[Home]
|
4. Im
Bezirk Groß-Betschkerek herrschte
tödliches Grauen Betschkerek Hier hatte sich am 2. Oktober 1944, dem Tage, an
welchem die Russen eingerückt waren, eine
einheimische serbische Regierung konstituiert, die
aber schon am 10. Oktober wieder umgebildet wurde.
Es kamen kommunistische Partisanen-Verbände
aus Syrmien hin und rissen die Macht an sich. Schon
gleich am 10. Oktober, dem ersten Tage ihrer
Regierung, an einem Dienstag, haben diese neuen
Herren ganz ohne Grund in den frühen
Morgenstunden den westlichen Teil der Stadt, jene
Gassen, in welchen hauptsächlich die deutschen
Landwirte ihre geschlossenen Siedlungen hatten, von
allen Seiten abgesperrt. Bewaffnete
Partisanengruppen, denen auch Frauen in
Partisanenuniform angehörten, gingen von Haus
zu Haus. Sie legitimierten die gesamte
Bevölkerung dieses Stadtteiles, und wo sie
einen deutschen Mann oder Jüngling gefunden zu
haben glaubten, wurde er sofort aus dem Hause
getrieben. "Bist du ein Deutscher?" war die einzige
Frage, welche die Betreffenden jedesmal zu
beantworten hatten, und wenn er es war, bestand der
darauf folgende Befehl nur noch aus drei Worten und
diese lauteten: "Fesseln und erschießen!"
Damit war das Verfahren auch zu Ende. Alle diese
deutschen Zivilpersonen wurden dann unter
gräßlichen Mißhandlungen und
Gewehrkolbenstößen in den serbischen
Stadtteil geschleppt. Es waren gegen 300 an der
Zahl. In der "Takovska-Gasse", in der sogenannten
"Dolja", trieb man sie zusammen. Im Hofe eines dort
stehenden Hauses mußten sie sich ausziehen.
Dann wurden sie aus dem Hof, jedesmal in Gruppen zu
zehn, auf die Gasse getrieben. An einer Gassenseite
befand sich dort eine lange Ziegelmauer. Vor diese
mußten sie sich hinknien und wurden von
rückwärts erschossen. Darauf brachten die
Partisanen Wagen herbei und warfen die toten
Deutschen darauf. Am Ortsrande der Stadt, dort wo
sich vor dem ersten Weltkrieg, als das Land noch zu
Ungarn gehörte, die
Militärschießstätte befand, hatten
die Partisanen bereits vorher ein großes Loch
graben lassen. In dieses warfen sie alle 300 Toten
hinein. Unter den Opfern dieses Tages befand sich
auch ein 14jähriger Knabe, dessen Vater dann
einige Tage danach mit seinem Schwager ebenfalls
erschossen wurde. An den darauffolgenden Tagen wurden auch die
meisten Deutschen der übrigen Stadtteile aus
ihren Wohnungen vertrieben. Man brachte sie in
verschiedene Lager. Für eines davon wurde eine
alte Mühle am Nordrande der Stadt ausersehen.
Auch aus den Gemeinden der Umgebung wurden Tausende
von Deutschen hierher in diese Mühle
geschleppt. Auch 60 deutsche Kriegsgefangene und
Hunderte von deutschen Männern, Kindern und
Frauen aus Rumänien, die vor den Russen nach
dem Westen geflüchtet waren, aber nicht mehr
weiter gekommen sind, sperrte man mit den
Groß-Betschkereker Deutschen hier ein. Gleich beim Eingang in das Gebäude dieser
alten Mühle befand sich ein kleiner Raum.
Dieser wurde von den Partisanen als Folterkammer
eingerichtet. Jede Nacht, wann immer eine
Partisanengruppe Lust empfand, deutsches Blut zu
sehen und deutsche Menschen umzubringen, wurden
diese in Gruppen oder einzeln aus den übrigen
Räumen dieses Vernichtungslagers in diese
Folterkammer geholt. Schon in der ersten Nacht
massakrierten die Partisanen 25 Männer, einen
nach dem anderen. Man schlug ihnen zuerst die
Zähne ein, brachte ihnen dann mit
Gewehrkolbenstößen von
rückwärts Nierenverletzungen bei, brach
ihnen durch Kolbenhiebe das Schlüsselbein,
warf sie zu Boden, sprang ihnen mit aller Wucht auf
den Bauch, brach ihnen die Rippen und töteten
sie schließlich, wenn sie noch immer lebten,
durch Einschlagen der Köpfe mit Gewehrkolben
oder Stöcken. Sehr häufig geschah dies
während andere Partisanen hierzu Musik machten
oder Lieder sangen und je lauter die Opfer
jammerten, desto lauter wurde gesungen und desto
stärker die Ziehharmonika gespielt. Einer der
ersten, an dem die Partisanen diese Experimente
ausprobierten, war der Lehrer Hermann aus Kikinda
und dann der Kaufmann Julius Bock aus
Groß-Betschkerek, zwei besonders groß
gewachsene, starke Männer. Auch der
Gutsbesitzer und einstige Obmann des
"Schwäbisch-deutschen Kulturbundes", Johann
Keks, wurde erschlagen. Auch von den 60 deutschen
Kriegsgefangenen, die mit den deutschen Zivilisten
zusammen eingesperrt waren, wurden ohne
Rücksicht auf ihre deutsche
Staatsbürgerschaft in kurzer Zeit alle bis auf
26 von den Partisanen getötet. Auch die
meisten rumänischen Flüchtlinge
männlichen Geschlechtes, darunter auch ein
deutsches Kind namens Minges Walter aus Detta,
wurden, obwohl die Partisanen wußten,
daß sie keine jugoslawischen
Staatsbürger waren, getötet. Bei der
Ermordung des erwähnten Kindes, die von den
Partisanen bei Tag wie ein Zirkusspiel mitten im
Lagerhof vorbereitet und vorgeführt wurde,
mußten alle Lagerinsassen, insbesondere aber
alle Frauen, gegen 400 an der Zahl, antreten und
waren gezwungen, zuzuschauen, wie man deutsche
Kinder liquidiert. Sehr oft fanden in diesem Lager
Massenerschießungen in Gruppen bis zu 150
Menschen und darüber statt. Alles dies geschah
nur deshalb, um die Zahl der Deutschen, deren Habe
die Partisanen bereits im Besitz hatten und in
deren Häuser sie bereits eingezogen waren, zu
vermindern und die Eigentümer aus der Welt zu
schaffen. In allen diesen Fällen wurden die
Opfer ganz willkürlich ausgewählt. Sie
mußten sich im Lagerhof von den anderen
getrennt aufstellen, wurden dann mit Draht
aneinander gebunden und von den Partisanen
fürchterlich geschlagen. Darauf wurden sie aus
dem mit Stacheldraht umgebenen Lager
hinausgetrieben und meist in die Nähe der
früheren Militärschießstätte
gebracht. Dort mußten sie ein großes
Loch graben. Manchmal hatten dies sogar schon Tage
zuvor andere deutsche Lagerinsassen für die
Erschießung vorbereiten müssen. Dann
mußten sie sich nackt ausziehen, in Gruppen
von 10 bis 20 Menschen an das Grab herantreten oder
sich schon gleich auf die anderen Toten in das Grab
hineinlegen und wurden dann erschossen. Wer
zögerte, wurde geschlagen oder mit Bajonetten
gestochen. Diese Massengräber wurden dann
vielfach nur ganz oberflächlich mit Erde
zugeworfen. Die Kleider der Getöteten aber
wurden von den Partisanen mit Wagen in die Stadt
gefahren und verhandelt. Schon tags darauf gingen
die Anhänger der Partisanen in den
Kleidungsstücken dieser liquidierten deutschen
Menschen in der Stadt herum. Die erste derartige Erschießung hat
bereits am 12. Oktober 1944 stattgefunden. 75
deutsche Zivilpersonen sind damals auf einmal aus
dem Lager hinausgeführt und getötet
worden. Am 14. Oktober war schon die nächste
Massenerschießung mit ebenso vielen Opfern.
So ging es weiter fast jeden zweiten Tag. Am 20.
Oktober ist in einer Gruppe von 70
Groß-Betschkereker Bürgern auch der
frühere deutsche Abgeordnete und Notar, Dr.
Julius Elmer, nach fürchterlichen
Mißhandlungen erschossen worden. Bei der
Erschießung vom 29. Oktober, bei der in zwei
Partien insgesamt 154 Männer getötet
wurden, sind auch der frühere deutsche
Abgeordnete Prof. Peter Heinrich aus Hatzfeld und
der Maler Johann Eck ums Leben gekommen. An einem anderen Tage mußten alle
Lagerinsassen antreten. Es wurden alle diejenigen
aufgefordert vorzutreten, welche höhere
Schulen absolviert hatten. Akademiker, Meister,
Kaufleute oder Menschen mit größerem
Vermögen. Man stellte ihnen leichtere Arbeit
in Aussicht. Manche meldeten sich, da sie nichts
Böses ahnten. Kaum war dies geschehen, wurden
sie sogleich von den übrigen abgesondert, mit
Draht aneinander gefesselt, gräßlich
mißhandelt, zur Schießstätte
getrieben, nackt ausgezogen und erschossen. Gegen
60 deutsche Zivilpersonen sind diesmal getötet
worden. In seiner Verzweiflung angesichts der
ständigen Folterungen hat ein junger deutscher
Zivilist Selbstmord verübt. Er sprang auf dem
Heimweg von der Zwangsarbeit von der Brücke in
den Bega-Fluß und ertrank sogleich, denn es
war Winter. Dies haben die Partisanen zum
willkommenen Anlaß benützt, um sogleich
nach dem Eintreffen in das Lager noch andere 30
deutsche Zivilpersonen als Strafe für diesen
Selbstmord zu erschießen. Einen sehr grausamen Akt der Partisanen bildete
am 17. November 1944 die Ermordung von 60 Kranken.
Es wurde an diesem Tage verkündet, daß
diejenigen, die krank oder bei der Zwangsarbeit
Unfälle erlitten hatten, ins Spital gehen
könnten und sich zu diesem Zweck sogleich
melden sollten. 60 Arbeitsunfähige wurden
sogleich abgesondert und in einem Raum eingesperrt.
In der Nacht mußten sie dann ihre Kleider
ausziehen und wurden dann in Gruppen von je 10
Personen in den Lagerhof getrieben. Dort wurden sie
von einer großen Gruppe von Partisanen in der
Finsternis erwartet und sogleich an Ort und Stelle
mit Schaufeln durch Kopfhiebe der Reihe nach
erschlagen. Italienische Kriegsgefangene
mußten die erschlagenen nackten Deutschen auf
bereitgehaltene Wagen werfen, aus dem Lager
hinausführen und eingraben. Der Lagerhof aber
war noch am nächsten Morgen über und
über mit Blut bespritzt. Auf ähnliche Weise sind auch nachher
öfter die Kranken in diesem Lager gruppenweise
getötet worden. Am 25. November 1944 war es
eine Gruppe von 54 Kranken, die alle gleichzeitig
von den Partisanen erschossen worden sind. Ein
anderes Mal waren es 70, wieder ein anderes Mal 35
usw. Sehr groß aber war auch die Zahl jener,
die in diesem Lager einzeln getötet wurden. Am
29. November 1944 in der Nacht ist so als
Einzelner, nur weil er wegen seines hohen Alters
von 85 Jahren nicht mehr schwer arbeiten konnte,
der pensionierte deutsche Schuldirektor und
frühere Schriftleiter der deutschen Zeitung
"Neue Zeit", Stefan Kaufmann, aus dem
Lagergebäude geholt und im Lagerhof von
Partisanen getötet worden. Er wurde im
Lagerhof selbst eingegraben. Die meisten anderen aber, die nicht in Gruppen
getötet, sondern von den Partisanen einzeln im
Lager erschlagen oder erschossen wurden oder aber
verhungert oder durch Krankheit zugrunde gegangen
sind, wurden gleich tags darauf in unmittelbarer
Nähe des Lagers, außerhalb des
Stacheldrahtes auf einer Hutweide eingegraben oder
in den Straßengraben geworfen und nur mit
etwas Erde zugedeckt, so daß vielfach
Schweine und Hunde die halbverwesten Leichen wieder
an die Oberfläche ziehen konnten. Die Opfer aber wurden durchaus nicht immer tot
begraben. Viele wurden in das Grab gestoßen
auch wenn sie noch Zeichen des Lebens von sich
gaben. Wiederholt haben Schwerverwundete sogar noch
gebeten, ihnen noch einen Schuß zu geben.
Einmal war ein deutscher Mann bei einer am Abend
stattgefundenen Massenerschießung nach den
abgegebenen Schüssen nur verwundet mit den
übrigen in das Grab gestürzt.
Während der Nacht kam er wieder zu sich, kroch
durch die dünne, daraufgeworfene Erdschicht
wieder heraus und saß am nächsten Morgen
ganz nackt, aber noch lebend, am Rande des
Massengrabes. Vorbeigehende Zivilpersonen bat er,
ihm zu helfen. Diese meldeten es aber dem
Lagerkommandanten. Der schickte sogleich einige
Partisanen, die den Schwerverwundeten
töteten. Aus dem Groß-Betschkereker Lager wurden
sehr oft große Gruppen von Männern nach
auswärts auf schwere Zwangsarbeit geschickt.
Sehr viele wurden auch bei solchen Gelegenheiten
von den Partisanen erschlagen oder erschossen. Am
Pfingstmontag, den 20. Mai 1945, schickte man z.B.
75 Männer unter Begleitung einer großen
Zahl schwerbewaffneter Partisanen in den Steinbruch
nach Beotschin in Syrmien. Dieser Marsch war
begleitet von ständigen schwersten
Mißhandlungen durch die Partisanen. Nach der
Übergabe des Transportes an das
Fabrikunternehmen in Beotschin, wo sie hätten
arbeiten sollen, mußte festgestellt werden,
daß infolge der unterwegs durch die
erwähnten Mißhandlungen erlittenen
schweren Verletzungen 20 Männer
arbeitsunfähig geworden waren. Sie sind auch
fast alle bald darauf gestorben. Hatten in anderen
Orten aber Partisanen Lust, Deutsche zu ermorden,
konnten sie sich solche in Groß-Betschkerek
bestellen oder von dort liefern lassen. Sie wurden
dort bereitwilligst für solche Zwecke
abgegeben und dazu zur Verfügung gestellt. So
hatten am 25. Oktober 1944 die Partisanen in den
serbischen Ortschaften Melentzi und Baschaid
Festlichkeiten. Diese Feste sollten durch die
öffentliche Massakrierung deutscher Menschen
ihren Höhepunkt erfahren. Daher wurden an dem
genannten Tage 30 Deutsche aus dem
Groß-Betschkereker Lager in die genannten
Ortschaften geschickt. Dort wurden sie an diesem
Tage programmgemäß bei dem Fest
erschossen. Am 27. Dezember 1944 aber schickte der
Kommandant des Groß-Betschkereker Lagers
wiederum 39 Kranke, 35 Männer und 4 Frauen,
mit Wagen in die Ortschaft Ernsthausen. Sie wurden
dort als Höhepunkt einer Unterhaltung auf die
grausamste Weise umgebracht. Ein geflüchteter Lagerinsasse gab
über das Lager in Groß-Betschkerek
folgendes an: Kaum gräßlicher als der Tod war das
Leben im Betschkereker Lager. Morgens um 3 Uhr war
Tagwache. Das Lager war in mehrere Trupps
eingeteilt. Nach dem Wecken begann auch schon die
Prügelei und Beschimpfung. Die Männer
mußten mit freiem Oberkörper im dunklen
Hof zum "Frühsport" antreten. Im Hof stand ein
Brunnen mit einem bretternen Waschtrog. Durch das
starke Regenwetter und den großen
Wasserverbrauch ohne Ableitung bei den vielen
zusammengepferchten Menschen entstand im Hof ein
fertiges Schlammbad. In diesem Kot begann nun der
sogenannte "Frühsport". Mit Flüchen und
Schimpfworten, mit Kolbenhieben und
Gummiknüppeln wurde der "Frühsport" von
den Wachmannschaften bekräftigt. Die
halbverhungerten und wundgeprügelten Menschen
mußten sich in dieser naßkalten
Spätherbstzeit je nach Laune der Wache eine
halbe oder ganze Stunde in dem Schlamm des dunklen
Hofes herumwälzen, knien, hinlegen usw. Wenn
nun dieser "Frühsport" beendet war, ließ
man die schlammbekrusteten Menschen - es waren
17.000 Männer, Frauen und Kinder - kaum an den
Waschtrog, viele kamen gar nicht einmal dazu, sich
auch nur naß zu machen, geschweige denn, sich
anständig zu waschen. Von einer Benützung
von Seife oder sonstigem Waschzeug konnte gar keine
Rede sein. Zeitweise kam es auch vor, daß die
Partisanen, während die Lagerinsassen bei
diesem "Frühsport" auf der Erde lagen, auf
ihnen herumtanzten. Zu diesem Tanz spielte eine
Musikkapelle, um das Schreien zu
übertönen. Während des Tanzes wurden
die Lagerinsassen mit Knüppeln und
Gewehrkolben geprügelt und mit den
Stiefelabsätzen bearbeitet. Das dauerte
jedesmal eine halbe Stunde lang, nachher blieben
jeweils 5 - 10 Menschen liegen. Sie waren tot. Nach
diesem "Totentanz" wurde alles auf die Zimmer
getrieben, nachdem es aber noch stockfinster war,
mußte die Zeit bis zur Morgendämmerung
ausgefüllt werden. Bis um halb 6 Uhr wurden
die Menschen von der Wachmannschaft geprügelt
und gequält. Dann kam das Frühstück,
eine dünne Wassersuppe und 50 Gramm Brot. Nach
dem Frühstück wurde die Einteilung zur
Arbeit vorgenommen. Es gab verschiedene
Arbeitskommandos. Es wurde schwer gearbeitet an den
Bahnhöfen oder an der Schiffsstation, in
sonstigen Lagern und Warenhäusern wurde ein-
und ausgeladen. Von 6 Uhr früh bis 6 Uhr
abends wurde durchgearbeitet. Mittagessen gab es
oft keines. Um 18 Uhr wurde in das Lager
abmarschiert, und es ist oft vorgekommen, daß
manche Männer von den überschweren
Anstrengungen und der unzureichenden schlechten
Verpflegung auf dem Heimweg zusammenbrachen. Die Opfer wurden mit Fußtritten,
Kolbenhieben und Gummiknüppeln aufgetrieben.
Konnten sie nicht aufstehen, so mußten sie
von den anderen mitgeschleift werden, die nur mit
viel Mühe kaum ihren eigenen matten
Körper vorwärts brachten. Während
des ganzen Tages gab es zwar vereinzelt auch bei
dieser schweren Arbeit Prügel, jedoch bangte
allen schon auf dem Heimweg vor dem Augenblick, wo
die Unterkunft betreten werden mußte. Die
ausgeruhte Wachmannschaft wartete oft nur darauf,
sich gleich in Prügeleien und
Mißhandlungen zu ergehen. Schon am Toreingang
wurde in die müden Haufen der
einmarschierenden Kolonne dreingeschlagen. Im
Vorübergehen auf die Zimmer wurde Abendessen
empfangen. Es gab wieder nur Wassersuppe und 50
Gramm Brot. Nach dem Abendessen gab es keinen
offiziellen Dienst mehr. Die Menschen kauerten auf
ihren "Betten", schlafen konnten nur ganz wenige,
weil die Wachen andauernd hereinkamen, verschiedene
mit Namen vorriefen und sie vor allen anderen
schändlich mißhandelten. Auch ist es oft
vorgekommen, daß Schlafende geprügelt
wurden, ohne sie vorher zu wecken oder ihnen einen
Grund dieser Prügelei mitzuteilen. In den Abendstunden waren die Wachmannschaften
an den meisten Tagen betrunken und führten oft
zwei bis drei Anwesenheitsappelle durch. Die Leute
mußten antreten. Die Anwesenheit der
einzelnen wurde mit einem Schlag oder Stoß
auf die Brust festgestellt. Oft kam es vor,
daß während der ganzen Nacht bekannte
Leute in die Wachstube geholt wurden und
stundenlang Prügel bekamen. Die serbische
Zivilbevölkerung hatte zum Lager freien
Zutritt und auch vollkommene Handlungsfreiheit.
Jeder konnte sich an diesen willkürlich
zusammengetriebenen, wahllos
zusammengewürfelten Menschen aus den
verschiedensten Ortschaften des Banats satt raufen
und austoben. Gegen Ende des Jahres 1945 brachte
man die noch am Leben gebliebenen deutschen Kinder
und alten Leute aus Groß-Betschkerek und
Umgebung in das große Konzentrationslager
nach Rudolfsgnad an der Theiß. Am 22. Mai 1947 wurde dann das
Konzentrationslager von Groß-Betschkerek, in
welchem ohnedies nur mehr wenige arbeitsfähige
Leute übrig geblieben waren, gänzlich
aufgelöst. Die Überlebenden brachte man
zuerst ins Lager nach St. Georgen und von dort auf
Zwangsarbeiten in die serbischen Kohlengruben und
auf Kolchoswirtschaften. In Groß-Betschkerek
selbst aber wohnt jetzt kein Deutscher mehr in
seinem Hans. In den Häusern der Deutschen
sitzen jetzt slawische Kolonisten, welche man nach
der Vernichtung der Deutschen aus anderen Gegenden
hingebracht hat, sowie die Angehörigen
derjenigen Partisanen, welche die deutschen
Eigentümer auf die oben geschilderte Art
erschlagen, erschossen, abgeschlachtet oder auf
andere Art aus der Welt geschafft haben". Der ehemalige
Oberlandesgerichtspräsident und Abgeordnete im
Belgrader Parlament, Dr. Wilhelm Neuner,
berichtet: Wieder einmal war die Ermordung von 70 Deutschen
befohlen worden. Der größte Teil der
volksdeutschen Männer war jedoch schon
frühzeitig aus dem Lager als Arbeitssklaven
für den betreffenden Tag verkauft worden. Der
Lagerkommandant hat daraufhin die auf die Zahl 70
fehlenden 26 volksdeutschen Männer in der
Weise ergänzt, daß er aus der Abteilung
Kriegsgefangene reichsdeutsche
Wehrmachtsangehörige nahm und sie an die
Stelle der volksdeutschen Zivilpersonen
erschießen ließ. Ein Österreicher,
der noch heute in der Steiermark lebt, hat den
Kommandanten ausdrücklich darauf aufmerksam
gemacht, daß es sich hierbei um
Kriegsgefangene und österreichische bzw.
deutsche Staatsbürger handelte. Die einzige
Reaktion des Lagerhäuptlings war: Svaba je
Svaba - Deutscher ist Deutscher! - Die Banditen
ließen sich ihre Mordlust was kosten:
"Kundmachung: Für Verbrechen und Untaten,
begangen an unserem Volk, wurden erschossen - es
folgten 31 Namen, der Älteste 58, der
jüngste 17 Jahre alt -. Alle oben
Angeführten haben in der durch ihre Verbrechen
berüchtigten Division "Prinz Eugen" gedient.
Tod dem Faschismus - Freiheit dem Volke, 13.
Oktober 1944". Hans Diwald aus Betschkerek berichtet: Am 12. Oktober 1944 wurde das Deutsche Viertel
wieder blockiert und die zu Hause Erreichbaren
zusammengefahren; auch ich wurde diesmal schon um 5
Uhr morgens vorgenommen, da die Partisanen
festgestellt hatten, daß damals am 10.
Oktober, als die Blockierung erst um 8 Uhr
durchgeführt wurde, sehr viele Deutsche sich
nicht mehr in ihren Wohnungen aufhielten, sondern
zur Arbeit oder aus anderen Gründen bereits in
die Stadt, auf das Feld oder in die Umgebung
gegangen waren. Bei der Blockierung am 12. Oktober
erwischte man fast alle Deutschen. Alle deutschen
Männer, die die Partisanen am 12. Oktober
antrafen, wurden in das sogenannte
Konzentrationslager, ein ehemaliges
Polizeigefängnis, das einst auch eine
Mühle war, gesperrt. In dieses
Konzentrationslager wurde auch ich gebracht. In den folgen Tagen brachte man täglich
neue verhaftete Männer in dieses Lager. Man
fing die Männer zusammen, wo man sie antraf
oder holte sie auch aus den Häusern. So wurden
nach und nach täglich Deutsche ins Lager
eingeliefert. Im November waren schon alle
deutschen Männer im Lager. Die Frauen,
besonders die deutschen Frauen, wurden von den
Russen in vielen Fällen überfallen und
vergewaltigt. Die Vergewaltigungen wurden immer
häufiger. Die Serben schickten die russischen
Soldaten in die deutschen Häuser, wo Frauen
wohnten. Ein Kamerad, ein 16jähriger Junge
namens Otto Tarillion, erzählte mir, daß
er zusehen mußte, wie man seine Mutter
vergewaltigte. Er wurde mit schußbereiter
Waffe bedroht. Am 12. Oktober hatte man Deutsche aus der
Umgebung, aus Rudolfsgnad, Perles, Sartscha,
Modosch und Stefansfeld ins Lager nach Betschkerek
gebracht. Ende der Woche, am Freitag oder Samstag,
fanden dann meistens Erschießungen statt. Die
erste Massenerschießung war am 10. Oktober.
Es wurden damals 250 Männer erschossen. Die
zweite Erschießung war am 20. Oktober, an
diesem Tage wurden ungefähr 200 Personen
erschossen. Bei der dritten, am 23. Oktober, 30
Personen und bei der vierten, am 28. Oktober, 152
Personen. Vor der Erschießung am 23. Oktober wurde
gesagt, Advokaten und Professoren sollten sich
melden. Da sich nicht genug meldeten, drohten die
Partisanen, jeden zehnten Mann zu erschießen.
Es meldeten sich dann 23 Personen, darunter auch
Kaufleute und Beamte. (Hans Diwald zählt dann
die Namen von einem Dutzend Erschießungsopfer
auf, die er persönlich gekannt hatte, darunter
13- bis 17jährige Schüler, Handwerker
sowie ein Gastwirt und ein Schuldiener. Am 19.
Oktober in der Früh, 7 Uhr, mußte ich
mit mehreren Kameraden zur Schießstätte
in den Wald hinaus. Wir wurden angewiesen, ein
Massengrab auszugraben. Als wir an die Stelle
geführt wurden, dachten wir, wir werden
erschossen. Es handelte sich aber um das Grab der
200, die am 20. Oktober erschossen wurden. Im Lager wurden wir um zwei oder halb drei Uhr
geweckt. Wir mußten Frühsport machen.
Wir wurden durch das Lager getrieben, und bei jeder
Biegung bekamen wir Schläge, auch beim Essen
und bei der Arbeit. Gearbeitet wurde beim
Brückenbau und bei den Silos. Dort
mußten wir für die russischen Truppen
Lebensmittel verladen. Die Partisanen, die uns
bewachten, waren Jungen im Alter von 17 bis 20
Jahren. Dieselben nahmen auch die
Erschießungen vor. Aber auch
Partisanen-Frauen (junge Mädchen) halfen bei
den Erschießungen. Nach dem 20. Oktober
hatten die Partisanen auch Kranke erschossen. Bei
dem Eingraben der Erschossenen mußten auch
Italiener mithelfen. Ein Italiener erzählte
mir, daß man die Leute oft auch lebend,
schwer verwundet, in die Löcher geworfen hat.
Er selbst hörte, wie sie noch stöhnten,
als man Erde auf sie warf. Im Lager gab es zweimal täglich Essen. In
der Früh gab es Einbrennsuppe, abends
Erbsensuppe. Brot gab es eine kleine Schnitte
morgens und abends. Im November 1944 wurden alle
Deutschen ins Lager gesperrt. Arbeitslager waren in
Lazarfeld, Kathreinfeld, Klek, Ernsthausen. Vor dem
Einmarsch der Russen hatte Betschkerek
ungefähr 15.000 Deutsche, davon sind
ungefähr 8.000 geflüchtet. Ich war bis Ende Februar oder Anfang März
1945 im Lager. Dann kam ich in das Spital, wo ich
zur Arbeit zugeteilt wurde. Es ging mir dort viel
besser. Ich hatte bessere Kost, mußte unter
Bewachung arbeiten. Ende Mai kam ich wieder ins
Lager und von dort zu den Silos. Von den Silos ging
ich dann durch. Das war am 7. September 1945. Ich
flüchtete zuerst über die Grenze nach
Rumänien. Ich arbeitete dort bei Bauern. Am
27. Dezember ging ich über Johannisfeld der
Bega entlang nach Betschkerek (Petrovgrad)
zurück. Ich hielt mich bei meinem Onkel (der
ein Serbe ist) versteckt. Ende November 1944 wurden
49 Kranke aus dem Lager Betschkerek
(Konzentrationslager Alte Mühle) unter dem
Vorwand, daß sie zur Erholung geführt
werden, nach Ernsthausen gebracht. Sie sind
frühmorgens, unter strenger Bewachung
abmarschiert und blieben auch nach ihrer Ankunft in
Ernsthausen streng bewacht. Der Kommandant war ein Serbe aus St. Georgen. Er
erkannte den damals 19jährigen Georg Saal aus
St. Georgen. Auf den Befehl des Kommandanten wurde
Saal an einen Pfahl auf dem Düngerhaufen
gebunden. Der Dünger wurde in Brand gesteckt,
und Saal fand dort den Verbrennungstod. Die
übrigen 48 aus Betschkerek gebrachten
Häftlinge wurden mit Knüppeln, Messern
und Beilen von den Partisanen erschlagen bzw.
niedergemetzelt. Man sah später die Spuren der
Metzelei im Gasthaus und auf der Straße. An
den Wänden klebte das verspritzte Gehirn, und
auf der Straße waren weithin die Blutspuren
festzustellen. Diesen Vorfall schilderte mir ein
Mädchen aus Ernsthausen namens Krämer,
mit dem ich im September 1945 in Johannisfeld in
Rumänien zusammengetroffen bin. Am 1. Januar
1946 ging ich von Betschkerek wieder nach
Rumänien. Von dort nach Ungarn am 10. Januar.
In Wien traf ich am 17. Januar ein". Michael Kristof, Mittelschullehrer aus
Betschkerek berichtet: Die Stärke der von den einzelnen
Ortschaften ins Zentrallager Betschkerek
verschickten Gruppen hing allein von dem guten oder
bösen Willen der den Ort besetzt haltenden
Serben oder Partisanen ab. So verlangte der
Lagerkommandant von Betschkerek von Lazarfeld 60
Männer. Der Ortskommandant, ein einheimischer
Serbe, hatte den Mut, immer nur die Hälfte zu
schicken, womit der Lagerkommandant auch zufrieden
war. Von diesen 30 sind, wie später berichtet,
14 erschossen worden. Die nicht an das Lager
ausgelieferten Deutschen verblieben zunächst
in ihrer Ortschaft, dann ging wieder eine Gruppe
ins Lager. Ein Teil ging zu Weihnachten über
das Lager Betschkerek nach Rußland. Alle
übrigen kamen erst ins Lager im April 1945,
als die gesamte Bevölkerung in die Lager
gesteckt wurde. In der Nacht begann im Lager das Schlimmste, das
Verhör und die Auswahl zum Erschießen.
Erschossen wurden anfangs jene, die entweder gut
gekleidet, körperlich besonders stark oder
aber durch Krankheit und Schwäche
arbeitsunfähig geworden waren. Auch wurde
nicht ein Verschulden festgestellt, sondern man
ließ die Leute antreten und holte dann die
entsprechende Zahl, die anscheinend
planmäßig vorher festgesetzt war,
heraus. Die Ausgewählten wurden dann in einen
separaten Raum geführt; dort mußten sie
sich entkleiden und wurden dann, mit Draht gebunden
zu je Vieren, auf die Schießstätte, den
alten militärischen Schießplatz von
Betschkerek geführt, wo sie dann erschossen
wurden. Da die Partisanen ja keinen Beruf oder
sonstwie näher kannten, aber
hauptsächlich die Intelligenz vernichten
wollten, wendeten sie verschiedene Kniffe an. Unter
anderem wurde gefragt: Wer ist Doktor, Arzt,
Apotheker, Kaufmann, Lehrer usw. 7 Leute aus diesen
Berufen sollten sich für leichte Arbeit
melden, da sie sehen, daß die schwere Arbeit
für sie nichts wäre; sie bekämen
dann leichte Arbeit. Diesem Trick fielen viele zum
Opfer. Festgehalten wurden die Erschießungen aber
in demselben Protokoll, in das alle Lagerinsassen
bei ihrer Aufnahme eingetragen wurden, und in das
im Todesfalle der Vermerk "gestorben" hinter den
Namen gesetzt wurde mit dem Datum. Die Lagerkanzlei
wurde von deutschen Lagerinsassen unter Anweisung
von Partisanen geführt, und diese Deutschen
machten auch die Eintragungen in das Protokollbuch.
Ich selbst war nur eine Woche, Mitte Februar 1945,
in der Lagerkanzlei, dann hat mich der
Politkommissar, ein Partisane, wieder
herausgesetzt. In dieser Woche habe ich die
Protokoll-Liste durchgeblättert, da ich
feststellen wollte, wo der oder jener von meinen
Bekannten ist, ob er noch lebte oder auf einen
anderen Platz geschickt wurde, oder erschossen oder
gestorben war. Meine eigene Nummer in dieser
Protokoll-Liste war 3214. Bei diesem Einblick in
das Protokollbuch konnte ich auch feststellen,
daß diejenigen, die mir gut bekannt waren und
von denen mir erzählt worden war, daß
sie erschossen worden wären, tatsächlich
als "gestorben, am..." in der Liste eingetragen
waren. Beim Einblick in die Protokoll-Liste stellte ich
fest, daß sehr viele Leute als "gestorben"
eingetragen waren, da eben auch alle Erschossenen
als "gestorben" eingetragen waren. Am 28. Oktober
1944 beispielsweise sind 150 Deutsche erschossen
und in dem Hauptbuch als "gestorben" eingetragen
worden. An anderen Tagen erfolgten
Erschießungen in kleineren Gruppen,
beispielsweise 30 Personen. Diese
Erschießungen wurden immer als "Vergeltungen"
gerechtfertigt. Wir mußten täglich
einmal, manchmal auch öfter, auf dem Hof in
Dreierreihen antreten. Den Grund wußten wir
nie vorher. Manchmal handelte es sich um eine
Verschickung in einen anderen Ort auf Arbeit oder
sonst irgendeine Absicht der Partisanen. Bei
solchem Antreten sind dann auch Leute zum
Erschießen ausgewählt worden, dies wurde
uns dann als "Vergeltung" erklärt. Durch Aussprache mit Leuten in den anderen
Lagern habe ich später feststellen
können, daß diese Erschießungen
auch in anderen Lagern fast zur selben Zeit und auf
dieselbe Weise erfolgten, was auf eine zentrale
Leitung des ganzen Vorgehens gegen die Deutschen
schließen läßt. Am 10. Oktober
1944, Dienstag, wurde das Deutsche Viertel von
Betschkerek von Partisanen umstellt.
Partisanentrupps gingen von Haus zu Haus,
durchsuchten und verlangten von jedem die
Legitimation. Diese in deutscher und serbischer
Sprache ausgestellte Legitimation, die jeder haben
mußte, und in der auch die Nationalität
des einzelnen eingetragen war, war während der
deutschen Besatzungszeit ausgestellt worden. Alle deutschen Männer, die noch nicht im
Lage waren, und die man zu Hause antraf, wurden
zusammengeführt und in einer Seitengasse des
Marktplatzes (Negoseva ulica) mit Maschinengewehren
niedergemäht. Wie mir ein Augenzeuge, mit dem
ich seit Jahren befreundet war und der durch
Intervention von Serben gerettet wurde, berichtete,
mußten sie sich am Oberkörper
entkleiden, niederknien und wurden auf solche Art
erschossen. Die Behandlung im Lager war im
allgemeinen die folgende: Die Aufnahme erfolgte
zumeist durch heftige Fußtritte, Ohrfeigen
oder Körperhiebe. Selten kam einer ohne das
davon. Dann wurde er seiner Habseligkeiten beraubt,
und man ließ ihm nur das Notwendigste an
Wäsche. Hatte er gutes Fußzeug oder
Kleidung, so wurde es ihm entweder gleich
abgenommen oder es wurde sein Verhängnis. Wenn
einer nämlich durch bessere Kleidung auffiel,
dann bedeutete das, er sei ein Reicher oder
Kapitalist, den man beseitigen mußte, schon
um sich seiner Habseligkeiten zu bemächtigen.
Nach der Aufnahme erfolgte die Einweisung in
irgendeines der Zimmer. Das Zentrallager Betschkerek war eine
abgebrannte Mühle, zwei Stock hoch. Ein
zweites Lager wurde errichtet, als im November ein
großer Teil der Zivilbevölkerung, nun
auch schon Frauen, ins Lager kam. In den drei
großen Maschinenräumen der Mühle
(Lager I) befanden sich die deutschen Lagerleute
eng zusammengepfercht in zweistöckigen
Pritschen übereinander rechts und links
gelagert. In jedem Raum waren ca. 300 Männer
untergebracht, so daß durchschnittlich bis
2.000 immer im Lager waren. In den kleineren
Räumen der Mühle waren die Frauen und die
Jungen untergebracht, die sogenannte Ambulanz,
Küche, Magazin und Kanzlei, ferner das Zimmer
für die privilegierten Lagerleute, die in
Küche, Kanzlei oder sonstwo im Lager
arbeiteten. In der Nacht durfte niemand heraus. Da viele
schon Durchfall hatten, waren in jedem
Maschinensaal zwei große Fässer
aufgestellt, und zwei mußten aufpassen, damit
keine Verunreinigung erfolgte. Einmal geschah es,
daß die Leute besonders Durchfall hatten,
daß die Fässer überliefen, und die
zwei Aufpasser mußten dann in der Früh
die Flüssigkeit aufschlecken, weil sie die
Fässer überlaufen hatten lassen. In der
Nacht, wenn die Leute erschöpft und müde
von der Arbeit kamen, begann die Ungewißheit,
ob man die Nacht überleben werde, denn die
Verhöre, Folterungen, Prügeleien
erfolgten immer nachts. Deshalb gingen die Leute
trotz ihrer körperlichen Schwäche in der
Frühe immer leichten Mutes auf die Arbeit, um
aus dem "Narrenhaus" wie sie sagten,
herauszukommen. Mit bangen Gefühlen kehrten
sie jedoch immer am Abend wieder zurück. Beim Auf- und Abgang von den Stockwerken in den
Hof standen auf den Treppen Partisanen mit
Ochsenziemern und hauten unbarmherzig in die Leute
hinein. Die Leute nannten das "die normalen
Gebühren". Erschießungen erfolgten oft
aus geringfügigem Anlaß. Zur
Illustration sei folgender Fall angeführt: Ein
Handwerker aus Betschkerek, der in der Stadt privat
arbeiten mußte, kam gewöhnlich
später von seinem Arbeitsplatz zurück,
wenn seine Kameraden bereits schliefen. Um diese im
Schlaf nicht zu stören, benützte er
einmal ein Zündholz, um seinen Platz auf der
oberen Pritsche zu finden. Dies bemerkte ein
Partisan auf der Gasse unten, kam herauf ins Zimmer
und fragte, wer ein Zündholz angezündet
habe. Als der Handwerker sich ahnungslos meldete,
mußte er herabsteigen, sich auf den Bauch
legen und erhielt einen Genickschuß im
Zimmer. Das habe ich selbst gesehen, weil ich in
diesem Zimmer war". Michael Kristof protokollierte am 2.1.1951 in
München die Aussage eines Bekannten aus
Groß-Betschkerek, der seinen Namen nicht
veröffentlicht haben wollte: Etwas später brachten sie noch zwei
Kameraden, Anton Hufnagel, den Namen des anderen
möchte ich aus gewissen Gründen derzeit
noch nicht nennen. Anton Hufnagel war schon derart
zugerichtet, daß er in den Hof
heruntergeführt werden mußte. Er hatte
auch kein klares Bewußtsein mehr, denn er
wiederholte alle Schimpfworte, die von Partisanen
an seine Adresse gerichtet waren, und wurde deshalb
immer wieder mit dem Gewehrkolben geschlagen.
Nachdem wir so geprügelt und gequält
wurden, sind wir zur Polizei in die Stadt
überführt worden, in einem Bauernwagen.
Dort trafen wir andere bekannte deutsche
Männer aus der Stadt. Hufnagel Anton wurde aber gleich in jenes Zimmer
überführt, in dem die Mißhandlungen
stattgefunden haben, bei Radio, Harmonikaspiel und
Geigenspiel, damit das Schreien nicht von
außen vernommen werden kann. Nach kurzer Zeit
wurde ich hereingeholt. Ich fand Hufnagel
regungslos am Boden liegen. Jetzt mußte ich
mich ganz nackt ausziehen. Die Füße
wurden mir zusammengebunden und die Hände auf
dem Rücken befestigt. So mußte ich mich
auf einen Stuhl stellen und wurde von Partisanen
mit Ochsenriemen so lange gehauen, bis ich
ohnmächtig zusammengefallen bin. Das Fleisch
hing in Fetzen von mir, sie
überschütteten mich mit einem Eimer
kalten Wasser. Als ich wieder zum Bewußtsein
kam, mußte ich mich abermals auf den Stuhl
stellen. (Zuerst kniete ich mich auf den Stuhl und
nachher versuchte ich mich aufzustellen, da mir die
Füße immer noch gebunden waren.) Die Prügelei wurde weiter fortgesetzt, bis
ich wieder ohnmächtig zusammengefallen bin. Es
wurde wieder kaltes Wasser über mich
geschüttet, meine Wunden mit Salz eingerieben,
und so blieb ich liegen in meinen Schmerzen. Jetzt
kam der dritte Kamerad herein, an dem dieselbe
Tortur wiederholt wurde wie vorher an mir.
Während dieser geprügelt wurde, wurden
mir die Haare von der Brust und zwischen den Beinen
mit einem brennenden Benzinlappen abgebrannt und
die brennenden Benzinlappen auf die Brust und
zwischen die Beine geworfen. In meiner Ohnmacht
habe ich auf einmal brennende Schmerzen
verspürt und sah die Benzinlappen auf mir,
wälzte mich auf die Seite, so daß der
brennende Benzinlappen von der Brust auf den Arm
fiel und mir den linken Arm verbrannte. Anion Hufnagel ist in der Zwischenzeit mit
Gewehrkolben totgeschlagen worden. In meinen Wunden
haben sich später Würmer gebildet, die
wir Monate hindurch durch Einreibung mit Urin
heilten, auch in Rußland noch, bloß aus
dem Grunde, weil wir es nicht wagten, uns krank zu
melden; denn das hätte Erschießung
bedeutet. Diese Quälerei dauerte etwa zwei bis
drei Stunden. Nachher wurden wir freigemacht an
Händen und Füßen, mußten uns
ankleiden, wurden dann wieder an Händen und
Füßen gebunden, aber so, daß uns
die Füße rückwärts bis zu den
Händen hinaufgezogen wurden und Hände und
Füße zusammengebunden wurden mit einer
Schnur, und so lagen wir ca. 18 Stunden lang bis
Mitternacht mit offenen Wunden, die mit Salz
eingerieben waren, ohne uns bewegen und rühren
zu können mit den furchtbarsten Schmerzen. Um Mitternacht wurden die Füße
freigemacht und wir alle drei (ich, Th. und B.)
ohne Anton Hufnagel, der bereits tot war,
hinausgeführt, mußten auf einen Wagen
klettern mit gebundenen Händen und wurden in
den Gerichtshof zur OZNA (Geheimpolizei)
überführt. Wir wurden, hier angekommen,
alle drei in eine Zelle geschmissen. Wir wurden
nachts über verhört und verprügelt,
Wochen hindurch. Zu essen gab es zwei Bissen Brot
und Wasser täglich. Auch wurden wir
wöchentlich einmal rasiert, aber so, daß
es kein Vergnügen war. Nach drei Wochen wurden
wir alle drei, da man uns nichts Strafbares
nachweisen konnte, in das Zentrallager
zurückgeführt. In der OZNA waren wir Zeugen (d.h. wir konnten
durch das Fenster sehen), wie eine Frau namens Zita
von den Partisanen mißhandelt wurde. Wir
sahen, wie sie nackt auf einem Tische tanzen
mußte, sich dann auf den Tisch legen, die
Beine auseinanderstrecken und ihr der Lauf eines
Revolvers in die Scheide gedrückt wurde, dann
aufstehen mußte. Sie ist auch erschossen
worden. Ebenso sahen wir durch das Fenster, wie
einem jungen Mann von etwa 28 Jahren, den wir
ebenfalls nicht kannten, lebend das männliche
Glied abgeschnitten und in den Mund gesteckt wurde.
Das weitere Schicksal dieses jungen Mannes ist uns
nicht bekannt. Nach Rückführung in das
Lager wurden wir wiederum geprügelt und
verhört, und man drohte uns ständig mit
Erschießen. Ich kam in eine Einzelzelle, in
der bereits drei Männer bewußtlos lagen.
Mir wurden von dem Kommandanten mit einem Revolver
die Zähne eingeschlagen, die ich schlucken
mußte, das Gesicht mit Revolverlauf verletzt,
die Narben sind noch heute vorhanden. Eines nachts
wurden wir Männer 12 Stunden lang hindurch in
eine so kleine Zelle eingesperrt, daß sich
keiner rühren und bewegen konnte, und wir
infolge Luftmangels umzufallen drohten, konnten
nicht einmal zusammenknicken, viel weniger
umfallen, so eng waren wir
aneinandergepreßt. Nach dieser Nacht wurden wir dann in mehrere
Zellen aufgeteilt. Nach sechs Tagen wurden wir in
eine Stube mit ca. 30 Mann gesperrt, mit einem
Stückchen Brot und Wasser, konnten das Zimmer
nicht verlassen. Unsere Not mußten wir in
Fässer verrichten. Nach acht Tagen wurden wir auf Arbeit getrieben.
Um 4 Uhr früh mußten wir aufstehen,
erhielten eine warme Suppe, jetzt schon eine
größere Scheibe Brot, und erhielten erst
wiederum ein Stück Brot und warme Suppe, wenn
wir abends von der Arbeit zurückkamen.
Während dieser drei Wochen, wo ich mit den
drei Kameraden bei OZNA im Gerichtshof war, drei
Wochen hindurch und auch nachher im Zentrallager
eingesperrt war in den Zellen, sind viele
Männer erschossen worden. Ich ging am 28.
Dezember 1944 mit einem größeren
Transport (etwa 1.800), wovon der größte
Teil deutsche Mädchen und Frauen waren, nach
Rußland. Männer waren nicht mehr in
diesem Transport als 300. In Rußland
arbeitete ich meistens in Kohlengruben bis zur
Entlassung 1949." Ernsthausen Besonders blutig war hier eine Dezembernacht, in
der die Massakrierung von 38 unschuldigen deutschen
Zivilisten beiderlei Geschlechts den Gipfelpunkt
einer Partisanenfestlichkeit bildete. Zwei Tage vor
diesem Fest, am 27. Dezember 1944, wurden aus dem
Konzentrationslager Betschkerek 39 deutsche
Männer und Frauen - es waren dies meist
ältere oder kränkliche Leute - mit Wagen
hierher geschickt. Sogleich als diese
Menschensendung eintraf, befahl der dortige
Militärkommandant, daß diese Leute nicht
wie gewöhnlich ins Lager zu den anderen
Deutschen zu kommen hätten, sondern in einem
Zimmer des einstigen Gasthauses Georg Schlitter
einzusperren seien und mit niemand in
Berührung kommen dürften. Nur einem
einzigen von diesen Leuten, dem früheren
Kaufmann Schag Ladislaus aus Emsthausen, dem Vater
eines jungen Mädchens, das schon längere
Zeit bei dem Kommandanten arbeitete, wurde auf
deren Bitten gestattet, die Gruppe zu verlassen. Er
wurde aus dem Gasthaus in das Konzentrationslager
zu den übrigen Deutschen überstellt. Die
übrigen befanden sich zwei Tage von aller Welt
abgeschlossen und ohne Nahrung in dem
erwähnten Gasthausraum eingesperrt. Am Nachmittag des 29. Dezember mußte einer
der Männer in die Nachbarhäuser des
Gasthauses gehen und von dort scharfe Holzhacken
und Beile holen und ins Gasthaus bringen. In den
großen Saal des Gasthofes wurde ein
großer Tisch gestellt und Holzhacken und
Beile daraufgelegt. Am Abend selbst fand in dem
Gasthause eine Unterhaltung der Partisanen und des
jugoslawischen Militärs statt. Sie zechten,
machten Musik und unterhielten sich auf ihre Art in
den Wirtshausräumlichkeiten neben den
ahnungslos wartenden eingesperrten deutschen
Zivilisten. Als die Partisanen schon in Stimmung
gekommen waren, holten sie alle diese Deutschen, 34
Männer und 4 Frauen, der Reihe nach hervor und
führten sie in den Saal mit den vorbereiteten
Mordgeräten. Lange Messer, Holzhacken und
ähnliche Geräte lagen auf dem Tisch. Mit
diesen Werkzeugen schlachteten sie einen Deutschen
nach dem anderen, Frauen und Männer, als
wären es Schweine, in Anwesenheit und vor den
Augen vieler anderer Menschen. Sie trieben vorher
noch allerlei Spott und Schabernack mit diesen
ihren Opfern. Manche von ihnen nötigten sie
noch ein Glas Wein zu trinken, um ihnen im Momente,
wo sie das Glas an den Mund führten, mit einem
langen Messer die Gurgel durchzuschneiden. Sie
schnitten den einzelnen Frauen und Männern mit
den Messern und Holzhacken Fleischteile von dem
Körper, hackten ihnen Hände oder Finger
ab, oder trennten den Kopf vom Leibe oder
massakrierten sie auf andere Art. Die Körper
der Deutschen wurden fürchterlich
verstümmelt. Solchen, die lange nicht sterben
konnten, schlugen sie schließlich mit
Holzhacken den Schädel ein. Dabei spielte die
Musik. Bis zum Morgen dauerte dieses Fest, in
dessen Verlauf alle 38 Frauen und Männer
liquidien wurden. Unter diesen Opfern aber befanden
sich viele angesehene und intelligente deutsche
Menschen. Als das Fest vorüber war, wurde der Knecht
eines benachbarten Bauernhauses mit einem Wagen in
das Gasthaus bestellt und Männer aus dem
Konzentrationslager gerufen. Sie mußten die
verstümmelten Leichen und die von ihren
Körpern getrennten größeren
Gliedmaßen mit Schaufeln auf Wagen werfen und
in Begleitung von Partisanen auf den Friedhof
fahren. Sonst sind in Lagern liquidierte Deutsche
nie auf Friedhöfen begraben, sondern nur
irgendwo anders an abgelegenen Orten eingescharrt
worden. Auch diese massakrierten Toten wollten die
Partisanen in der Nähe eingraben lassen. Es
war damals aber sehr kalt und die Erde hart
gefroren, so daß sich, obwohl man es
versuchte, in der Nähe schwer schnell genug
ein entsprechend großes Loch graben
ließ. Diese Toten mußten daher
ausnahmsweise in den Friedhof geschafft werden.
Dort wurde eine große Gruft, die sich eine
gewisse Familie Solowich knapp vor dem Kriege hatte
erbauen lassen, auf Befehl der Partisanen
geöffnet. Herbeigeholte Lagerleute wurden
gezwungen, die Körper- und Fleischteile ihrer
massakrierten Leidensgenossen in diese Gruft
hineinzuwerfen. Die Gruft wurde daraufhin nur
oberflächlich geschlossen, so daß sich
dann später, als es im Frühjahr
wärmer wurde, in der ganzen Umgebung ein
übler Fäulnisgeruch verbreitete. Dies
wurde den neuen jugoslawischen Behörden
unangenehm. Sie ließen daher abermals
deutsche Männer aus dem Konzentrationslager
kommen, die unter der Leitung des Baumeisters
Johann Merschbacher aus Betschkerek die Gruft
fachgemäß zumauern mußten. Alle
Deutschen aber, die bei dem Verbergen dieser Toten
mithelfen mußten, wurden von den Organen der
jugoslawischen Behörden mit dem Tode bedroht,
wenn sie irgend etwas davon in die
Öffentlichkeit bringen sollten. Auf dem Wege zum Friedhof fielen ab und zu
Körperteile von dem Wagen, so daß man
bald eine Hand, bald ein Auge, bald ein Ohr, einen
Fuß oder sonstwas fand. Im Saale selbst war
eine große Blutlache und viele kleine
Fleischteile zurückgeblieben. Diese und die
vom Wagen unterwegs heruntergefallenen wurden, als
es schon Tag geworden war, auf einen Haufen
zusammengekehrt. Im Hof des Hauses Wilhelm Till
wurde ein großes Feuer gemacht und das
zusammengesammelte Menschenfleisch darin verbrannt.
Die Menschenschlächterei scheint bis vier Uhr
morgens gedauert zu haben, denn um diese Zeit
gingen die überaus mit Blut beschmierten
Mörder in ein Nachbarhaus, ließen sich
dort warmes Wasser geben und wuschen sich die
Blutflecken von den Händen, vom Gesicht und
von den Stiefeln. Dann ließen sie sich noch
ein kräftiges Frühstück geben und
begaben sich nach Hause. In dem Konzentrationslager Ernsthausen wurden
auch bei anderen Gelegenheiten von den
behördlichen Organen zahlreiche andere
deutsche Frauen und Männer, zumeist die
wohlhabenderen und intelligenteren Leute, auf
ähnlich grausame Art einzeln oder in Gruppen
ganz grundlos und ohne Verfahren umgebracht.
Manchen schnitt man mit Messern die Gurgel durch.
Andere wurden von den Partisanen in deren Kaserne
so lange mißhandelt, bis sie tot waren.
Kirchner Elisabeth, ein auffallend schönes
deutsches Mädchen, wurde eines Abends nach der
Rückkehr von der Zwangsarbeit von den
Partisanen in ihre Kaserne gebracht und ist nicht
mehr aus derselben zurückgekehrt. Ihr Leichnam
ist einige Zeit danach von den Partisanen neben dem
Schulgarten eingegraben worden. St. Georgen Darüber berichtet eine geflüchtete
Frau: Von den aus St. Georgen verschleppten Personen
kamen 32 nach Semlin, 180 nach Rußland, 60
nach Groß-Betschkerek, 53 nach Elisenheim und
14 nach Cernje. Am 17. April kamen alle Deutschen
in St. Georgen in die Parkhäuser, die von da
an als Lager galten. Viele jüngere
Mädchen und Frauen kamen nach Mitrowitz, wo
viele von ihnen starben. Kathreinfeld Eine Krankenschwester schreibt in ihrem
Tagebuch u.a. folgendes: In der Nachbargemeinde lebte meine Tochter mit
drei kleinen Kindern. Mein Mann und ich
beschlossen, daß er zur Tochter gehen und ich
mit der 78jährigen Mutter daheim bleiben
solle. Wir meinten, daß es so besser sein
würde, wenn mein Mann bei der Tochter ist,
denn um solche Zeiten kann man nie wissen, ob sie
als junge Frau nicht doch den Schutz eines Mannes
bedürfen wird. Er ist dann auch weggegangen
und ließ mich mit der Großmutter
allein. Noch am Abend desselben Tages haben dann
auch die ersten Vorhuten der russischen Truppen
Kathreinfeld erreicht. Sie schossen wie wild umher,
obwohl die Straßen vollkommen leer waren und
sich alles vor Angst in die hintersten Winkel der
Häuser versteckt hatte. Ich selbst war auf den
Dachboden des Schweinestalles gekrochen. Sie
schlugen gegen die Türen und Fenster und wo
ihnen nicht geöffnet wurde, brachen sie ein
und nahmen mit, was ihnen gefiel. Schon in der
ersten Nacht wurden viele Frauen und Mädchen
vergewaltigt. Am nächsten Tag mußten
Radiogeräte, Motorräder und alles
Ähnliche abgeliefert werden. Für
Nichtausführung dieses Befehls wurde
sofortiges Erschießen angedroht. In Gruppen
gingen sich Rotarmisten über die
Ausführung dieses Befehles vergewissern und
nahmen bei dieser Gelegenheit wieder mit, was ihnen
zusagte; auch Frauen und Mädchen. Volle
fünf Tage lang hielt dieses wilde Treiben an,
bis dann am sechsten Tag Banater Serben in den Ort
kamen und die Befugnisse der Ordnungsmacht auf ihre
Art auszuüben sich anschickten. Junge Kerle trugen Gewehre mit sich und schossen
noch wilder herum als die Russen. Nachts brachen
sie bald in dieses, bald in jenes Haus ein und wer
sich wehrte, wurde niedergeschlagen. Wer den
Bedrohten zu Hilfe eilen wollte, erlebte noch
Schlimmeres. Nachts ging ich durch die Gärten
in die Häuser, um Leuten erste Hilfe zu
leisten, die wund oder oft auch halbtot geschlagen
worden waren. Besonders schlimme Fälle meldete
ich dem Arzt, der sie dann ebenso geheim wie ich
behandelte, denn auch solche Hilfeleistungen waren
strengstens verboten. Wenn es Nacht wurde,
wußte niemand, ob er morgen noch leben werde.
Größtenteils schliefen die Leute auch
nicht daheim, sondern meist in den kleineren und
ärmlicher aussehenden Häusern des Ortes.
Dort hatten sich für jede Nacht oft 20 und
mehr Personen versammelt, um gemeinsam die Nacht zu
verbringen, um nicht allein im Hause zu sein, wenn
das Haus überfallen wird. So hatten sich in
unserem Nachbarhaus eines Nachts auch 25 Frauen und
Mädchen zum Schlaf versammelt. Plötzlich
merkten die Frauen, daß eine von ihnen schwer
stöhnte, als läge sie im Sterben. Sie
machten Licht. Eine der Frauen hatte sich die
Schlagadern durchgeschnitten und war schon fast
verblutet. Sie wollte sterben, "denn wir werden
doch alle niedergemacht", sagte sie. "Sie schleppen
auch meine Mädchen fort. Ich will diesen
Augenblick lieber nicht erleben." Die nächtlichen Besuche der Partisanen
nahmen lange kein Ende. Die Greuel, die sie an
unseren Menschen verübt haben, sind schwer zu
beschreiben. Sofern Worte überhaupt
auszudrücken vermögen, was hier
satanische Partisanengehirne an Folterungen
ausgeklügelt und ausgeführt haben, so
versagen und verblassen sie, wenn die Leiden der
Opfer beschrieben werden sollen. Nur einer der
schrecklichsten Fälle soll hier dargestellt
werden: Den Dorfrichter Josef Topka riefen sie in
der Nacht in den Hof. Seine Frau mußte im
Bett bleiben. Eine halbe Stunde lang
verprügelten sie ihn dann im Hof und warfen
ihn dann bewußtlos in das Zimmer, wo seine
Frau im Bett liegen bleiben mußte. Als sie
weg waren und seine Frau Licht machte, konnte er
noch die Worte herausbringen, daß es 'um ihn
geschehen sei und er jetzt sterben müsse'.
Dann verschied er. Sein ganzer Körper zeigte
Spuren fürchterlicher Hiebe und am Halse
Würgegriffe. Man drückte ihm anscheinend
die Kehle zu, damit er nicht schreien oder jammern
konnte. In derselben Nacht waren noch zwei
Häuser Opfer solcher Besuche. In einem
schlugen sie einen Mann tot, im anderen warfen sie
einen auf die Erde, knieten sich auf ihn drauf und
schlugen so lange auf ihn ein, bis er tot liegen
blieb. Dann holten sie auch die Frau, zogen sie
nackt aus und schlugen sie ebenfalls mit
"Ochsenzenten" und Gewehrkolben. Als sie ihr den
Rücken blau geschlagen hatten, drehten sie sie
um und schlugen sie auch von der vorderen
Seite. Unter den vielen Konzentrationslagern, die in
Jugoslawien nach Einstellung der Kriegshandlungen
in den verschiedensten Gegenden errichtet worden
sind, war das von Kathreinfeld besonders
berüchtigt. Kathreinfeld war anfangs ein Ort,
in dem die kranken, alten und sonst
arbeitsunfähigen Deutschen und ebensolche
Kriegsgefangene gebracht wurden. Mehrere Tausend
Deutsche, meist aus dem Verwaltungsbezirk
Betschkerek, wurden hierher gebracht. Sie wurden
sehr schlecht behandelt und die arbeitsfähige
Bevölkerung ständig auf Zwangsarbeiten
getrieben. In kurzer Zeit sind über 600
Deutsche im Lager gestorben. Viele, viele sind auch
durch die Partisanen auf grausame Art ohne Grund
und ohne Verfahren erschlagen oder erschossen
worden oder mußten an den Folgen von
Verletzungen, die sie bei den Folterungen erlitten
hatten, nach schweren Leiden sterben. Im November 1944 brachten die Partisanen 1.200
alte Leute und Kinder aus Betschkerek. Die Menschen
mußten den ganzen Weg im Straßenkot zu
Fuß gehen und wurden mit Peitschenhieben wie
eine Viehherde getrieben. Wer erschöpft war
und nicht mehr mitkam, wurde niedergeschlagen und
blieb im Kot liegen. Sie wurden in dem
Schulgebäude eingesperrt und nach zwei Tagen
in die Häuser einquartiert, wo sie dann bis
zum 18. April von der Bevölkerung des Ortes
verköstigt und verpflegt werden mußten.
Es waren alles alte, gebrechliche Leute, die die
schwere Arbeit der Zwangsarbeitslager nicht mehr
verrichten konnten. Kathreinfeld war ein
Internierungslager für Arbeitsunfähige.
Dennoch aber wurden immer wieder einigermaßen
Arbeitsfähige herausgesucht und in die
Zwangsarbeitslager verschickt. Mütter, die hie
und da noch mit ihren Kindern waren und auch manche
jüngere Großmutter wurde hier von ihren
Kindern gerissen und mußte die Kinder ihrem
Schicksal überlassen. Die zur Arbeit
Ausgewählten mußten den ganzen Winter im
Feld arbeiten. Meist mußten sie den Mais
brechen und das Laub schneiden. Da man ihnen alle
einigermaßen noch guten Kleidungsstücke
weggenommen hatte, trugen sie nur Lumpen
schlechtester Art auf dem Körper. Die
Füße waren oft nur mit Lumpen umwickelt.
Abends wurden sie in ihren nassen und gefrorenen
Lumpen wieder in den Ort gebracht, um in
ungeheizten Räumen zu übernachten. Auch
die Kranken aus den anderen Lagern wurden nach
Kathreinfeld gebracht. Der Ort war somit zu einer
Art Kranken-Internierungslager geworden. Arzt
jedoch gab es nur einen im Dorf, aber auch diesem
war es strengstens verboten, die Kranken zu
behandeln oder irgendwie zu betreuen. Die aus den anderen Lagern in Kathreinfeld
eingelieferten Kranken kamen meist aus Betschkerek
und von dem Flugplatz in Etschka. Sie waren voller
Läuse, ihre Körper vom Durchfall
ausgemergelt. Viele hatten erfrorene Finger und
Zehen und manchen waren die Beine erfroren.
Häufig hing ihnen das Wadenfleisch nur so
herunter, Anton Wenzel aus Tschesterek hatte am
ganzen Bein bis zum Gesäß nur noch einen
heilen Hautfleck in der Größe einer
Handfläche. Unter den Kranken befanden sich
auch häufig Männer und Frauen, die nur an
den Folgen von schweren Mißhandlungen litten.
Nikolaus Schneider aus Pardanj flüchtete, weil
er schwer verprügelt worden war, aus dem Lager
und begab sich in seinen Heimatort nach Pardanj. Er
wurde dort wieder aufgegriffen und nach
Kathreinfeld zurückgebracht. Sie hatten ihm
Hände und Füße über den
Rücken an den Hals gebunden und ließen
ihn während des ganzen Weges immer wieder vom
Wagen absteigen, banden ihn dann an die
Deichselstange und schlugen ihn mit Stöcken.
Als sie mit ihm in Kathreinfeld ankamen, war er
nicht zu erkennen. Die Kopfdecke war dick
angeschwollen und wie eine Blase von Blut
unterlaufen, die Augen hingen ihm dick
angeschwollen fast vom Gesicht heraus, das Gesicht
selbst war blutig und blau geschlagen. So sahen
auch seine Hände und sein Rücken aus.
Infolge von Eiterungen ist ihm die ganze Kopfdecke
zweimal nacheinander fast vollkommen
heruntergefault. Am 26. Dezember kam in der Nacht um 10 Uhr
Befehl - Befehle wurden in dieser Zeit immer in der
Nacht verkündet - daß alle Frauen von 18
bis 35 und alle Männer bis zu 45 Jahren binnen
zweier Stunden im Gemeindehaus versammelt sein
müssen. Sie wurden dann nach Rußland
verschleppt. Damals sind nur mehr alte Leute und
Kinder im Dorf geblieben. Viele und oft auch ganz
kleine Kinder blieben ganz allein. Manches kleine
Kind hatte nicht einmal eine Großmutter mehr,
die sich seiner angenommen hätte. Die
Männer, die nicht nach Rußland
verschleppt wurden, weil sie schon zu alt waren,
wurden in die Lager getrieben. Ganz unglaublich bestialisch haben sich die
Partisanen unter Leitung ihres politischen
Kommissars hier zu Beginn des Jahres 1945 gezeigt.
Lange nachdem der Krieg in dieser Gegend schon
beendet war, ist eines Tages aus dem
Konzentrationslager in Cernje eine Gruppe von
älteren und kränklicheren deutschen
Männern, von welchen man sich bei den
Zwangsarbeiten nicht mehr viel Nutzen versprechen
konnte, nach Kathreinfeld geschickt worden. Sie
waren noch nicht so herabgekommen wie die, die
üblicherweise nach Kathreinfeld gebracht
wurden. Sie konnten noch auf dem Wagen sitzen und
sich aufrecht halten. Der Militärkommandant
von Kathreinfeld war von dem Eintreffen dieser
Leute schon vorher verständigt gewesen. Kaum
war diese Menschensendung eingetroffen,
verfügte er auch schon, daß diese Leute
nicht in das Konzentrationslager zu den anderen
Deutschen kommen dürfen. Er ließ sie in
den Räumen des einstigen Schulgebäudes
einsperren. Sogleich wurde es im Lager klar,
daß man mit diesen Leuten etwas Besonderes
vorhabe und besondere Experimente mit ihnen
anstellen wolle. Es begab sich auch gleich eine
Gruppe von Partisanen in das Gebäude, in dem
die ahnungslosen Menschen auf ihr Schicksal
warteten. Der politische Kommissar der Partisanen
lief schnell noch um eine Ziehharmonika. Als er
damit zurück war, begaben sie sich alle in die
Räumlichkeiten, in welchen die deutschen
Männer eingesperrt waren. Der politische
Kommissar begann auf der Harmonika zu spielen,
seine Partisanen die Männer zu schlagen, als
handle es sich um eine Schulung im Umbringen von
Menschen. Die Männer jammerten
fürchterlich und je mehr sie schrien, desto
lauter spielte der Kommissar auf der Harmonika,
damit man das Wehklagen dieser Deutschen nicht
höre. Der politische Kommissar wollte seinen
Partisanenkameraden damit die Möglichkeit
geben, sich einmal gründlich auszutoben und
ihren Blutdurst an lebendigen deutschen Menschen zu
stillen. Es wurden Experimente gemacht, wie man
Menschen ohne Schuß und Messer umbringen
könne. Die einzelnen deutschen Männer
wurden der Reihe nach auf den Fußboden
geworfen, so daß der Bauch und das Gesicht am
Boden, der Rücken aber nach oben gerichtet
war. Dann nahmen die Partisanen ihre Gewehre und
stießen mit den Gewehrkolben den armen
deutschen Männern in den Rücken in die
Gegend der Nieren, um diese zu verletzen. Die
Bewußtlosen faßten sie dann an Kopf und
Füßen, warfen sie in die Höhe und
ließen sie auf den Boden niederfallen. Dann
sprangen sie wieder mit den Füßen auf
ihnen herum. Sie schafften zu diesem Zwecke Tische
herbei, stiegen darauf und sprangen mit ihren
schweren Stiefeln der Reihe nach mit aller Wucht
auf die mit dem Rücken auf dem Boden liegenden
deutschen Männer und brachen ihnen die Rippen.
Einigen Männern drehten sie auch die
Geschlechtsteile bei lebendem Leibe ab. Die
Folterungen dauerten mehrere Stunden. Einigen von
ihnen, die dann noch immer Zeichen des Lebens von
sich gaben, schlugen sie mit Gewehrkolben und
Stöcken noch die Schädel ein.
Fortwährend aber spielte der Kommissar auf der
Ziehharmonika und eiferte seine Leute an. Als keiner der deutschen Männer mehr zu
leben schien und die Partisanen schon müde
waren, zogen sie ab. Die deutschen Männer aber
ließen sie im Schulhaus liegen. Alle bis auf
Schirado Nikolaus waren tot, er war nur
bewußtlos. Er hatte gebrochene Rippen, einen
zerschlagenen Kopf und schwere innere Verletzungen.
Gegen Abend erlangte er das Bewußtsein
wieder, und als dann von den Partisanen Männer
aus dem Konzentrationslager dorthin gebracht
wurden, die Leichen fortzuschaffen, konnte er als
einziger Überlebender heimlich in Sicherheit
gebracht werden. Schirado war ein bewegungsloser
Fleisch- und Knochenbatzen geworden. Mehrere Rippen
waren ihm gebrochen und der ganze Körper voll
schmutziger und blutiger Wunden. In derselben Nacht
noch haben die Partisanen in den Häusern
Frauen erschlagen. Ebenso Georg Bisching, dem sie
auch die Geschlechtsteile herausgerissen haben. Er
hatte gerade noch so viel Kraft, um sich auf den
Dachboden zu schleppen. Dort hat er sich
erhängt, um seinem Leiden ein Ende zu machen.
Seine Frau haben sie mit Geißel und
Gummiknüppel auch so hart geschlagen,
daß sie sich nicht mehr regen konnte.
Später sind von den Hieben handgroße
Fleischstücke an ihrem Körper gefault und
heruntergefallen. Eine andere Frau hat auf das
Schreien im Nachbarhaus das Fenster geöffnet
und wollte auf die Gasse schauen. Das wurde bemerkt
und sie darauf so geschlagen, daß sie
ebenfalls keines ihrer Glieder mehr bewegen konnte.
Im Nachbarhause aber lag der Mann im Sterben. Auch
ihn hatten sie furchtbar gefoltert und ihm die
Geschlechtsteile zertrampelt. Er war
bewußtlos und starb nach drei Tagen. Auf
ähnliche Art sind unter Leitung eines
politischen Kommissars in Kathreinfeld noch viele
andere Deutsche qualvoll umgebracht worden. Die am häufigsten angewandte Foltermethode
der Partisanen war hier immer das Verletzen der
Nieren durch Stöße mit Gewehrkolben, das
Brechen der Rippen durch Sprünge auf den Bauch
der zu Boden geworfenen Opfer und schließlich
bei den Männern insbesondere auch das Abdrehen
der Geschlechtsteile bei lebendem Leibe. Auf diese
grausame Art ist insbesondere auch der
langjährige frühere deutsche
Bürgermeister von Kathreinfeld Josef Topka
liquidiert worden. Aber auch deutsche Frauen wurden
in diesem Lager umgebracht. Auch diese hat man auf
die Art getötet, daß man ihnen auf den
Bauch sprang, die Rippen brach und von
rückwärts mit Gewehrkolben die Nieren
verletzte. Insbesondere grausam ist so Magdalena
Lisching zu Tode gefoltert worden. Die Lehrerin
Anna Dinjer wurde in das Nachbardorf Ernsthausen
verschleppt und dort mit vier anderen Frauen und
mit 34 deutschen Männern in ein und derselben
Nacht von den Partisanen während einer
Partisanenunterhaltung in dem Gasthaus des Georg
Schlitter mit Holzhacken und mit Messern
abgeschlachtet. Die Kathreiner Bevölkerung wurde am 18.
April 1945 in das Lager getrieben. Wohl waren bis
zu diesem Zeitpunkte schon fast volle sechs Monate
die alten Leute, die Kinder, die Kranken und
Arbeitsunfähigen aus den anderen Lagern nach
Kathreinfeld gebracht worden, aber die
Kathreinfelder befanden sich meist noch in ihren
Häusern. Die Auswärtigen waren bei ihnen
untergebracht und mußten auch von ihnen
unterhalten werden. Am 18. April trommelte es in
der Früh um sechs Uhr, daß sich alle
sofort auf dem Kirchenhof einzufinden hätten.
Am Nachmittag wurden dann alle in das
Schulgebäude gebracht. Die Bänke wurden
entfernt und die Schulräume waren fortan ihre
Unterkunft. In die einzelnen Klassenzimmer wurden
bis zu 150 Personen hineingestopft, die dort in der
Nacht weder liegen noch sonstwie ruhen konnten. Die
Kinder brachen immer wieder in Weinkrämpfe
aus, so daß man auch schon deswegen nicht
hätte schlafen können. Von da an gab es
für alle nur noch Lagerverpflegung. Sie wurden
an Kesseln gefaßt und Eßgeschirr gab es
nur wenig. Die späteren mußten immer
darauf warten, bis die ersten ihre Suppe gegessen
hatten. Was anderes gab es nicht. Die Häuser
wurden ausgeräumt und alles zusammengetragen
und aufeinandergestapelt. Als ein Teil der
Häuser leer war, wurden alle wieder in diese
eingewiesen. Auch jetzt wurde jedes Zimmer mit
mehreren Personen belegt und die ganze Einrichtung
bestand aus Stroh, das auf dem Fußboden an
Stelle von Betten ausgestreut war. Alles, was noch
irgendwie arbeiten konnte, wurde zu den
verschiedensten Arbeiten eingeteilt und viele auch
in andere Orte gebracht. Mütter, die hie und
da noch mit ihren Kindern waren und auch manche
jüngere Großmutter schon elternlos
gewordener Kinder wurde von den Kindern
weggerissen, die Kinder selbst ihrem Schicksal
überlassen. Nach einiger Zeit wurden dann
Familien aus Serbien nach Kathreinfeld gebracht,
die in den übrigen Häusern des Dorfes
angesiedelt wurden und auch alle die Sachen
bekamen, die aus den Häusern weggeführt
und gesammelt worden waren. Am 30. Oktober 1945 wurden dann wieder alle
Alten, Kranken, Kinder und Arbeitsunfähigen am
Abend spät in das Schulgebäude getrieben,
am nächsten Morgen an die Bahnstation
geführt und in Waggons eingeteilt. Am
Nachmittag setzte sich der Transport in Bewegung,
ohne daß jemand gewußt hätte,
wohin diese Reise geht. Noch an demselben Abend
blieb der Transport in Rudolfsgnad (Knicanin)
stehen. Hier mußten alle aussteigen und
wurden dann in die Häuser des Ortes
einquartiert. Zu früheren Zeiten lebten hier
etwa 3.000 Menschen. Die Häuser standen jetzt
schon ein ganzes Jahr leer und waren entsprechend
verwahrlost. Täglich kamen immer wieder neue
Transporte an, bis zuletzt 24.000 Menschen
beisammen waren. Die Häuser wurden so stark
belegt, als auf dem Fußboden zum schlafen
Platz hatten. Mehr als Stroh gab es auch hier
nicht. Von den Fremden, die als Kranke oder
Arbeitsunfähige nach Kathreinfeld gebracht
worden waren, sind bis zum Tage der Verlegung des
Lagers nach Rudolfsgnad 770 in Kathreinfeld auch
gestorben". 5. Im
Südosten des Banats geschahen grauenvolle
Untaten Werschetz In der durch ihren Weinbau berühmt
gewordenen Banater Stadt Werschetz lebten bis zum
letzten Kriege neben 12.000 Serben und einer
geringen Zahl Ungarn und Rumänen
annähernd 16.000 Deutsche. Von diesen sind
schon Ende 1944, gleich nachdem die Partisanen von
den Russen die Macht übernommen hatten,
einzeln oder in Gruppen, bei den verschiedensten
Gelegenheiten ungefähr 6.000 erschossen,
erschlagen, verschleppt oder auf andere Art
liquidiert worden. Auch aus den zahlreichen
deutschen Siedlungen der Umgebung der Stadt hatte
man sehr viele deutsche Menschen hierher gebracht,
um sie hier zu vernichten. Schon vom 3. Oktober 1944 angefangen, wurden in
Werschetz durch die neuen Polizeibehörden
umfangreiche Verhaftungen von deutschen
Männern vorgenommen. Ungefähr 400 von
diesen Häftlingen sind darauf verschwunden.
Jede Nacht wurde eine größere Zahl
dieser Leute aus dem Gefängnis herausgeholt
und gleich darauf entweder im Keller der Polizei
selbst oder auf anderen Plätzen innerhalb der
Stadt erschlagen, erschossen oder auf andere Art
umgebracht. Unter diesen Opfern befanden sich auch
viele deutsche Zivilisten aus Rumänien, die
auf der Flucht vor den russischen Truppen in
Werschetz steckengeblieben und später von den
jugoslawischen Partisanen gefangengenommen worden
waren. Die Leichen der hier Getöteten wurden
an den verschiedensten Stellen in der Stadt
begraben. So fand man z.B. im Hof des
Weinproduzenten Weigand unter einem großen
Treberhaufen versteckt 12 auf grausame Art
verstümmelte Leichen von deutschen Zivilisten,
darunter auch die des Hauseigentümers. Am 10. Oktober 1944 wurden 135 Deutsche,
darunter auch ein Knabe und eine Frau, bei hellem
Tage in der Stadt selbst, in der sogenannten
"Dreilaufergasse", von Partisanen zusammengetrieben
und öffentlich erschossen. Sie alle hatten
sich der Reihe nach niederknien müssen und
sind dann von rückwärts durch
Genickschüsse erledigt worden. Wer sich aber
nicht sogleich hinkniete, den haben die
Partisanenrudel fürchterlich geprügelt,
gestochen, angeschossen, die Zähne
eingeschlagen und ihm erst nach langem Leiden den
tödlichen Schuß gegeben. Die bei dieser
Gelegenheit getötete Frau hieß Viktoria
Geringer, der getötete Knabe war ihr Kind. Die
meisten übrigen Opfer dieses Tages waren
Weinbauern und Weingartenarbeiter . Sie waren
gerade mit der Weinlese beschäftigt gewesen,
und so wie sie ahnungslos mit ihren Wagen voll
Maische und Trauben auf der Heimfahrt aus den
Weingärten aus den verschiedensten Richtungen
in die Stadt kamen, wurden sie von den Wagen
heruntergeholt und von den Partisanen grundlos und
wahllos getötet. Als alle tot waren, brachten
die Partisanen Wagen herbei und führten die
Leichen auf den Schinderplatz. Der Leichnam der
erschossenen deutschen Frau Geringer aber bekam
einen Strick um den Hals und wurde hinter dem
letzten Wagen auf der Erde durch alle Gassen
nachgeschleift. Auf dem Wagen selbst saßen
auf den toten Deutschen jubelnde Partisanen und
Zigeuner. Sie schändeten noch unterwegs die
Leichen, machten Musik mit einer Ziehharmonika und
sangen Partisanen-Lieder. Am 23. Oktober wurden dann die wohlhabendsten
deutschen Bürger der Stadt - 35 an der Zahl -
aus ihren Häusern geholt und ins
Gerichtsgefängnis gebracht. Dort wurden sie 2
Tage hindurch erbärmlich gefoltert. Manche
wurden auch dort schon getötet. Am 25. Oktober
in der Früh wurden sie auf einen
Lastkraftwagen geworfen und aus der Stadt
hinausgeführt. Sie sind für immer
verschwunden. Der bekannte deutsche Lehrer Nikolaus
Arnold und der Rechtsanwalt Dr. Julius Kehrer waren
auch unter diesen Opfern. Auch 250 deutsche Kriegsgefangene hatte man in
jenen Tagen in dieses Gerichtsgefängnis
gebracht. Diese sind dann gruppenweise jeden Abend
gegen 10 Uhr nach fürchterlichen
Mißhandlungen von hier weggeführt
worden. Sie wurden vorher gefesselt und auf die
Schinderwiese getrieben. Dort wurde jedesmal ein
Graben ausgehoben. An diese Graben mußten die
ausgewählten Opfer, nachdem sie nackt
ausgezogen worden waren, in Gruppen zu 20 und mehr
Leuten jedesmal herantreten und bekamen den
Genickschuß. In der ganzen Stadt aber
hörte man von dort diese Schießerei. Am
25. Oktober ist auch der frühere deutsche
Bürgermeister Geza Frisch mit fünf
anderen ehemaligen städtischen deutschen
Würdenträgern am Schinderplatz erschossen
worden. Diese Leute waren durch mehrere Tage
hindurch in einem Raum des Bürgermeisteramtes
eingesperrt und wurden dann am 25. Oktober abends
gefesselt durch die Stadt getrieben. Hinter ihnen
fuhren auf Wagen Partisanen. Die Pferde wurden
dabei ständig angetrieben, so daß die
Männer die Strecke bis zur Schinderwiese im
Laufschritt zurücklegen mußten. Dort
mußten sie sich selbst ihr Grab schaufeln und
dann sich nackt ausziehen. Darauf bekamen sie ihre
Genickschüsse. Schon wenige Tage später
aber wurden ihre Kleider von Partisanen in der
Stadt getragen. Besonders grausam ist man auch
gegen die deutschen Mädchen und jungen Frauen
von Werschetz vorgegangen. Hunderte von ihnen
wurden verschleppt und sind verschwunden. Am 27. Oktober 1944 und auch schon einige Tage
vorher trieb man dann auch die übrigen
deutschen Männer aus ihren Häusern und
Wohnungen und brachte sie ins Konzentrationslager,
das am sogenannten"Stojkowitsch-Telep" für die
Deutschen errichtet worden war. Auch aus den
Gemeinden der Umgebung brachte man Deutsche nach
Werschetz ins Lager, so daß dort gegen 5.000
Deutsche zusammengepreßt worden waren. Das
Lager bestand nur aus 5 Baracken, die in der ersten
Zeit diese Tausende kaum faßten. Aber bald
wurde das Lager leer, denn in den Abendstunden
fuhren Tag für Tag Lastkraftwagen heran. Auf
diese wurden schon vorher ausgewählte Gruppen
von 100 und mehr Männern jedesmal aufgeladen
und in der Nacht weggeführt. Alle diese sind
verschwunden. Meist wurden sie zum Schinderplatz
geführt und ohne Grund und ohne Verfahren,
nachdem sie sich nackt haben ausziehen müssen,
erschossen. Ganze Nächte hindurch hörte
man das Schießen in der Stadt. Auf diese
Weise wurde die Zahl der deutschen Lagermänner
immer kleiner. Im Monat Dezember 1944 lebten von
den früheren Tausenden nur mehr 350, die dann
größtenteils in die Gemeinde Guduritz
auf Holzarbeiten und von dort ins Lager Semlin auf
schwere Zwangsarbeit geschickt wurden. Die Mehrzahl
ist dort gestorben. Aber auch im Konzentrationslager selbst,
innerhalb des Stacheldrahtes, wurden viele Deutsche
umgebracht, durch ständige Mißhandlungen
und Folterungen getötet oder erschossen. Meist
waren es die angesehenen Werschetzer Bürger,
die wohlhabenderen Leute und die deutsche
Intelligenz, die mit besonderer Vorliebe von den
Partisanen zuerst Tage hindurch grausam
gequält und dann erst liquidiert worden sind.
Hunderte von diesen Leuten sind in der
unmittelbaren Nähe des Lagers begraben. All
dies wurde unter unmittelbarer Leitung des
Lagerkommandanten selbst und der höchsten
Funktionäre der neuen Behörden
durchgeführt. Auch der frühere deutsche
Werschetzer Rechtsanwalt, Dr. Alfred Marich, ist
hier im Lager wiederholt von Partisanen sehr schwer
mißhandelt worden. Es wurde ihm bei den
Folterungen auch ein Auge verletzt. Zur Heilung
seiner Wunden wurde ihm keine Gelegenheit gegeben.
Schließlich wurde er einmal zur Nachtzeit
allein aus der Baracke hinausgeführt und
kehrte nicht mehr zurück. Angeblich wurde er
nach langen Folterungen im Lager selbst von einem
hohen behördlichen Funktionär
eigenhändig getötet. Am 18. November 1944, nachdem schon die meisten
deutschen Männer liquidiert waren, kamen auch
die deutschen Frauen und Kinder von Werschetz in
das mittlerweile beinahe leer gewordene
Konzentrationslager. Von hier schob man sie, viele
Tausende, nach einiger Zeit der Qualen und Leiden
in andere Ortschaften ab, wo die Frauen
während des Winters schwere Zwangsarbeiten
verrichten mußten und massenhaft zugrunde
gingen. Größere Gruppen kamen nach
Mitrowitz, Schuschara und anderen Orten. In diesen
Gruppen befanden sich häufig auch Männer
aus Weißkirchen. Die Mehrzahl von ihnen, die
Ende 1945 noch lebten, wurden in das große
Konzentrationslager nach Rudolfsgnad gebracht. Die
meisten Werschetzer sind hier im Winter 1945 auf
1946 verhungert. Nur einzelne haben die Qualen
überstanden. Über die Vorkommnisse in Werschetz
berichtet ein Augenzeuge im einzelnen noch
folgendes: Es war Nacht, als der Zug in Werschetz einfuhr.
Gleich am Bahnhof fiel mir auf, daß dort
keine einzige bekannte Person zu sehen war. Es
schien mir, als würde ich eine vollkommen
fremde Stadt betreten. Durch die finsteren
Straßen schleichend, erreichte ich mein
Elternhaus, wo ich beim ersten Blick durch das
Fenster die Situation sofort feststellen konnte. Im
ehemaligen Schlafzimmer meiner Eltern, das
ebenerdig auf der Straßenseite gelegen war,
befanden sich Zigeuner um einen offenen Herd
versammelt. Auf dem Fußboden spielten
Zigeunerkinder. Da konnte ich nicht hinein und da
ich müde war, ging ich in eine
Weingartenhütte am Fuße des Berges, um
dort die Nacht zu verbringen. Dort hielt ich mich
auch während der ganzen Zeit meines
Aufenthaltes verborgen. Ich konnte nur in der Nacht
meine Bekannten aufsuchen, die mich auch
verpflegten. Vom Nachbarn meiner Eltern erfuhr ich
über meine Eltern folgendes: Mein Vater, der nie politisch tätig, aber
als tüchtiger Geschäftsmann bekannt und
beliebt war, wurde um Mitternacht von den
Partisanen aus dem Bette geholt und mit vielen
hundert anderen im Bezirksgericht eingesperrt.
Solche Aktionen wiederholten sich Nacht für
Nacht, bis alle in der Heimat verbliebenen
Deutschen und königstreuen Serben in Haft
waren. Dort wurden die Serben von einem
willkürlich zusammengewürfelten
"Volksgericht" abgeurteilt. Es gab überhaupt
nur Todesurteile. Mit russischen Autos wurden die
"Verurteilten" Nacht für Nacht auf die
Schinderwiese, eine große Fläche mit
künstlichen Gruben, wo sonst Fäkalien
abgelagert werden, gebracht, durch Zigeuner
entkleidet, von Partisanen kurzerhand
niedergeschossen und oft halblebend eingegraben.
Mein Vater befand sich auch in einem solchen
Schreckenstransport. Meine Mutter blieb noch eine
Woche zu Hause und wurde dann ins Lager
gebracht So entstanden in Werschetz selbst vier
große Lager, Stojkovich-Telep, Majdan,
Schweitzer-Keller und Kaserne. Für Serben, die
den Massenhinrichtungen nicht zum Opfer fielen, gab
es Transporte nach Belgrad. Im Lager
Stojkovich-Telep waren die Lagerinsassen nachts in
den überfüllten Baracken, wie Heringe im
Faß, hineingepreßt und durften sich
nicht bewegen. Bei der kleinsten Bewegung wurde man
sofort erschossen. Die Wachmannschaft hatte
vollkommen freie Hand und bestimmte über Tod
oder Leben der Lagerinsassen eigenmächtig.
Eines Nachts stellte man Maschinengewehre um eine
Baracke und schoß hinein. Nach Einstellung
des Feuers mußten die Überlebenden
zuerst die Verwundeten hinaustragen und dann die
Toten. Die Verwundeten wurden sofort erschossen und
die Überlebenden mußten dann alle Toten
gleich an Ort und Stelle begraben. Da sie die
Massengräber zu oberflächlich anlegten,
hob sich die Erde nach einigen Tagen. Es
mußten tiefere Gruben geschaufelt werden und
die Toten noch einmal begraben werden. Es kamen
Partisanenfrauen in die Baracken und haben die
Schwerkranken und Schwachernährten so lange
mit den Füßen getreten, bis sie starben.
Das Austreten zur Notverrichtung war nach Laune der
Wachmannschaften oft tagelang verboten. Solche, die
hinausgelassen wurden, wurden oft auch gleich
erschossen. Nachweisbar wurden 4.000 Menschen in Werschetz
erschossen. Bemerkenswert ist, daß sich unter
den Erschossenen auch altbekannte Kommunisten
befanden. Wegen des ständigen Umgruppierens
der Lagerinsassen läßt sich nicht
feststellen, wer ermordet, verschleppt oder
sonstwie verschwunden ist. Ganz alte Leute und
Kinder befanden sich in Setschan, wo sie
täglich massenhaft an Hunger starben". Karlsdorf Am 4. und 8. November wurden 38 Personen,
darunter auch sechs Frauen (eine hochschwangere),
nach Uljma verschleppt. Vier wurden am 9. November
in einem schwer mißhandelten Zustande wieder
zurückgebracht. Von den übrigen fehlt
derzeit jede Spur. Sie sind am 9. und 10. November
in Weißkirchen erschossen worden. Am 12.
November mußten alle Männer im Alter von
16 bis 60 Jahren zum Feuerwehrheim kommen und
wurden dann in die von der deutschen Luftwaffe
neben dem Friedhof zurückgelassene Baracke
geführt. Diese Baracke wurde mit Stacheldraht
umgeben und war fortan ein Zwangsarbeitslager. Auch
hier hat es an Mißhandlungen nie gefehlt.
Einer der gefährlichsten Partisanen war Livius
Gutschu, der selbst seinen Vater erschießen
ließ, später aber, weil er sich an
seinen Opfern bereichert hat, auch selbst verhaftet
wurde und spurlos verschwunden ist. Am 18. November
wurden die deutschen Frauen und Kinder und alle
sonst arbeitsunfähigen Deutschen aus dem
Alibunarer Bezirk nach Karlsdorf gebracht. Sie
wurden in die Häuser der Deutschen
eingewiesen. Aus dem Lager wurden einige Tage
später etwa 200 Mann weggeführt. In dem
20 km entfernten Roschiana (bei Schuschara)
mußten sie bis zum Frühjahr Holz
fällen. Sie wohnten dort in Erdlöchern.
Ein aus Uljma stammender Holzfäller wurde vom
Wachkommandanten des Holzschlages gelegentlich
einer Unterhaltung in Schuschara so schwer
mißhandelt, daß er zusammenbrach. Er
mußte die Hose ausziehen, worauf man ihm
einen Ziegelstein an die Geschlechtsteile band und
ihn mit Prügeln zum Tanze trieb. Auch im
Dezember kam es noch zu schweren und tödlichen
Mißhandlungen. Um die Jahreswende wurden 280 Personen nach
Rußland verschleppt. Als im Frühjahr die
Männer vom Holzschlag zurückgekommen
waren, wurden 200 Männer gleich wieder nach
Semlin in Marsch gesetzt. Die Gruppe bestand
vorwiegend aus Karlsdorfern (132), dann von
Männern aus Weißkirchen (27), Schuschara
(15), Alibunar (10), Uljma (6), Ilandscha (4),
Jasenova (3), Seleusch (1) und anderen Orten. Am
12. Februar kamen aus dem Semliner Lager 600 Mann -
darunter etwa 90 Karlsdorfer - nach Mitrowitz, wo
ihnen noch 400 aus Apatin und Umgebung
beigeschlossen wurden. Als die Gruppe am 25. Mai
wieder nach Semlin zurückgebracht wurde, waren
es um 112 weniger, die beim Bahnstreckenbau alle
gestorben oder erschossen worden waren. Von den 90
Karlsdorfern allein fehlten 21. Im Mai 1947 lebten
von den 132 Karlsdorfer Männem noch 66. Als
das Semliner Lager im September nach Mitrowitz
verlegt wurde, befanden sich darunter noch 17
Karlsdorfer. Im März 1946 lebten noch vier von
diesen. Am 24. März - eine Woche nachdem die
Arbeitergruppe nach Semlin abgegangen war - wurden
30 Mann in das Pantschowarer Ried geschickt. Von
den 15 Karlsdorfern ist Johann Hatibu an
Erschöpfung schon in den nächsten Tagen
dort gestorben. Am 27. April 1945 wurde die ganze
deutsche Bevölkerung Karlsdorfs in das Lager
getrieben. Sie blieben dort etwa vier Wochen lang,
währenddessen ihre Häuser ausgeräumt
wurden. Nach diesen vier Wochen wurden sie in einem
Teil des Ortes wieder einquartiert. Über
Sommer mußten alle Arbeitsfähigen auf
Arbeit gehen. Als das Internierungslager
Kathreinfeld nach Rudolfsgnad verlegt wurde, wurden
auch alle Arbeitsunfähigen aus dem Karlsdorfer
Internierungslager nach Rudolfsgnad gebracht. Etwa
450 Personen - darunter 264 Karlsdorfer - kamen am
30. Oktober nach Rudolfsgnad, wo im April des
nächsten Jahres auch schon die Hälfte
Hungers gestorben war. Im März 1948 lebten
dort noch 80 Karlsdorfer. Als im Sommer 1946 mehr
und mehr über Rumänien nach
Österreich zu flüchten versuchten, gelang
es vielen Karlsdorfern, das nackte Leben zu retten,
doch sind viele auch an der Grenze erschossen und
von verbrecherischem Gesindel, das seine Verbrechen
Deutschen gegenüber noch immer unter dem
Deckmantel partisanischen Heldentums ausüben
konnte, ermordet und beraubt worden. Mitte April
1946 und später wurden in gewissen
Zeitabständen größere Gruppen nach
Guduritz und Werschetz geschafft. Dort, namentlich
aber in Guduritz, wurde die Flucht nach
Rumänien inoffiziell geduldet, so daß
sich von dort die meisten noch das Leben retten
konnten. Später, und zwar im Frühjahr und
Sommer 1947, wurden Überstellungen von
größeren Gruppen nach Gakovo
durchgeführt. Auch dort wurde die Flucht nach
Ungarn durch inoffizielle Duldung
begünstigt. Anfang 1948 - als die Zwangsarbeitslager
aufgelöst wurden, hat sich der Rest der in
Jugoslawien verbliebenen und noch am Leben
gebliebenen Karlsdorfer, soweit sie
arbeitsfähigen Alters waren, für
serbische Bergwerke und Baranjaer Kolchosen
verpflichtet. Nach Karlsdorf selbst kamen, soweit
sie nicht auch schon nach Gakovo überstellt
oder inzwischen gestorben waren, auch die
Arbeitsunfähigen des ebenfalls um diese Zeit
aufgelösten Rudolfsgnader Lagers. Karlsdorf,
das jetzt als "Rankovicevo" den Namen des Chefs der
OZNA trägt, ist somit zur Endstation des
Leidensweges des jugoslawischen Deutschtums
geworden. In die Baracken am Friedhof wurden alle
Deutschen des Landes eingewiesen, die
arbeitsunfähig waren und niemand hatten, bei
dem sie ihren Lebensabend hätten
beschließen können. Alibunar Klara Knoll aus Alibunar berichtet: Am 17.11.1944 kamen wir alle ins Lager nach
Karlsdorf. Die einzelnen deutschen Familien von den
zu unserem Bezirk gehörenden nicht-deutschen
Dörfern waren auch in unseren Ort gebracht
worden und mit uns nach Karlsdorf gekommen. Vor dem
Abmarsch hielten Partisanen uns eine Rede, in der
sie betonten, daß sie uns nicht alle
erschießen würden, aber wir würden
lebenslänglich ihre Sklaven sein. Den
Partisanen, die uns begleiteten, wurde der Auftrag
erteilt, alle diejenigen zu erschießen, die
auf dem Weg ins Lager nach Karlsdorf eventuell
nicht weiter gehen könnten und von der
Marschgruppe zurückbleiben würden. So wurden mein Vater Edmund Bauer, 86 Jahre alt;
Frau N.Fritz, 82 Jahre alt; N.Jacker, die Frau des
Schornsteinfegers, 50 Jahre alt (sie hatte kranke
Füße) auf dem Weg beim Ausgang des Ortes
erschossen. In Karlsdorf kamen wir abends an. Wir
mußten uns alle an die Wand stellen. Wir
dachten, daß wir erschossen würden. Die
Kinder begannen zu weinen. Wir wurden in Gruppen zu
je 10 Personen abgezählt und in die
Häuser eingewiesen. Den
Hauseigentümerinnen (ihre Männer waren ja
entweder eingesperrt oder auf Arbeit in den Wald
verschleppt) wurde gedroht, falls jemand fehlen
sollte, würden sie erschossen. So
verließ ich nicht das Haus und erfuhr erst
drei Tage später vom Tode meines Vaters. Wir
haben in Karlsdorf Feldarbeit und andere schwere
Arbeiten machen müssen, aber wir haben in
Häusern, in warmen Räumen schlafen und
unsere nassen Kleider trocknen können, oder
von den Deutschen aus Karlsdorf Kleider
erhalten. Als wir schon eine Woche in Karlsdorf waren,
wurden am Samstag, dem 25.11.1944, erschossen: mein
Mann, Franz Knoll, 43 Jahre alt (Frau Knoll
zählt dann noch 15 weitere Opfer aus ihrem
Heimatort auf). Außer den deutschen
Männern und Frauen aus Alibunar wurden auch
deutsche Frauen und Männer aus den nicht
deutschen Ortschaften unseres Bezirkes erschossen,
insgesamt 80 Personen. Sie wurden alle am
sogenannten Schinderfriedhof erschossen und
begraben. Sie mußten sich selbst das Grab
graben und wurden in Gruppen zu 10 Personen
zusammengebunden, auf ein quer über das Grab
gelegtes Brett gestellt und erschossen. Die ersten
haben vielfach die letzten der Gruppe mit sich
hinuntergerissen, die dann im Grab erschossen
wurden. Es mußten sich alle Frauen und
Männer ganz entkleiden und wurden so
erschossen. Da sich die Frauen weigerten, sich
auszuziehen, wurden sie mit Benzin begossen und in
den an ihrem Leibe brennenden Kleidern erschossen.
Ihnen wurde auf dem Wege zum Erschießen
gesagt: "Jetzt führen wir Euch zu Eurem
Hitler". Auf dem Weg zum Schinderhof wurden den
Frauen die Haare angezündet. Einige Tage
durfte sich dem Massengrab niemand nähern. Da
die Toten nur oberflächlich mit Erde bedeckt
waren, zerrten Hunde sie bald an den
Füßen und Händen heraus. Darauf
mußten aus Karlsdorf ältere Männer,
die nicht im Wald Holz machten, nach Alibunar gehen
(5 km entfernt) und sie ordentlich mit Erde
zuschütten. |