdiente die Lagerkommandantur unheimliche Millionen. Fast jede Nacht gingen Transporte ab und öfter betrug die Zahl der mit einem einzigen Transport über die Grenze geschafften Menschen, einige hundert Personen. Für jede und auch für das kleinste Kind mußten 1.000 Dinar bezahlt werden. Die Aufbringung dieser hohen Kopfprämie und der gesamte Aufwand von schätzungsweise 10 bis 20 Millionen Dinar von Menschen, denen schon seit vollen zwei Jahren alles weggenommen und die ständig auf Geld- oder Wertsachenbesitz durchsucht worden waren, scheint jedem, der das enge Freundschaftsverhältnis der deutschen Bevölkerung Jugoslawiens zu den ungarischen, bunjewatzischen, schokatzischen, serbischen und slowakischen Mitbewohner des Landes nicht kennt, unwahrscheinlich. Das ganze Transportgeld wurde von andersnationalen Bekannten, Verwandten und Freunden aufgebracht. Die Kunde von dieser Fluchtmöglichkeit nahm ihren Lauf durch die weitesten Teile des Landes, und die niemanden hatten, wagten den "schwarzen" Weg und vielen gelang er auch. Die Zahl der Deutschen, die sich so über Gakovo und Kruschevlje das Leben retten konnten, wird mit 30.000 veranschlagt. Als die Lager im Frühjahr 1948 aufgelassen wurden, hatte Gakovo noch immer eine Belegschaft von etwa 20.000 Personen.

"Freiwillige" Arbeitsverpflichtungen
Angefangen vom Herbst 1946 wurden auch schon arbeitsfähige Personen aus den Zwangsarbeitslagern nach Gakovo und Kruschevlje gebracht. Im Sommer 1947 wurde eine Neuerung eingeführt: Arbeitsfähige konnten sich für Arbeiten in Bergwerken und Kolchoswirtschaften verpflichten. Solchen, die auf diese Verpflichtungen eingingen, wurde versprochen, für die Arbeit bezahlt zu werden und als freie Menschen leben zu können. Es ist den Arbeitsfähigen nichts anderes übriggeblieben. Es waren meist solche, die die hohe Kopfprämie für sich und ihre Angehörigen nicht aufbringen und sich auch für den "schwarzen" Weg nicht entschließen konnten und für die sonst nichts anderes als der Hungertod übrig geblieben wäre. Unter diesem Druck des Hungertodes haben sich viele zu Arbeitsleistungen verpflichtet und sind nach und nach in das Innere des Landes gebracht worden, wo sie in Bergwerken, Kolchoswirtschaften, bei staatlichen Bauunternehmen und dergleichen im ganzen Lande verstreut arbeiteten.

Ein großer Teil der Personen, die Arbeitsverpflichtungen eingingen, waren Väter und Mütter von Kindern die von Gakovo, Kruschevlje, Rudolfsgnad oder sonst einem anderen Internierungslager entführt und verschleppt worden sind. Da sie den Aufenthalt ihrer Kinder nicht wußten und als unfreie Menschen im Lager auch nie hätten erfahren können, gab es für sie nur einen Weg - über eine Arbeitsverpflichtung erst mal ihre Freiheit zu erreichen, um vielleicht dann doch noch von ihren Kindern etwas zu hören oder sie vielleicht noch zu finden.

Viele Arbeitsfähige aber, die noch immer lieber nach Ungarn geflohen wären, hielten sich diesem Freiheitsangebot gegenüber zurück. Um auch diese in den Bann des arbeitsverpflichtenden Freiheitsversprechens zu zwingen, wurden als erstes die "Transportmöglichkeiten" unterbunden, sowohl die "weißen" als auch die "schwarzen". Als auch das nicht viel nützte, brachte man viele Arbeitsfähige in die in manchen Bezirksorten noch bestehenden zentralen Zwangsarbeitslager, gab ihnen nichts zu essen und machte sie mürbe. Angesichts der solcherart reduzierten Fluchtmöglichkeiten und des verstärkten Druckes konnten die Partisanen bis Frühjahr 1948 doch erreichen, daß sich fast alle Arbeitsfähigen zu irgend einer Arbeit verpflichtet hatten. Im Frühjahr 1948 wurden die Lager aufgelöst. Solche, auf deren Arbeitsverpflichtung kein besonderer Wert gelegt wurde - meist vermindert Arbeitsfähige - konnten sich selbst eine Arbeit suchen. Solche, die arbeitsunfähig waren, konnten bei Bekannten oder Verwandten aufgenommen werden. Die vielen aber, die niemand mehr hatten, der sich ihrer angenommen hätte, wurden nach Rudolfsgnad und später dann auch wieder nach Karlsdorf gebracht. Sie lebten dort in der Fliegerbaracke, die als "Altersheim" erklärt wurde. Sie durften den Ort nicht verlassen und lebten in Verhältnissen wie früher in den Internierungslagern, nur mit dem Unterschied, daß sie Geld besitzen, im Ort selbst sich bewegen und Spenden von der Bevölkerung annehmen durften.

Hunger und Seuchen
Die Verköstigung der Insassen des Gakovoer und Kruschevljeer Lagers kann genau so wenig wie der der Belegschaften der übrigen Internierungslager mit "Ernährung" überschrieben werden. Es müßte als bitterer Hohn aufgefaßt werden, wollte man das noch "Ernährung" nennen. Es war angewärmtes, bestenfalls noch gekochtes Wasser, dessen Geschmack mit gewissen Zutaten nur verdorben wurde, aber nicht mehr. Schon nach wenigen Monaten gab es weder in Gakovo noch in Kruschevlje Hunde oder Katzen. Wo eines dieser Tiere auftauchte, wurde es in der Regel gleich von vielen verfolgt, gefangen und geschlachtet. Verendete Tiere wurden immer gleich ausgehackt und restlos aufgezehrt.

Ärztliche Behandlung gab es keine. Seuchen und Epidemien brachen schon in den ersten Monaten aus und haben nie ganz aufgehört. Was ihnen nicht zum Opfer fiel, mergelte an Durchfall aus und starb dann an Hungerödem. Besonders waren es die Kinder, die wie Fliegen nur so dahinstarben. Täglich starben 30 bis 35 Personen in Kruschevlje und 50 bis 60 in Gakovo. Die höchste Zahl der Toten eines einzigen Tages war in Kruschevlje 42, in Gakovo 96. Aus rund 120 Orten Jugoslawiens entstammten die 7.000 bis 8.000 Menschen, die allein in Kruschevlje gestorben sind. Von 220 Personen, die aus Kruschevlje selbst stammten, sind in einem einzigen Jahre allein 92 gestorben.

Kinderschicksale
Im Sommer 1946 wurden alle Kinder, die nicht mindestens Vater oder Mutter im Kruschevljeer Lager hatten, weggenommen und nach Gakovo gebracht. Nach einiger Zeit wurden auch in Gakovo alle Kinder den Großeltern und Verwandten weggenommen und in unbekannter Richtung fortgeführt. Erst nach vielen Monaten konnte gerüchteweise in Erfahrung gebracht werden, daß sie im ganzen Lande in Kinderheime und an Private verteilt wurden und zu serbischen Kommunisten erzogen werden.

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