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 III. IM BANAT (2)

4. Im Bezirk Groß-Betschkerek herrschte tödliches Grauen

Betschkerek
Groß-Betschkerek war die Hauptstadt des jugoslawischen Banats. Gegen 35.000 Menschen lebten in dieser Stadt. Die Deutschen bildeten hier ungefähr ein Drittel der Stadtbewohner. Aus Serben, Ungarn, Slowaken, Rumänen und Bulgaren bestand die übrige Bevölkerung. Die wohlhabendsten Landwirte aber waren die Deutschen. Sie waren die tüchtigsten und fleißigsten gewesen und hatten sich auch das meiste und das beste Feld erworben.

Hier hatte sich am 2. Oktober 1944, dem Tage, an welchem die Russen eingerückt waren, eine einheimische serbische Regierung konstituiert, die aber schon am 10. Oktober wieder umgebildet wurde. Es kamen kommunistische Partisanen-Verbände aus Syrmien hin und rissen die Macht an sich. Schon gleich am 10. Oktober, dem ersten Tage ihrer Regierung, an einem Dienstag, haben diese neuen Herren ganz ohne Grund in den frühen Morgenstunden den westlichen Teil der Stadt, jene Gassen, in welchen hauptsächlich die deutschen Landwirte ihre geschlossenen Siedlungen hatten, von allen Seiten abgesperrt. Bewaffnete Partisanengruppen, denen auch Frauen in Partisanenuniform angehörten, gingen von Haus zu Haus. Sie legitimierten die gesamte Bevölkerung dieses Stadtteiles, und wo sie einen deutschen Mann oder Jüngling gefunden zu haben glaubten, wurde er sofort aus dem Hause getrieben. "Bist du ein Deutscher?" war die einzige Frage, welche die Betreffenden jedesmal zu beantworten hatten, und wenn er es war, bestand der darauf folgende Befehl nur noch aus drei Worten und diese lauteten: "Fesseln und erschießen!" Damit war das Verfahren auch zu Ende. Alle diese deutschen Zivilpersonen wurden dann unter gräßlichen Mißhandlungen und Gewehrkolbenstößen in den serbischen Stadtteil geschleppt. Es waren gegen 300 an der Zahl. In der "Takovska-Gasse", in der sogenannten "Dolja", trieb man sie zusammen. Im Hofe eines dort stehenden Hauses mußten sie sich ausziehen. Dann wurden sie aus dem Hof, jedesmal in Gruppen zu zehn, auf die Gasse getrieben. An einer Gassenseite befand sich dort eine lange Ziegelmauer. Vor diese mußten sie sich hinknien und wurden von rückwärts erschossen. Darauf brachten die Partisanen Wagen herbei und warfen die toten Deutschen darauf. Am Ortsrande der Stadt, dort wo sich vor dem ersten Weltkrieg, als das Land noch zu Ungarn gehörte, die Militärschießstätte befand, hatten die Partisanen bereits vorher ein großes Loch graben lassen. In dieses warfen sie alle 300 Toten hinein. Unter den Opfern dieses Tages befand sich auch ein 14jähriger Knabe, dessen Vater dann einige Tage danach mit seinem Schwager ebenfalls erschossen wurde.

An den darauffolgenden Tagen wurden auch die meisten Deutschen der übrigen Stadtteile aus ihren Wohnungen vertrieben. Man brachte sie in verschiedene Lager. Für eines davon wurde eine alte Mühle am Nordrande der Stadt ausersehen. Auch aus den Gemeinden der Umgebung wurden Tausende von Deutschen hierher in diese Mühle geschleppt. Auch 60 deutsche Kriegsgefangene und Hunderte von deutschen Männern, Kindern und Frauen aus Rumänien, die vor den Russen nach dem Westen geflüchtet waren, aber nicht mehr weiter gekommen sind, sperrte man mit den Groß-Betschkereker Deutschen hier ein.

Gleich beim Eingang in das Gebäude dieser alten Mühle befand sich ein kleiner Raum. Dieser wurde von den Partisanen als Folterkammer eingerichtet. Jede Nacht, wann immer eine Partisanengruppe Lust empfand, deutsches Blut zu sehen und deutsche Menschen umzubringen, wurden diese in Gruppen oder einzeln aus den übrigen Räumen dieses Vernichtungslagers in diese Folterkammer geholt. Schon in der ersten Nacht massakrierten die Partisanen 25 Männer, einen nach dem anderen. Man schlug ihnen zuerst die Zähne ein, brachte ihnen dann mit Gewehrkolbenstößen von rückwärts Nierenverletzungen bei, brach ihnen durch Kolbenhiebe das Schlüsselbein, warf sie zu Boden, sprang ihnen mit aller Wucht auf den Bauch, brach ihnen die Rippen und töteten sie schließlich, wenn sie noch immer lebten, durch Einschlagen der Köpfe mit Gewehrkolben oder Stöcken. Sehr häufig geschah dies während andere Partisanen hierzu Musik machten oder Lieder sangen und je lauter die Opfer jammerten, desto lauter wurde gesungen und desto stärker die Ziehharmonika gespielt. Einer der ersten, an dem die Partisanen diese Experimente ausprobierten, war der Lehrer Hermann aus Kikinda und dann der Kaufmann Julius Bock aus Groß-Betschkerek, zwei besonders groß gewachsene, starke Männer. Auch der Gutsbesitzer und einstige Obmann des "Schwäbisch-deutschen Kulturbundes", Johann Keks, wurde erschlagen. Auch von den 60 deutschen Kriegsgefangenen, die mit den deutschen Zivilisten zusammen eingesperrt waren, wurden ohne Rücksicht auf ihre deutsche Staatsbürgerschaft in kurzer Zeit alle bis auf 26 von den Partisanen getötet. Auch die meisten rumänischen Flüchtlinge männlichen Geschlechtes, darunter auch ein deutsches Kind namens Minges Walter aus Detta, wurden, obwohl die Partisanen wußten, daß sie keine jugoslawischen Staatsbürger waren, getötet. Bei der Ermordung des erwähnten Kindes, die von den Partisanen bei Tag wie ein Zirkusspiel mitten im Lagerhof vorbereitet und vorgeführt wurde, mußten alle Lagerinsassen, insbesondere aber alle Frauen, gegen 400 an der Zahl, antreten und waren gezwungen, zuzuschauen, wie man deutsche Kinder liquidiert.

Sehr oft fanden in diesem Lager Massenerschießungen in Gruppen bis zu 150 Menschen und darüber statt. Alles dies geschah nur deshalb, um die Zahl der Deutschen, deren Habe die Partisanen bereits im Besitz hatten und in deren Häuser sie bereits eingezogen waren, zu vermindern und die Eigentümer aus der Welt zu schaffen. In allen diesen Fällen wurden die Opfer ganz willkürlich ausgewählt. Sie mußten sich im Lagerhof von den anderen getrennt aufstellen, wurden dann mit Draht aneinander gebunden und von den Partisanen fürchterlich geschlagen. Darauf wurden sie aus dem mit Stacheldraht umgebenen Lager hinausgetrieben und meist in die Nähe der früheren Militärschießstätte gebracht. Dort mußten sie ein großes Loch graben. Manchmal hatten dies sogar schon Tage zuvor andere deutsche Lagerinsassen für die Erschießung vorbereiten müssen. Dann mußten sie sich nackt ausziehen, in Gruppen von 10 bis 20 Menschen an das Grab herantreten oder sich schon gleich auf die anderen Toten in das Grab hineinlegen und wurden dann erschossen. Wer zögerte, wurde geschlagen oder mit Bajonetten gestochen. Diese Massengräber wurden dann vielfach nur ganz oberflächlich mit Erde zugeworfen. Die Kleider der Getöteten aber wurden von den Partisanen mit Wagen in die Stadt gefahren und verhandelt. Schon tags darauf gingen die Anhänger der Partisanen in den Kleidungsstücken dieser liquidierten deutschen Menschen in der Stadt herum.

Die erste derartige Erschießung hat bereits am 12. Oktober 1944 stattgefunden. 75 deutsche Zivilpersonen sind damals auf einmal aus dem Lager hinausgeführt und getötet worden. Am 14. Oktober war schon die nächste Massenerschießung mit ebenso vielen Opfern. So ging es weiter fast jeden zweiten Tag. Am 20. Oktober ist in einer Gruppe von 70 Groß-Betschkereker Bürgern auch der frühere deutsche Abgeordnete und Notar, Dr. Julius Elmer, nach fürchterlichen Mißhandlungen erschossen worden. Bei der Erschießung vom 29. Oktober, bei der in zwei Partien insgesamt 154 Männer getötet wurden, sind auch der frühere deutsche Abgeordnete Prof. Peter Heinrich aus Hatzfeld und der Maler Johann Eck ums Leben gekommen.

An einem anderen Tage mußten alle Lagerinsassen antreten. Es wurden alle diejenigen aufgefordert vorzutreten, welche höhere Schulen absolviert hatten. Akademiker, Meister, Kaufleute oder Menschen mit größerem Vermögen. Man stellte ihnen leichtere Arbeit in Aussicht. Manche meldeten sich, da sie nichts Böses ahnten. Kaum war dies geschehen, wurden sie sogleich von den übrigen abgesondert, mit Draht aneinander gefesselt, gräßlich mißhandelt, zur Schießstätte getrieben, nackt ausgezogen und erschossen. Gegen 60 deutsche Zivilpersonen sind diesmal getötet worden. In seiner Verzweiflung angesichts der ständigen Folterungen hat ein junger deutscher Zivilist Selbstmord verübt. Er sprang auf dem Heimweg von der Zwangsarbeit von der Brücke in den Bega-Fluß und ertrank sogleich, denn es war Winter. Dies haben die Partisanen zum willkommenen Anlaß benützt, um sogleich nach dem Eintreffen in das Lager noch andere 30 deutsche Zivilpersonen als Strafe für diesen Selbstmord zu erschießen.

Einen sehr grausamen Akt der Partisanen bildete am 17. November 1944 die Ermordung von 60 Kranken. Es wurde an diesem Tage verkündet, daß diejenigen, die krank oder bei der Zwangsarbeit Unfälle erlitten hatten, ins Spital gehen könnten und sich zu diesem Zweck sogleich melden sollten. 60 Arbeitsunfähige wurden sogleich abgesondert und in einem Raum eingesperrt. In der Nacht mußten sie dann ihre Kleider ausziehen und wurden dann in Gruppen von je 10 Personen in den Lagerhof getrieben. Dort wurden sie von einer großen Gruppe von Partisanen in der Finsternis erwartet und sogleich an Ort und Stelle mit Schaufeln durch Kopfhiebe der Reihe nach erschlagen. Italienische Kriegsgefangene mußten die erschlagenen nackten Deutschen auf bereitgehaltene Wagen werfen, aus dem Lager hinausführen und eingraben. Der Lagerhof aber war noch am nächsten Morgen über und über mit Blut bespritzt.

Auf ähnliche Weise sind auch nachher öfter die Kranken in diesem Lager gruppenweise getötet worden. Am 25. November 1944 war es eine Gruppe von 54 Kranken, die alle gleichzeitig von den Partisanen erschossen worden sind. Ein anderes Mal waren es 70, wieder ein anderes Mal 35 usw. Sehr groß aber war auch die Zahl jener, die in diesem Lager einzeln getötet wurden. Am 29. November 1944 in der Nacht ist so als Einzelner, nur weil er wegen seines hohen Alters von 85 Jahren nicht mehr schwer arbeiten konnte, der pensionierte deutsche Schuldirektor und frühere Schriftleiter der deutschen Zeitung "Neue Zeit", Stefan Kaufmann, aus dem Lagergebäude geholt und im Lagerhof von Partisanen getötet worden. Er wurde im Lagerhof selbst eingegraben.

Die meisten anderen aber, die nicht in Gruppen getötet, sondern von den Partisanen einzeln im Lager erschlagen oder erschossen wurden oder aber verhungert oder durch Krankheit zugrunde gegangen sind, wurden gleich tags darauf in unmittelbarer Nähe des Lagers, außerhalb des Stacheldrahtes auf einer Hutweide eingegraben oder in den Straßengraben geworfen und nur mit etwas Erde zugedeckt, so daß vielfach Schweine und Hunde die halbverwesten Leichen wieder an die Oberfläche ziehen konnten.

Die Opfer aber wurden durchaus nicht immer tot begraben. Viele wurden in das Grab gestoßen auch wenn sie noch Zeichen des Lebens von sich gaben. Wiederholt haben Schwerverwundete sogar noch gebeten, ihnen noch einen Schuß zu geben. Einmal war ein deutscher Mann bei einer am Abend stattgefundenen Massenerschießung nach den abgegebenen Schüssen nur verwundet mit den übrigen in das Grab gestürzt. Während der Nacht kam er wieder zu sich, kroch durch die dünne, daraufgeworfene Erdschicht wieder heraus und saß am nächsten Morgen ganz nackt, aber noch lebend, am Rande des Massengrabes. Vorbeigehende Zivilpersonen bat er, ihm zu helfen. Diese meldeten es aber dem Lagerkommandanten. Der schickte sogleich einige Partisanen, die den Schwerverwundeten töteten.

Aus dem Groß-Betschkereker Lager wurden sehr oft große Gruppen von Männern nach auswärts auf schwere Zwangsarbeit geschickt. Sehr viele wurden auch bei solchen Gelegenheiten von den Partisanen erschlagen oder erschossen. Am Pfingstmontag, den 20. Mai 1945, schickte man z.B. 75 Männer unter Begleitung einer großen Zahl schwerbewaffneter Partisanen in den Steinbruch nach Beotschin in Syrmien. Dieser Marsch war begleitet von ständigen schwersten Mißhandlungen durch die Partisanen. Nach der Übergabe des Transportes an das Fabrikunternehmen in Beotschin, wo sie hätten arbeiten sollen, mußte festgestellt werden, daß infolge der unterwegs durch die erwähnten Mißhandlungen erlittenen schweren Verletzungen 20 Männer arbeitsunfähig geworden waren. Sie sind auch fast alle bald darauf gestorben. Hatten in anderen Orten aber Partisanen Lust, Deutsche zu ermorden, konnten sie sich solche in Groß-Betschkerek bestellen oder von dort liefern lassen. Sie wurden dort bereitwilligst für solche Zwecke abgegeben und dazu zur Verfügung gestellt. So hatten am 25. Oktober 1944 die Partisanen in den serbischen Ortschaften Melentzi und Baschaid Festlichkeiten. Diese Feste sollten durch die öffentliche Massakrierung deutscher Menschen ihren Höhepunkt erfahren. Daher wurden an dem genannten Tage 30 Deutsche aus dem Groß-Betschkereker Lager in die genannten Ortschaften geschickt. Dort wurden sie an diesem Tage programmgemäß bei dem Fest erschossen. Am 27. Dezember 1944 aber schickte der Kommandant des Groß-Betschkereker Lagers wiederum 39 Kranke, 35 Männer und 4 Frauen, mit Wagen in die Ortschaft Ernsthausen. Sie wurden dort als Höhepunkt einer Unterhaltung auf die grausamste Weise umgebracht.

Ein geflüchteter Lagerinsasse gab über das Lager in Groß-Betschkerek folgendes an:
"Ich war mit der inneren Ordnung des Lagers beauftragt. Ich mußte u.a. abends dem Lagerkommandanten den zahlenmäßigen Stand melden. So konnte ich feststellen, daß in dem Winter 1944/45 weit über 4.000 Menschen auf geheimnisvolle Weise verschwanden, die im Lagerbuch als "an Flecktyphus gestorben" eingetragen wurden. In Wirklichkeit wurden sie, wie die Totengräber erzählten, in der Nacht erschossen oder erschlagen. Ich habe die Eintragungen selbst gesehen. Der alte 65jährige Lehrer Koller aus Elemir wurde in einer Nacht ohne Angabe der Gründe in unserem Zimmer dreimal geprügelt. Ich zählte 285 Hiebe. Der alte Mann gab keinen Laut von sich. In der Frühe war er tot. So erging es dem Strumpffabrikanten Weiterschan aus Groß-Betschkerek, dem Bauer Peter Blum aus Kathreinfeld und vielen, vielen anderen. Eine beliebte Methode der Partisanenfrauen war, an den Zungen der Leute zu zerren. Unseren Frauen, die in anderen Gebäuden untergebracht waren, wurde das Haar, selbst an den Geschlechtsteilen, geschoren. Unsere eigenen Friseure mußten das machen. Viele Frauen wurden vergewaltigt, darunter auch meine eigene Tochter.

Kaum gräßlicher als der Tod war das Leben im Betschkereker Lager. Morgens um 3 Uhr war Tagwache. Das Lager war in mehrere Trupps eingeteilt. Nach dem Wecken begann auch schon die Prügelei und Beschimpfung. Die Männer mußten mit freiem Oberkörper im dunklen Hof zum "Frühsport" antreten. Im Hof stand ein Brunnen mit einem bretternen Waschtrog. Durch das starke Regenwetter und den großen Wasserverbrauch ohne Ableitung bei den vielen zusammengepferchten Menschen entstand im Hof ein fertiges Schlammbad. In diesem Kot begann nun der sogenannte "Frühsport". Mit Flüchen und Schimpfworten, mit Kolbenhieben und Gummiknüppeln wurde der "Frühsport" von den Wachmannschaften bekräftigt. Die halbverhungerten und wundgeprügelten Menschen mußten sich in dieser naßkalten Spätherbstzeit je nach Laune der Wache eine halbe oder ganze Stunde in dem Schlamm des dunklen Hofes herumwälzen, knien, hinlegen usw. Wenn nun dieser "Frühsport" beendet war, ließ man die schlammbekrusteten Menschen - es waren 17.000 Männer, Frauen und Kinder - kaum an den Waschtrog, viele kamen gar nicht einmal dazu, sich auch nur naß zu machen, geschweige denn, sich anständig zu waschen. Von einer Benützung von Seife oder sonstigem Waschzeug konnte gar keine Rede sein.

Zeitweise kam es auch vor, daß die Partisanen, während die Lagerinsassen bei diesem "Frühsport" auf der Erde lagen, auf ihnen herumtanzten. Zu diesem Tanz spielte eine Musikkapelle, um das Schreien zu übertönen. Während des Tanzes wurden die Lagerinsassen mit Knüppeln und Gewehrkolben geprügelt und mit den Stiefelabsätzen bearbeitet. Das dauerte jedesmal eine halbe Stunde lang, nachher blieben jeweils 5 - 10 Menschen liegen. Sie waren tot. Nach diesem "Totentanz" wurde alles auf die Zimmer getrieben, nachdem es aber noch stockfinster war, mußte die Zeit bis zur Morgendämmerung ausgefüllt werden. Bis um halb 6 Uhr wurden die Menschen von der Wachmannschaft geprügelt und gequält. Dann kam das Frühstück, eine dünne Wassersuppe und 50 Gramm Brot. Nach dem Frühstück wurde die Einteilung zur Arbeit vorgenommen. Es gab verschiedene Arbeitskommandos. Es wurde schwer gearbeitet an den Bahnhöfen oder an der Schiffsstation, in sonstigen Lagern und Warenhäusern wurde ein- und ausgeladen. Von 6 Uhr früh bis 6 Uhr abends wurde durchgearbeitet. Mittagessen gab es oft keines. Um 18 Uhr wurde in das Lager abmarschiert, und es ist oft vorgekommen, daß manche Männer von den überschweren Anstrengungen und der unzureichenden schlechten Verpflegung auf dem Heimweg zusammenbrachen.

Die Opfer wurden mit Fußtritten, Kolbenhieben und Gummiknüppeln aufgetrieben. Konnten sie nicht aufstehen, so mußten sie von den anderen mitgeschleift werden, die nur mit viel Mühe kaum ihren eigenen matten Körper vorwärts brachten. Während des ganzen Tages gab es zwar vereinzelt auch bei dieser schweren Arbeit Prügel, jedoch bangte allen schon auf dem Heimweg vor dem Augenblick, wo die Unterkunft betreten werden mußte. Die ausgeruhte Wachmannschaft wartete oft nur darauf, sich gleich in Prügeleien und Mißhandlungen zu ergehen. Schon am Toreingang wurde in die müden Haufen der einmarschierenden Kolonne dreingeschlagen. Im Vorübergehen auf die Zimmer wurde Abendessen empfangen. Es gab wieder nur Wassersuppe und 50 Gramm Brot. Nach dem Abendessen gab es keinen offiziellen Dienst mehr. Die Menschen kauerten auf ihren "Betten", schlafen konnten nur ganz wenige, weil die Wachen andauernd hereinkamen, verschiedene mit Namen vorriefen und sie vor allen anderen schändlich mißhandelten. Auch ist es oft vorgekommen, daß Schlafende geprügelt wurden, ohne sie vorher zu wecken oder ihnen einen Grund dieser Prügelei mitzuteilen.

In den Abendstunden waren die Wachmannschaften an den meisten Tagen betrunken und führten oft zwei bis drei Anwesenheitsappelle durch. Die Leute mußten antreten. Die Anwesenheit der einzelnen wurde mit einem Schlag oder Stoß auf die Brust festgestellt. Oft kam es vor, daß während der ganzen Nacht bekannte Leute in die Wachstube geholt wurden und stundenlang Prügel bekamen. Die serbische Zivilbevölkerung hatte zum Lager freien Zutritt und auch vollkommene Handlungsfreiheit. Jeder konnte sich an diesen willkürlich zusammengetriebenen, wahllos zusammengewürfelten Menschen aus den verschiedensten Ortschaften des Banats satt raufen und austoben. Gegen Ende des Jahres 1945 brachte man die noch am Leben gebliebenen deutschen Kinder und alten Leute aus Groß-Betschkerek und Umgebung in das große Konzentrationslager nach Rudolfsgnad an der Theiß.

Am 22. Mai 1947 wurde dann das Konzentrationslager von Groß-Betschkerek, in welchem ohnedies nur mehr wenige arbeitsfähige Leute übrig geblieben waren, gänzlich aufgelöst. Die Überlebenden brachte man zuerst ins Lager nach St. Georgen und von dort auf Zwangsarbeiten in die serbischen Kohlengruben und auf Kolchoswirtschaften. In Groß-Betschkerek selbst aber wohnt jetzt kein Deutscher mehr in seinem Hans. In den Häusern der Deutschen sitzen jetzt slawische Kolonisten, welche man nach der Vernichtung der Deutschen aus anderen Gegenden hingebracht hat, sowie die Angehörigen derjenigen Partisanen, welche die deutschen Eigentümer auf die oben geschilderte Art erschlagen, erschossen, abgeschlachtet oder auf andere Art aus der Welt geschafft haben".

Der ehemalige Oberlandesgerichtspräsident und Abgeordnete im Belgrader Parlament, Dr. Wilhelm Neuner, berichtet:
"Diese kommunistischen Partisanen haben schon gleich am ersten Tag ihrer Militärdiktatur im ganzen Land Massenerschießungen von Deutschen durchgeführt. In der Hauptstadt Groß-Betschkerek, wo gegen 12.000 Deutsche lebten, ging dies so vor sich, daß sie zuerst den westlichen Stadtteil, wo hauptsächlich die deutschen Bauern wohnten, umstellten. Sie drangen in jedes Haus und liquidierten alle Männer. Nur verhältnismäßig wenige Männer blieben damals verschont. Auch ich war zur Liquidierung geführt worden. Nur durch einen glücklichen Zufall kam ich mit dem Leben davon. Jedoch mein Schwiegervater und fünf weitere Verwandte, alles Landwirte, wurden ahnungslos von der Arbeit weggetrieben und mit allen übrigen erschossen. Im ganzen Banat betrug die Zahl der deutschen Zivilpersonen, die in jenen ersten Tagen der kommunistischen Diktatur erschossen wurden, gegen 10.000.

Wieder einmal war die Ermordung von 70 Deutschen befohlen worden. Der größte Teil der volksdeutschen Männer war jedoch schon frühzeitig aus dem Lager als Arbeitssklaven für den betreffenden Tag verkauft worden. Der Lagerkommandant hat daraufhin die auf die Zahl 70 fehlenden 26 volksdeutschen Männer in der Weise ergänzt, daß er aus der Abteilung Kriegsgefangene reichsdeutsche Wehrmachtsangehörige nahm und sie an die Stelle der volksdeutschen Zivilpersonen erschießen ließ. Ein Österreicher, der noch heute in der Steiermark lebt, hat den Kommandanten ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, daß es sich hierbei um Kriegsgefangene und österreichische bzw. deutsche Staatsbürger handelte. Die einzige Reaktion des Lagerhäuptlings war: Svaba je Svaba - Deutscher ist Deutscher! - Die Banditen ließen sich ihre Mordlust was kosten: "Kundmachung: Für Verbrechen und Untaten, begangen an unserem Volk, wurden erschossen - es folgten 31 Namen, der Älteste 58, der jüngste 17 Jahre alt -. Alle oben Angeführten haben in der durch ihre Verbrechen berüchtigten Division "Prinz Eugen" gedient. Tod dem Faschismus - Freiheit dem Volke, 13. Oktober 1944".

Hans Diwald aus Betschkerek berichtet:
"Am 10. Oktober wurde der zumeist von Deutschen bewohnte Teil der Stadt, das sogenannte Deutsche Viertel, von den bewaffneten Partisanen blockiert. Das Deutsche Viertel wurde gleichzeitig durchkämmt, wobei man die deutschen Männer, die man in ihren Wohnungen antraf, herausholte. Sie wurden gefesselt, in Gruppen zusammengebunden und unter starker Bewachung in die ehemalige Honved-Kaserne geführt. Streifenwachen fingen auch Ungarn und deutsche Frauen zusammen und brachten sie in die Kaserne. Die Ungarn und die Frauen wurden nach einigen Stunden wieder freigelassen. Die deutschen Männer aber, die man eingefangen hatte, wurden noch am selben Tage erschossen. Unter den verhafteten Männern befanden sich auch 15- bis 17jährige, aber auch 13- bis 14jährige Jungen. An diesem Tage wurden etwa 250 Männer erschossen.

Am 12. Oktober 1944 wurde das Deutsche Viertel wieder blockiert und die zu Hause Erreichbaren zusammengefahren; auch ich wurde diesmal schon um 5 Uhr morgens vorgenommen, da die Partisanen festgestellt hatten, daß damals am 10. Oktober, als die Blockierung erst um 8 Uhr durchgeführt wurde, sehr viele Deutsche sich nicht mehr in ihren Wohnungen aufhielten, sondern zur Arbeit oder aus anderen Gründen bereits in die Stadt, auf das Feld oder in die Umgebung gegangen waren. Bei der Blockierung am 12. Oktober erwischte man fast alle Deutschen. Alle deutschen Männer, die die Partisanen am 12. Oktober antrafen, wurden in das sogenannte Konzentrationslager, ein ehemaliges Polizeigefängnis, das einst auch eine Mühle war, gesperrt. In dieses Konzentrationslager wurde auch ich gebracht.

In den folgen Tagen brachte man täglich neue verhaftete Männer in dieses Lager. Man fing die Männer zusammen, wo man sie antraf oder holte sie auch aus den Häusern. So wurden nach und nach täglich Deutsche ins Lager eingeliefert. Im November waren schon alle deutschen Männer im Lager. Die Frauen, besonders die deutschen Frauen, wurden von den Russen in vielen Fällen überfallen und vergewaltigt. Die Vergewaltigungen wurden immer häufiger. Die Serben schickten die russischen Soldaten in die deutschen Häuser, wo Frauen wohnten. Ein Kamerad, ein 16jähriger Junge namens Otto Tarillion, erzählte mir, daß er zusehen mußte, wie man seine Mutter vergewaltigte. Er wurde mit schußbereiter Waffe bedroht.

Am 12. Oktober hatte man Deutsche aus der Umgebung, aus Rudolfsgnad, Perles, Sartscha, Modosch und Stefansfeld ins Lager nach Betschkerek gebracht. Ende der Woche, am Freitag oder Samstag, fanden dann meistens Erschießungen statt. Die erste Massenerschießung war am 10. Oktober. Es wurden damals 250 Männer erschossen. Die zweite Erschießung war am 20. Oktober, an diesem Tage wurden ungefähr 200 Personen erschossen. Bei der dritten, am 23. Oktober, 30 Personen und bei der vierten, am 28. Oktober, 152 Personen.

Vor der Erschießung am 23. Oktober wurde gesagt, Advokaten und Professoren sollten sich melden. Da sich nicht genug meldeten, drohten die Partisanen, jeden zehnten Mann zu erschießen. Es meldeten sich dann 23 Personen, darunter auch Kaufleute und Beamte. (Hans Diwald zählt dann die Namen von einem Dutzend Erschießungsopfer auf, die er persönlich gekannt hatte, darunter 13- bis 17jährige Schüler, Handwerker sowie ein Gastwirt und ein Schuldiener. Am 19. Oktober in der Früh, 7 Uhr, mußte ich mit mehreren Kameraden zur Schießstätte in den Wald hinaus. Wir wurden angewiesen, ein Massengrab auszugraben. Als wir an die Stelle geführt wurden, dachten wir, wir werden erschossen. Es handelte sich aber um das Grab der 200, die am 20. Oktober erschossen wurden.

Im Lager wurden wir um zwei oder halb drei Uhr geweckt. Wir mußten Frühsport machen. Wir wurden durch das Lager getrieben, und bei jeder Biegung bekamen wir Schläge, auch beim Essen und bei der Arbeit. Gearbeitet wurde beim Brückenbau und bei den Silos. Dort mußten wir für die russischen Truppen Lebensmittel verladen. Die Partisanen, die uns bewachten, waren Jungen im Alter von 17 bis 20 Jahren. Dieselben nahmen auch die Erschießungen vor. Aber auch Partisanen-Frauen (junge Mädchen) halfen bei den Erschießungen. Nach dem 20. Oktober hatten die Partisanen auch Kranke erschossen. Bei dem Eingraben der Erschossenen mußten auch Italiener mithelfen. Ein Italiener erzählte mir, daß man die Leute oft auch lebend, schwer verwundet, in die Löcher geworfen hat. Er selbst hörte, wie sie noch stöhnten, als man Erde auf sie warf.

Im Lager gab es zweimal täglich Essen. In der Früh gab es Einbrennsuppe, abends Erbsensuppe. Brot gab es eine kleine Schnitte morgens und abends. Im November 1944 wurden alle Deutschen ins Lager gesperrt. Arbeitslager waren in Lazarfeld, Kathreinfeld, Klek, Ernsthausen. Vor dem Einmarsch der Russen hatte Betschkerek ungefähr 15.000 Deutsche, davon sind ungefähr 8.000 geflüchtet.

Ich war bis Ende Februar oder Anfang März 1945 im Lager. Dann kam ich in das Spital, wo ich zur Arbeit zugeteilt wurde. Es ging mir dort viel besser. Ich hatte bessere Kost, mußte unter Bewachung arbeiten. Ende Mai kam ich wieder ins Lager und von dort zu den Silos. Von den Silos ging ich dann durch. Das war am 7. September 1945. Ich flüchtete zuerst über die Grenze nach Rumänien. Ich arbeitete dort bei Bauern. Am 27. Dezember ging ich über Johannisfeld der Bega entlang nach Betschkerek (Petrovgrad) zurück. Ich hielt mich bei meinem Onkel (der ein Serbe ist) versteckt. Ende November 1944 wurden 49 Kranke aus dem Lager Betschkerek (Konzentrationslager Alte Mühle) unter dem Vorwand, daß sie zur Erholung geführt werden, nach Ernsthausen gebracht. Sie sind frühmorgens, unter strenger Bewachung abmarschiert und blieben auch nach ihrer Ankunft in Ernsthausen streng bewacht.

Der Kommandant war ein Serbe aus St. Georgen. Er erkannte den damals 19jährigen Georg Saal aus St. Georgen. Auf den Befehl des Kommandanten wurde Saal an einen Pfahl auf dem Düngerhaufen gebunden. Der Dünger wurde in Brand gesteckt, und Saal fand dort den Verbrennungstod. Die übrigen 48 aus Betschkerek gebrachten Häftlinge wurden mit Knüppeln, Messern und Beilen von den Partisanen erschlagen bzw. niedergemetzelt. Man sah später die Spuren der Metzelei im Gasthaus und auf der Straße. An den Wänden klebte das verspritzte Gehirn, und auf der Straße waren weithin die Blutspuren festzustellen. Diesen Vorfall schilderte mir ein Mädchen aus Ernsthausen namens Krämer, mit dem ich im September 1945 in Johannisfeld in Rumänien zusammengetroffen bin. Am 1. Januar 1946 ging ich von Betschkerek wieder nach Rumänien. Von dort nach Ungarn am 10. Januar. In Wien traf ich am 17. Januar ein".

Michael Kristof, Mittelschullehrer aus Betschkerek berichtet:
"Nach Betschkerek zogen die Russen am Montag, dem 2. Oktober, ein. Mit ihnen kamen auch schon die Tito-Partisanen. Das Verhalten der Russen war im großen und ganzen erträglich. Sie requirierten zwar, was ihnen paßte, beschränkten sich aber sonst hauptsächlich auf Vergewaltigungen von Frauen. In der Stadt Betschkerek wurden am 5. Oktober erstmals Deutsche von den Partisanen ins Lager gesteckt. Zuerst kamen die Deutschen aus der Stadt Betschkerek an die Reihe, allmählich wurden auch Gruppen von den umliegenden deutschen Ortschaften verlangt.

Die Stärke der von den einzelnen Ortschaften ins Zentrallager Betschkerek verschickten Gruppen hing allein von dem guten oder bösen Willen der den Ort besetzt haltenden Serben oder Partisanen ab. So verlangte der Lagerkommandant von Betschkerek von Lazarfeld 60 Männer. Der Ortskommandant, ein einheimischer Serbe, hatte den Mut, immer nur die Hälfte zu schicken, womit der Lagerkommandant auch zufrieden war. Von diesen 30 sind, wie später berichtet, 14 erschossen worden. Die nicht an das Lager ausgelieferten Deutschen verblieben zunächst in ihrer Ortschaft, dann ging wieder eine Gruppe ins Lager. Ein Teil ging zu Weihnachten über das Lager Betschkerek nach Rußland. Alle übrigen kamen erst ins Lager im April 1945, als die gesamte Bevölkerung in die Lager gesteckt wurde.

In der Nacht begann im Lager das Schlimmste, das Verhör und die Auswahl zum Erschießen. Erschossen wurden anfangs jene, die entweder gut gekleidet, körperlich besonders stark oder aber durch Krankheit und Schwäche arbeitsunfähig geworden waren. Auch wurde nicht ein Verschulden festgestellt, sondern man ließ die Leute antreten und holte dann die entsprechende Zahl, die anscheinend planmäßig vorher festgesetzt war, heraus. Die Ausgewählten wurden dann in einen separaten Raum geführt; dort mußten sie sich entkleiden und wurden dann, mit Draht gebunden zu je Vieren, auf die Schießstätte, den alten militärischen Schießplatz von Betschkerek geführt, wo sie dann erschossen wurden. Da die Partisanen ja keinen Beruf oder sonstwie näher kannten, aber hauptsächlich die Intelligenz vernichten wollten, wendeten sie verschiedene Kniffe an. Unter anderem wurde gefragt: Wer ist Doktor, Arzt, Apotheker, Kaufmann, Lehrer usw. 7 Leute aus diesen Berufen sollten sich für leichte Arbeit melden, da sie sehen, daß die schwere Arbeit für sie nichts wäre; sie bekämen dann leichte Arbeit. Diesem Trick fielen viele zum Opfer.

Festgehalten wurden die Erschießungen aber in demselben Protokoll, in das alle Lagerinsassen bei ihrer Aufnahme eingetragen wurden, und in das im Todesfalle der Vermerk "gestorben" hinter den Namen gesetzt wurde mit dem Datum. Die Lagerkanzlei wurde von deutschen Lagerinsassen unter Anweisung von Partisanen geführt, und diese Deutschen machten auch die Eintragungen in das Protokollbuch. Ich selbst war nur eine Woche, Mitte Februar 1945, in der Lagerkanzlei, dann hat mich der Politkommissar, ein Partisane, wieder herausgesetzt. In dieser Woche habe ich die Protokoll-Liste durchgeblättert, da ich feststellen wollte, wo der oder jener von meinen Bekannten ist, ob er noch lebte oder auf einen anderen Platz geschickt wurde, oder erschossen oder gestorben war. Meine eigene Nummer in dieser Protokoll-Liste war 3214. Bei diesem Einblick in das Protokollbuch konnte ich auch feststellen, daß diejenigen, die mir gut bekannt waren und von denen mir erzählt worden war, daß sie erschossen worden wären, tatsächlich als "gestorben, am..." in der Liste eingetragen waren.

Beim Einblick in die Protokoll-Liste stellte ich fest, daß sehr viele Leute als "gestorben" eingetragen waren, da eben auch alle Erschossenen als "gestorben" eingetragen waren. Am 28. Oktober 1944 beispielsweise sind 150 Deutsche erschossen und in dem Hauptbuch als "gestorben" eingetragen worden. An anderen Tagen erfolgten Erschießungen in kleineren Gruppen, beispielsweise 30 Personen. Diese Erschießungen wurden immer als "Vergeltungen" gerechtfertigt. Wir mußten täglich einmal, manchmal auch öfter, auf dem Hof in Dreierreihen antreten. Den Grund wußten wir nie vorher. Manchmal handelte es sich um eine Verschickung in einen anderen Ort auf Arbeit oder sonst irgendeine Absicht der Partisanen. Bei solchem Antreten sind dann auch Leute zum Erschießen ausgewählt worden, dies wurde uns dann als "Vergeltung" erklärt.

Durch Aussprache mit Leuten in den anderen Lagern habe ich später feststellen können, daß diese Erschießungen auch in anderen Lagern fast zur selben Zeit und auf dieselbe Weise erfolgten, was auf eine zentrale Leitung des ganzen Vorgehens gegen die Deutschen schließen läßt. Am 10. Oktober 1944, Dienstag, wurde das Deutsche Viertel von Betschkerek von Partisanen umstellt. Partisanentrupps gingen von Haus zu Haus, durchsuchten und verlangten von jedem die Legitimation. Diese in deutscher und serbischer Sprache ausgestellte Legitimation, die jeder haben mußte, und in der auch die Nationalität des einzelnen eingetragen war, war während der deutschen Besatzungszeit ausgestellt worden.

Alle deutschen Männer, die noch nicht im Lage waren, und die man zu Hause antraf, wurden zusammengeführt und in einer Seitengasse des Marktplatzes (Negoseva ulica) mit Maschinengewehren niedergemäht. Wie mir ein Augenzeuge, mit dem ich seit Jahren befreundet war und der durch Intervention von Serben gerettet wurde, berichtete, mußten sie sich am Oberkörper entkleiden, niederknien und wurden auf solche Art erschossen. Die Behandlung im Lager war im allgemeinen die folgende: Die Aufnahme erfolgte zumeist durch heftige Fußtritte, Ohrfeigen oder Körperhiebe. Selten kam einer ohne das davon. Dann wurde er seiner Habseligkeiten beraubt, und man ließ ihm nur das Notwendigste an Wäsche. Hatte er gutes Fußzeug oder Kleidung, so wurde es ihm entweder gleich abgenommen oder es wurde sein Verhängnis. Wenn einer nämlich durch bessere Kleidung auffiel, dann bedeutete das, er sei ein Reicher oder Kapitalist, den man beseitigen mußte, schon um sich seiner Habseligkeiten zu bemächtigen. Nach der Aufnahme erfolgte die Einweisung in irgendeines der Zimmer.

Das Zentrallager Betschkerek war eine abgebrannte Mühle, zwei Stock hoch. Ein zweites Lager wurde errichtet, als im November ein großer Teil der Zivilbevölkerung, nun auch schon Frauen, ins Lager kam. In den drei großen Maschinenräumen der Mühle (Lager I) befanden sich die deutschen Lagerleute eng zusammengepfercht in zweistöckigen Pritschen übereinander rechts und links gelagert. In jedem Raum waren ca. 300 Männer untergebracht, so daß durchschnittlich bis 2.000 immer im Lager waren. In den kleineren Räumen der Mühle waren die Frauen und die Jungen untergebracht, die sogenannte Ambulanz, Küche, Magazin und Kanzlei, ferner das Zimmer für die privilegierten Lagerleute, die in Küche, Kanzlei oder sonstwo im Lager arbeiteten.

In der Nacht durfte niemand heraus. Da viele schon Durchfall hatten, waren in jedem Maschinensaal zwei große Fässer aufgestellt, und zwei mußten aufpassen, damit keine Verunreinigung erfolgte. Einmal geschah es, daß die Leute besonders Durchfall hatten, daß die Fässer überliefen, und die zwei Aufpasser mußten dann in der Früh die Flüssigkeit aufschlecken, weil sie die Fässer überlaufen hatten lassen. In der Nacht, wenn die Leute erschöpft und müde von der Arbeit kamen, begann die Ungewißheit, ob man die Nacht überleben werde, denn die Verhöre, Folterungen, Prügeleien erfolgten immer nachts. Deshalb gingen die Leute trotz ihrer körperlichen Schwäche in der Frühe immer leichten Mutes auf die Arbeit, um aus dem "Narrenhaus" wie sie sagten, herauszukommen. Mit bangen Gefühlen kehrten sie jedoch immer am Abend wieder zurück.

Beim Auf- und Abgang von den Stockwerken in den Hof standen auf den Treppen Partisanen mit Ochsenziemern und hauten unbarmherzig in die Leute hinein. Die Leute nannten das "die normalen Gebühren". Erschießungen erfolgten oft aus geringfügigem Anlaß. Zur Illustration sei folgender Fall angeführt: Ein Handwerker aus Betschkerek, der in der Stadt privat arbeiten mußte, kam gewöhnlich später von seinem Arbeitsplatz zurück, wenn seine Kameraden bereits schliefen. Um diese im Schlaf nicht zu stören, benützte er einmal ein Zündholz, um seinen Platz auf der oberen Pritsche zu finden. Dies bemerkte ein Partisan auf der Gasse unten, kam herauf ins Zimmer und fragte, wer ein Zündholz angezündet habe. Als der Handwerker sich ahnungslos meldete, mußte er herabsteigen, sich auf den Bauch legen und erhielt einen Genickschuß im Zimmer. Das habe ich selbst gesehen, weil ich in diesem Zimmer war".

Michael Kristof protokollierte am 2.1.1951 in München die Aussage eines Bekannten aus Groß-Betschkerek, der seinen Namen nicht veröffentlicht haben wollte:
"Ich bin aus Groß-Betschkerek, Banat, Jugoslawien, kam am 4.10.1944 in das Zentrallager in Groß-Betschkerek. Damals waren wir nur noch wenige Männer im Lager. Ich kam in das Zimmer Nr. 3. Nachmittags mußte ich Pferdemist mit den Händen aufklauben und Pferde reinigen. In der Nacht vom 4./5.10.1944 wurde ich geweckt, in den Hof gerufen, mit dem Gesicht ganz eng an die Wand mich drücken müssen, wurde geprügelt, der Kopf an die Wand geschlagen, so daß mein Nasenknochen gebrochen ist.

Etwas später brachten sie noch zwei Kameraden, Anton Hufnagel, den Namen des anderen möchte ich aus gewissen Gründen derzeit noch nicht nennen. Anton Hufnagel war schon derart zugerichtet, daß er in den Hof heruntergeführt werden mußte. Er hatte auch kein klares Bewußtsein mehr, denn er wiederholte alle Schimpfworte, die von Partisanen an seine Adresse gerichtet waren, und wurde deshalb immer wieder mit dem Gewehrkolben geschlagen. Nachdem wir so geprügelt und gequält wurden, sind wir zur Polizei in die Stadt überführt worden, in einem Bauernwagen. Dort trafen wir andere bekannte deutsche Männer aus der Stadt.

Hufnagel Anton wurde aber gleich in jenes Zimmer überführt, in dem die Mißhandlungen stattgefunden haben, bei Radio, Harmonikaspiel und Geigenspiel, damit das Schreien nicht von außen vernommen werden kann. Nach kurzer Zeit wurde ich hereingeholt. Ich fand Hufnagel regungslos am Boden liegen. Jetzt mußte ich mich ganz nackt ausziehen. Die Füße wurden mir zusammengebunden und die Hände auf dem Rücken befestigt. So mußte ich mich auf einen Stuhl stellen und wurde von Partisanen mit Ochsenriemen so lange gehauen, bis ich ohnmächtig zusammengefallen bin. Das Fleisch hing in Fetzen von mir, sie überschütteten mich mit einem Eimer kalten Wasser. Als ich wieder zum Bewußtsein kam, mußte ich mich abermals auf den Stuhl stellen. (Zuerst kniete ich mich auf den Stuhl und nachher versuchte ich mich aufzustellen, da mir die Füße immer noch gebunden waren.)

Die Prügelei wurde weiter fortgesetzt, bis ich wieder ohnmächtig zusammengefallen bin. Es wurde wieder kaltes Wasser über mich geschüttet, meine Wunden mit Salz eingerieben, und so blieb ich liegen in meinen Schmerzen. Jetzt kam der dritte Kamerad herein, an dem dieselbe Tortur wiederholt wurde wie vorher an mir. Während dieser geprügelt wurde, wurden mir die Haare von der Brust und zwischen den Beinen mit einem brennenden Benzinlappen abgebrannt und die brennenden Benzinlappen auf die Brust und zwischen die Beine geworfen. In meiner Ohnmacht habe ich auf einmal brennende Schmerzen verspürt und sah die Benzinlappen auf mir, wälzte mich auf die Seite, so daß der brennende Benzinlappen von der Brust auf den Arm fiel und mir den linken Arm verbrannte.

Anion Hufnagel ist in der Zwischenzeit mit Gewehrkolben totgeschlagen worden. In meinen Wunden haben sich später Würmer gebildet, die wir Monate hindurch durch Einreibung mit Urin heilten, auch in Rußland noch, bloß aus dem Grunde, weil wir es nicht wagten, uns krank zu melden; denn das hätte Erschießung bedeutet. Diese Quälerei dauerte etwa zwei bis drei Stunden. Nachher wurden wir freigemacht an Händen und Füßen, mußten uns ankleiden, wurden dann wieder an Händen und Füßen gebunden, aber so, daß uns die Füße rückwärts bis zu den Händen hinaufgezogen wurden und Hände und Füße zusammengebunden wurden mit einer Schnur, und so lagen wir ca. 18 Stunden lang bis Mitternacht mit offenen Wunden, die mit Salz eingerieben waren, ohne uns bewegen und rühren zu können mit den furchtbarsten Schmerzen.

Um Mitternacht wurden die Füße freigemacht und wir alle drei (ich, Th. und B.) ohne Anton Hufnagel, der bereits tot war, hinausgeführt, mußten auf einen Wagen klettern mit gebundenen Händen und wurden in den Gerichtshof zur OZNA (Geheimpolizei) überführt. Wir wurden, hier angekommen, alle drei in eine Zelle geschmissen. Wir wurden nachts über verhört und verprügelt, Wochen hindurch. Zu essen gab es zwei Bissen Brot und Wasser täglich. Auch wurden wir wöchentlich einmal rasiert, aber so, daß es kein Vergnügen war. Nach drei Wochen wurden wir alle drei, da man uns nichts Strafbares nachweisen konnte, in das Zentrallager zurückgeführt.

In der OZNA waren wir Zeugen (d.h. wir konnten durch das Fenster sehen), wie eine Frau namens Zita von den Partisanen mißhandelt wurde. Wir sahen, wie sie nackt auf einem Tische tanzen mußte, sich dann auf den Tisch legen, die Beine auseinanderstrecken und ihr der Lauf eines Revolvers in die Scheide gedrückt wurde, dann aufstehen mußte. Sie ist auch erschossen worden. Ebenso sahen wir durch das Fenster, wie einem jungen Mann von etwa 28 Jahren, den wir ebenfalls nicht kannten, lebend das männliche Glied abgeschnitten und in den Mund gesteckt wurde. Das weitere Schicksal dieses jungen Mannes ist uns nicht bekannt. Nach Rückführung in das Lager wurden wir wiederum geprügelt und verhört, und man drohte uns ständig mit Erschießen. Ich kam in eine Einzelzelle, in der bereits drei Männer bewußtlos lagen. Mir wurden von dem Kommandanten mit einem Revolver die Zähne eingeschlagen, die ich schlucken mußte, das Gesicht mit Revolverlauf verletzt, die Narben sind noch heute vorhanden. Eines nachts wurden wir Männer 12 Stunden lang hindurch in eine so kleine Zelle eingesperrt, daß sich keiner rühren und bewegen konnte, und wir infolge Luftmangels umzufallen drohten, konnten nicht einmal zusammenknicken, viel weniger umfallen, so eng waren wir aneinandergepreßt.

Nach dieser Nacht wurden wir dann in mehrere Zellen aufgeteilt. Nach sechs Tagen wurden wir in eine Stube mit ca. 30 Mann gesperrt, mit einem Stückchen Brot und Wasser, konnten das Zimmer nicht verlassen. Unsere Not mußten wir in Fässer verrichten.

Nach acht Tagen wurden wir auf Arbeit getrieben. Um 4 Uhr früh mußten wir aufstehen, erhielten eine warme Suppe, jetzt schon eine größere Scheibe Brot, und erhielten erst wiederum ein Stück Brot und warme Suppe, wenn wir abends von der Arbeit zurückkamen. Während dieser drei Wochen, wo ich mit den drei Kameraden bei OZNA im Gerichtshof war, drei Wochen hindurch und auch nachher im Zentrallager eingesperrt war in den Zellen, sind viele Männer erschossen worden. Ich ging am 28. Dezember 1944 mit einem größeren Transport (etwa 1.800), wovon der größte Teil deutsche Mädchen und Frauen waren, nach Rußland. Männer waren nicht mehr in diesem Transport als 300. In Rußland arbeitete ich meistens in Kohlengruben bis zur Entlassung 1949."

Ernsthausen
Wie in zahlreichen anderen Orten Jugoslawiens, war im Herbst 1944 nach Einstellung der Kriegshandlungen von den neuen jugoslawischen Behörden auch in der früher gegen 3.000 Einwohner zählenden deutschen Ortschaft Emsthausen im Banat ein Konzentrationslager errichtet worden. In diesem Lager wurden meist Deutsche aus dem Verwaltungsbezirk Betschkerek gebracht. Es befanden sich hier mehrere Tausend Menschen. In der Mehrheit waren es Frauen und kleine Kinder. Ungeheuer viele von ihnen sind infolge der schlechten Behandlung in diesem Lager gestorben. Ganz besonders groß aber war hier auch die Zahl derer, die von den Partisanen erschlagen, erschossen, abgeschlachtet oder auf andere grausame Art umgebracht worden sind.

Besonders blutig war hier eine Dezembernacht, in der die Massakrierung von 38 unschuldigen deutschen Zivilisten beiderlei Geschlechts den Gipfelpunkt einer Partisanenfestlichkeit bildete. Zwei Tage vor diesem Fest, am 27. Dezember 1944, wurden aus dem Konzentrationslager Betschkerek 39 deutsche Männer und Frauen - es waren dies meist ältere oder kränkliche Leute - mit Wagen hierher geschickt. Sogleich als diese Menschensendung eintraf, befahl der dortige Militärkommandant, daß diese Leute nicht wie gewöhnlich ins Lager zu den anderen Deutschen zu kommen hätten, sondern in einem Zimmer des einstigen Gasthauses Georg Schlitter einzusperren seien und mit niemand in Berührung kommen dürften. Nur einem einzigen von diesen Leuten, dem früheren Kaufmann Schag Ladislaus aus Emsthausen, dem Vater eines jungen Mädchens, das schon längere Zeit bei dem Kommandanten arbeitete, wurde auf deren Bitten gestattet, die Gruppe zu verlassen. Er wurde aus dem Gasthaus in das Konzentrationslager zu den übrigen Deutschen überstellt. Die übrigen befanden sich zwei Tage von aller Welt abgeschlossen und ohne Nahrung in dem erwähnten Gasthausraum eingesperrt.

Am Nachmittag des 29. Dezember mußte einer der Männer in die Nachbarhäuser des Gasthauses gehen und von dort scharfe Holzhacken und Beile holen und ins Gasthaus bringen. In den großen Saal des Gasthofes wurde ein großer Tisch gestellt und Holzhacken und Beile daraufgelegt. Am Abend selbst fand in dem Gasthause eine Unterhaltung der Partisanen und des jugoslawischen Militärs statt. Sie zechten, machten Musik und unterhielten sich auf ihre Art in den Wirtshausräumlichkeiten neben den ahnungslos wartenden eingesperrten deutschen Zivilisten. Als die Partisanen schon in Stimmung gekommen waren, holten sie alle diese Deutschen, 34 Männer und 4 Frauen, der Reihe nach hervor und führten sie in den Saal mit den vorbereiteten Mordgeräten. Lange Messer, Holzhacken und ähnliche Geräte lagen auf dem Tisch. Mit diesen Werkzeugen schlachteten sie einen Deutschen nach dem anderen, Frauen und Männer, als wären es Schweine, in Anwesenheit und vor den Augen vieler anderer Menschen. Sie trieben vorher noch allerlei Spott und Schabernack mit diesen ihren Opfern. Manche von ihnen nötigten sie noch ein Glas Wein zu trinken, um ihnen im Momente, wo sie das Glas an den Mund führten, mit einem langen Messer die Gurgel durchzuschneiden. Sie schnitten den einzelnen Frauen und Männern mit den Messern und Holzhacken Fleischteile von dem Körper, hackten ihnen Hände oder Finger ab, oder trennten den Kopf vom Leibe oder massakrierten sie auf andere Art. Die Körper der Deutschen wurden fürchterlich verstümmelt. Solchen, die lange nicht sterben konnten, schlugen sie schließlich mit Holzhacken den Schädel ein. Dabei spielte die Musik. Bis zum Morgen dauerte dieses Fest, in dessen Verlauf alle 38 Frauen und Männer liquidien wurden. Unter diesen Opfern aber befanden sich viele angesehene und intelligente deutsche Menschen.

Als das Fest vorüber war, wurde der Knecht eines benachbarten Bauernhauses mit einem Wagen in das Gasthaus bestellt und Männer aus dem Konzentrationslager gerufen. Sie mußten die verstümmelten Leichen und die von ihren Körpern getrennten größeren Gliedmaßen mit Schaufeln auf Wagen werfen und in Begleitung von Partisanen auf den Friedhof fahren. Sonst sind in Lagern liquidierte Deutsche nie auf Friedhöfen begraben, sondern nur irgendwo anders an abgelegenen Orten eingescharrt worden. Auch diese massakrierten Toten wollten die Partisanen in der Nähe eingraben lassen. Es war damals aber sehr kalt und die Erde hart gefroren, so daß sich, obwohl man es versuchte, in der Nähe schwer schnell genug ein entsprechend großes Loch graben ließ. Diese Toten mußten daher ausnahmsweise in den Friedhof geschafft werden. Dort wurde eine große Gruft, die sich eine gewisse Familie Solowich knapp vor dem Kriege hatte erbauen lassen, auf Befehl der Partisanen geöffnet. Herbeigeholte Lagerleute wurden gezwungen, die Körper- und Fleischteile ihrer massakrierten Leidensgenossen in diese Gruft hineinzuwerfen. Die Gruft wurde daraufhin nur oberflächlich geschlossen, so daß sich dann später, als es im Frühjahr wärmer wurde, in der ganzen Umgebung ein übler Fäulnisgeruch verbreitete. Dies wurde den neuen jugoslawischen Behörden unangenehm. Sie ließen daher abermals deutsche Männer aus dem Konzentrationslager kommen, die unter der Leitung des Baumeisters Johann Merschbacher aus Betschkerek die Gruft fachgemäß zumauern mußten. Alle Deutschen aber, die bei dem Verbergen dieser Toten mithelfen mußten, wurden von den Organen der jugoslawischen Behörden mit dem Tode bedroht, wenn sie irgend etwas davon in die Öffentlichkeit bringen sollten.

Auf dem Wege zum Friedhof fielen ab und zu Körperteile von dem Wagen, so daß man bald eine Hand, bald ein Auge, bald ein Ohr, einen Fuß oder sonstwas fand. Im Saale selbst war eine große Blutlache und viele kleine Fleischteile zurückgeblieben. Diese und die vom Wagen unterwegs heruntergefallenen wurden, als es schon Tag geworden war, auf einen Haufen zusammengekehrt. Im Hof des Hauses Wilhelm Till wurde ein großes Feuer gemacht und das zusammengesammelte Menschenfleisch darin verbrannt. Die Menschenschlächterei scheint bis vier Uhr morgens gedauert zu haben, denn um diese Zeit gingen die überaus mit Blut beschmierten Mörder in ein Nachbarhaus, ließen sich dort warmes Wasser geben und wuschen sich die Blutflecken von den Händen, vom Gesicht und von den Stiefeln. Dann ließen sie sich noch ein kräftiges Frühstück geben und begaben sich nach Hause.

In dem Konzentrationslager Ernsthausen wurden auch bei anderen Gelegenheiten von den behördlichen Organen zahlreiche andere deutsche Frauen und Männer, zumeist die wohlhabenderen und intelligenteren Leute, auf ähnlich grausame Art einzeln oder in Gruppen ganz grundlos und ohne Verfahren umgebracht. Manchen schnitt man mit Messern die Gurgel durch. Andere wurden von den Partisanen in deren Kaserne so lange mißhandelt, bis sie tot waren. Kirchner Elisabeth, ein auffallend schönes deutsches Mädchen, wurde eines Abends nach der Rückkehr von der Zwangsarbeit von den Partisanen in ihre Kaserne gebracht und ist nicht mehr aus derselben zurückgekehrt. Ihr Leichnam ist einige Zeit danach von den Partisanen neben dem Schulgarten eingegraben worden.

St. Georgen
Noch im November 1944 wurde durch Trommelschlag bekanntgegeben, daß sich in einer halben Stunde alle Deutschen in der Schule einzufinden haben.

Darüber berichtet eine geflüchtete Frau:
"Ich ging mit meinen drei Kindern - Elfriede war erst 5 Monate alt - und als ich hinkam, waren die Schulräume und der Schulhof schon voll mit Menschen. In der Schule wurden die einzelnen Zimmer so voneinander abgesondert, daß man in einem Zimmer nicht wußte, was in den anderen vor sich ging. Nach all dem, was man bisher aus anderen Orten gehört hatte, hat sich jeder seinen Tod anders vorgestellt. So waren wir sieben Tage lang eingesperrt. Während dieser Zeit wurden unsere Häuser ausgeplündert. Wir hörten später, daß auch in anderen Orten ähnliche Maßnahmen ergriffen wurden. Man war dort meist schlimmer dran als wir. So wurden die Tschestereker zu Fuß nach Hatzfeld und wieder zurück nach Selesch getrieben. Dort blieben sie neun Tage. Dann durften sie wieder in ihre inzwischen ausgeplünderten Häuser zurück. Ungefähr vierzehn Tage nach Weihnachten kamen die Männer aus der Gendarmerie-Kaserne nach Betschkerek. Anschließend kam auch ich an die Reihe. Ich wurde verprügelt und eingesperrt, nach einiger Zeit aber wieder freigelassen. Im März 1945 kam ich in die Gendarmerie-Kaserne und war dort 9 Tage eingesperrt. Ich wurde so verprügelt, daß mir das Blut von den Füßen lief. Dann hat man mich von meinen drei kleinen Kindern gerissen und nach Cernje ins politische Lager gebracht. Dort war ich dann mit vielen Leidensgenossen und -genossinnen bis zu meiner Flucht im Herst 1945."

Von den aus St. Georgen verschleppten Personen kamen 32 nach Semlin, 180 nach Rußland, 60 nach Groß-Betschkerek, 53 nach Elisenheim und 14 nach Cernje. Am 17. April kamen alle Deutschen in St. Georgen in die Parkhäuser, die von da an als Lager galten. Viele jüngere Mädchen und Frauen kamen nach Mitrowitz, wo viele von ihnen starben.

Kathreinfeld
Kathreinfeld war früher eine rein deutsche Ortschaft, die durch den Fleiß und die fortschrittlichen Arbeitsmethoden der dortigen deutschen Landwirte zu einer der schönsten und wohlhabendsten Gemeinden des ganzen Banats geworden war.

Eine Krankenschwester schreibt in ihrem Tagebuch u.a. folgendes:
"Am 3. Oktober in der Früh um neun Uhr verließen die deutschen Truppen unser Dorf. Uns wurde gesagt, wir sollten schnell noch flüchten und uns in Sicherheit bringen. Man fügte aber hinzu, daß die Russen schon in der Nachbargemeinde seien. Mit alten Männern und jungen Buben wurde noch schnell eine Heimatschutzformation aufgestellt, deren Sinn und Aufgabe wir aber erst später erkannten. Sie mußten in unserer Nachbargemeinde den Russen Widerstand leisten und so den Abzug decken. Viele dieser jungen Buben mußten dabei noch ihr Leben lassen. Wir fügten uns in unser Schicksal und trösteten uns damit, niemals jemanden Leid angetan zu haben und daher auch nichts befürchten zu müssen.

In der Nachbargemeinde lebte meine Tochter mit drei kleinen Kindern. Mein Mann und ich beschlossen, daß er zur Tochter gehen und ich mit der 78jährigen Mutter daheim bleiben solle. Wir meinten, daß es so besser sein würde, wenn mein Mann bei der Tochter ist, denn um solche Zeiten kann man nie wissen, ob sie als junge Frau nicht doch den Schutz eines Mannes bedürfen wird. Er ist dann auch weggegangen und ließ mich mit der Großmutter allein. Noch am Abend desselben Tages haben dann auch die ersten Vorhuten der russischen Truppen Kathreinfeld erreicht. Sie schossen wie wild umher, obwohl die Straßen vollkommen leer waren und sich alles vor Angst in die hintersten Winkel der Häuser versteckt hatte. Ich selbst war auf den Dachboden des Schweinestalles gekrochen. Sie schlugen gegen die Türen und Fenster und wo ihnen nicht geöffnet wurde, brachen sie ein und nahmen mit, was ihnen gefiel. Schon in der ersten Nacht wurden viele Frauen und Mädchen vergewaltigt. Am nächsten Tag mußten Radiogeräte, Motorräder und alles Ähnliche abgeliefert werden. Für Nichtausführung dieses Befehls wurde sofortiges Erschießen angedroht. In Gruppen gingen sich Rotarmisten über die Ausführung dieses Befehles vergewissern und nahmen bei dieser Gelegenheit wieder mit, was ihnen zusagte; auch Frauen und Mädchen. Volle fünf Tage lang hielt dieses wilde Treiben an, bis dann am sechsten Tag Banater Serben in den Ort kamen und die Befugnisse der Ordnungsmacht auf ihre Art auszuüben sich anschickten.

Junge Kerle trugen Gewehre mit sich und schossen noch wilder herum als die Russen. Nachts brachen sie bald in dieses, bald in jenes Haus ein und wer sich wehrte, wurde niedergeschlagen. Wer den Bedrohten zu Hilfe eilen wollte, erlebte noch Schlimmeres. Nachts ging ich durch die Gärten in die Häuser, um Leuten erste Hilfe zu leisten, die wund oder oft auch halbtot geschlagen worden waren. Besonders schlimme Fälle meldete ich dem Arzt, der sie dann ebenso geheim wie ich behandelte, denn auch solche Hilfeleistungen waren strengstens verboten. Wenn es Nacht wurde, wußte niemand, ob er morgen noch leben werde. Größtenteils schliefen die Leute auch nicht daheim, sondern meist in den kleineren und ärmlicher aussehenden Häusern des Ortes. Dort hatten sich für jede Nacht oft 20 und mehr Personen versammelt, um gemeinsam die Nacht zu verbringen, um nicht allein im Hause zu sein, wenn das Haus überfallen wird. So hatten sich in unserem Nachbarhaus eines Nachts auch 25 Frauen und Mädchen zum Schlaf versammelt. Plötzlich merkten die Frauen, daß eine von ihnen schwer stöhnte, als läge sie im Sterben. Sie machten Licht. Eine der Frauen hatte sich die Schlagadern durchgeschnitten und war schon fast verblutet. Sie wollte sterben, "denn wir werden doch alle niedergemacht", sagte sie. "Sie schleppen auch meine Mädchen fort. Ich will diesen Augenblick lieber nicht erleben."

Die nächtlichen Besuche der Partisanen nahmen lange kein Ende. Die Greuel, die sie an unseren Menschen verübt haben, sind schwer zu beschreiben. Sofern Worte überhaupt auszudrücken vermögen, was hier satanische Partisanengehirne an Folterungen ausgeklügelt und ausgeführt haben, so versagen und verblassen sie, wenn die Leiden der Opfer beschrieben werden sollen. Nur einer der schrecklichsten Fälle soll hier dargestellt werden: Den Dorfrichter Josef Topka riefen sie in der Nacht in den Hof. Seine Frau mußte im Bett bleiben. Eine halbe Stunde lang verprügelten sie ihn dann im Hof und warfen ihn dann bewußtlos in das Zimmer, wo seine Frau im Bett liegen bleiben mußte. Als sie weg waren und seine Frau Licht machte, konnte er noch die Worte herausbringen, daß es 'um ihn geschehen sei und er jetzt sterben müsse'. Dann verschied er. Sein ganzer Körper zeigte Spuren fürchterlicher Hiebe und am Halse Würgegriffe. Man drückte ihm anscheinend die Kehle zu, damit er nicht schreien oder jammern konnte. In derselben Nacht waren noch zwei Häuser Opfer solcher Besuche. In einem schlugen sie einen Mann tot, im anderen warfen sie einen auf die Erde, knieten sich auf ihn drauf und schlugen so lange auf ihn ein, bis er tot liegen blieb. Dann holten sie auch die Frau, zogen sie nackt aus und schlugen sie ebenfalls mit "Ochsenzenten" und Gewehrkolben. Als sie ihr den Rücken blau geschlagen hatten, drehten sie sie um und schlugen sie auch von der vorderen Seite.

Unter den vielen Konzentrationslagern, die in Jugoslawien nach Einstellung der Kriegshandlungen in den verschiedensten Gegenden errichtet worden sind, war das von Kathreinfeld besonders berüchtigt. Kathreinfeld war anfangs ein Ort, in dem die kranken, alten und sonst arbeitsunfähigen Deutschen und ebensolche Kriegsgefangene gebracht wurden. Mehrere Tausend Deutsche, meist aus dem Verwaltungsbezirk Betschkerek, wurden hierher gebracht. Sie wurden sehr schlecht behandelt und die arbeitsfähige Bevölkerung ständig auf Zwangsarbeiten getrieben. In kurzer Zeit sind über 600 Deutsche im Lager gestorben. Viele, viele sind auch durch die Partisanen auf grausame Art ohne Grund und ohne Verfahren erschlagen oder erschossen worden oder mußten an den Folgen von Verletzungen, die sie bei den Folterungen erlitten hatten, nach schweren Leiden sterben.

Im November 1944 brachten die Partisanen 1.200 alte Leute und Kinder aus Betschkerek. Die Menschen mußten den ganzen Weg im Straßenkot zu Fuß gehen und wurden mit Peitschenhieben wie eine Viehherde getrieben. Wer erschöpft war und nicht mehr mitkam, wurde niedergeschlagen und blieb im Kot liegen. Sie wurden in dem Schulgebäude eingesperrt und nach zwei Tagen in die Häuser einquartiert, wo sie dann bis zum 18. April von der Bevölkerung des Ortes verköstigt und verpflegt werden mußten. Es waren alles alte, gebrechliche Leute, die die schwere Arbeit der Zwangsarbeitslager nicht mehr verrichten konnten. Kathreinfeld war ein Internierungslager für Arbeitsunfähige. Dennoch aber wurden immer wieder einigermaßen Arbeitsfähige herausgesucht und in die Zwangsarbeitslager verschickt. Mütter, die hie und da noch mit ihren Kindern waren und auch manche jüngere Großmutter wurde hier von ihren Kindern gerissen und mußte die Kinder ihrem Schicksal überlassen. Die zur Arbeit Ausgewählten mußten den ganzen Winter im Feld arbeiten. Meist mußten sie den Mais brechen und das Laub schneiden. Da man ihnen alle einigermaßen noch guten Kleidungsstücke weggenommen hatte, trugen sie nur Lumpen schlechtester Art auf dem Körper. Die Füße waren oft nur mit Lumpen umwickelt. Abends wurden sie in ihren nassen und gefrorenen Lumpen wieder in den Ort gebracht, um in ungeheizten Räumen zu übernachten. Auch die Kranken aus den anderen Lagern wurden nach Kathreinfeld gebracht. Der Ort war somit zu einer Art Kranken-Internierungslager geworden. Arzt jedoch gab es nur einen im Dorf, aber auch diesem war es strengstens verboten, die Kranken zu behandeln oder irgendwie zu betreuen.

Die aus den anderen Lagern in Kathreinfeld eingelieferten Kranken kamen meist aus Betschkerek und von dem Flugplatz in Etschka. Sie waren voller Läuse, ihre Körper vom Durchfall ausgemergelt. Viele hatten erfrorene Finger und Zehen und manchen waren die Beine erfroren. Häufig hing ihnen das Wadenfleisch nur so herunter, Anton Wenzel aus Tschesterek hatte am ganzen Bein bis zum Gesäß nur noch einen heilen Hautfleck in der Größe einer Handfläche. Unter den Kranken befanden sich auch häufig Männer und Frauen, die nur an den Folgen von schweren Mißhandlungen litten. Nikolaus Schneider aus Pardanj flüchtete, weil er schwer verprügelt worden war, aus dem Lager und begab sich in seinen Heimatort nach Pardanj. Er wurde dort wieder aufgegriffen und nach Kathreinfeld zurückgebracht. Sie hatten ihm Hände und Füße über den Rücken an den Hals gebunden und ließen ihn während des ganzen Weges immer wieder vom Wagen absteigen, banden ihn dann an die Deichselstange und schlugen ihn mit Stöcken. Als sie mit ihm in Kathreinfeld ankamen, war er nicht zu erkennen. Die Kopfdecke war dick angeschwollen und wie eine Blase von Blut unterlaufen, die Augen hingen ihm dick angeschwollen fast vom Gesicht heraus, das Gesicht selbst war blutig und blau geschlagen. So sahen auch seine Hände und sein Rücken aus. Infolge von Eiterungen ist ihm die ganze Kopfdecke zweimal nacheinander fast vollkommen heruntergefault.

Am 26. Dezember kam in der Nacht um 10 Uhr Befehl - Befehle wurden in dieser Zeit immer in der Nacht verkündet - daß alle Frauen von 18 bis 35 und alle Männer bis zu 45 Jahren binnen zweier Stunden im Gemeindehaus versammelt sein müssen. Sie wurden dann nach Rußland verschleppt. Damals sind nur mehr alte Leute und Kinder im Dorf geblieben. Viele und oft auch ganz kleine Kinder blieben ganz allein. Manches kleine Kind hatte nicht einmal eine Großmutter mehr, die sich seiner angenommen hätte. Die Männer, die nicht nach Rußland verschleppt wurden, weil sie schon zu alt waren, wurden in die Lager getrieben.

Ganz unglaublich bestialisch haben sich die Partisanen unter Leitung ihres politischen Kommissars hier zu Beginn des Jahres 1945 gezeigt. Lange nachdem der Krieg in dieser Gegend schon beendet war, ist eines Tages aus dem Konzentrationslager in Cernje eine Gruppe von älteren und kränklicheren deutschen Männern, von welchen man sich bei den Zwangsarbeiten nicht mehr viel Nutzen versprechen konnte, nach Kathreinfeld geschickt worden. Sie waren noch nicht so herabgekommen wie die, die üblicherweise nach Kathreinfeld gebracht wurden. Sie konnten noch auf dem Wagen sitzen und sich aufrecht halten. Der Militärkommandant von Kathreinfeld war von dem Eintreffen dieser Leute schon vorher verständigt gewesen. Kaum war diese Menschensendung eingetroffen, verfügte er auch schon, daß diese Leute nicht in das Konzentrationslager zu den anderen Deutschen kommen dürfen. Er ließ sie in den Räumen des einstigen Schulgebäudes einsperren. Sogleich wurde es im Lager klar, daß man mit diesen Leuten etwas Besonderes vorhabe und besondere Experimente mit ihnen anstellen wolle. Es begab sich auch gleich eine Gruppe von Partisanen in das Gebäude, in dem die ahnungslosen Menschen auf ihr Schicksal warteten. Der politische Kommissar der Partisanen lief schnell noch um eine Ziehharmonika. Als er damit zurück war, begaben sie sich alle in die Räumlichkeiten, in welchen die deutschen Männer eingesperrt waren. Der politische Kommissar begann auf der Harmonika zu spielen, seine Partisanen die Männer zu schlagen, als handle es sich um eine Schulung im Umbringen von Menschen. Die Männer jammerten fürchterlich und je mehr sie schrien, desto lauter spielte der Kommissar auf der Harmonika, damit man das Wehklagen dieser Deutschen nicht höre.

Der politische Kommissar wollte seinen Partisanenkameraden damit die Möglichkeit geben, sich einmal gründlich auszutoben und ihren Blutdurst an lebendigen deutschen Menschen zu stillen. Es wurden Experimente gemacht, wie man Menschen ohne Schuß und Messer umbringen könne. Die einzelnen deutschen Männer wurden der Reihe nach auf den Fußboden geworfen, so daß der Bauch und das Gesicht am Boden, der Rücken aber nach oben gerichtet war. Dann nahmen die Partisanen ihre Gewehre und stießen mit den Gewehrkolben den armen deutschen Männern in den Rücken in die Gegend der Nieren, um diese zu verletzen. Die Bewußtlosen faßten sie dann an Kopf und Füßen, warfen sie in die Höhe und ließen sie auf den Boden niederfallen. Dann sprangen sie wieder mit den Füßen auf ihnen herum. Sie schafften zu diesem Zwecke Tische herbei, stiegen darauf und sprangen mit ihren schweren Stiefeln der Reihe nach mit aller Wucht auf die mit dem Rücken auf dem Boden liegenden deutschen Männer und brachen ihnen die Rippen. Einigen Männern drehten sie auch die Geschlechtsteile bei lebendem Leibe ab. Die Folterungen dauerten mehrere Stunden. Einigen von ihnen, die dann noch immer Zeichen des Lebens von sich gaben, schlugen sie mit Gewehrkolben und Stöcken noch die Schädel ein. Fortwährend aber spielte der Kommissar auf der Ziehharmonika und eiferte seine Leute an.

Als keiner der deutschen Männer mehr zu leben schien und die Partisanen schon müde waren, zogen sie ab. Die deutschen Männer aber ließen sie im Schulhaus liegen. Alle bis auf Schirado Nikolaus waren tot, er war nur bewußtlos. Er hatte gebrochene Rippen, einen zerschlagenen Kopf und schwere innere Verletzungen. Gegen Abend erlangte er das Bewußtsein wieder, und als dann von den Partisanen Männer aus dem Konzentrationslager dorthin gebracht wurden, die Leichen fortzuschaffen, konnte er als einziger Überlebender heimlich in Sicherheit gebracht werden. Schirado war ein bewegungsloser Fleisch- und Knochenbatzen geworden. Mehrere Rippen waren ihm gebrochen und der ganze Körper voll schmutziger und blutiger Wunden. In derselben Nacht noch haben die Partisanen in den Häusern Frauen erschlagen. Ebenso Georg Bisching, dem sie auch die Geschlechtsteile herausgerissen haben. Er hatte gerade noch so viel Kraft, um sich auf den Dachboden zu schleppen. Dort hat er sich erhängt, um seinem Leiden ein Ende zu machen. Seine Frau haben sie mit Geißel und Gummiknüppel auch so hart geschlagen, daß sie sich nicht mehr regen konnte. Später sind von den Hieben handgroße Fleischstücke an ihrem Körper gefault und heruntergefallen. Eine andere Frau hat auf das Schreien im Nachbarhaus das Fenster geöffnet und wollte auf die Gasse schauen. Das wurde bemerkt und sie darauf so geschlagen, daß sie ebenfalls keines ihrer Glieder mehr bewegen konnte. Im Nachbarhause aber lag der Mann im Sterben. Auch ihn hatten sie furchtbar gefoltert und ihm die Geschlechtsteile zertrampelt. Er war bewußtlos und starb nach drei Tagen. Auf ähnliche Art sind unter Leitung eines politischen Kommissars in Kathreinfeld noch viele andere Deutsche qualvoll umgebracht worden.

Die am häufigsten angewandte Foltermethode der Partisanen war hier immer das Verletzen der Nieren durch Stöße mit Gewehrkolben, das Brechen der Rippen durch Sprünge auf den Bauch der zu Boden geworfenen Opfer und schließlich bei den Männern insbesondere auch das Abdrehen der Geschlechtsteile bei lebendem Leibe. Auf diese grausame Art ist insbesondere auch der langjährige frühere deutsche Bürgermeister von Kathreinfeld Josef Topka liquidiert worden. Aber auch deutsche Frauen wurden in diesem Lager umgebracht. Auch diese hat man auf die Art getötet, daß man ihnen auf den Bauch sprang, die Rippen brach und von rückwärts mit Gewehrkolben die Nieren verletzte. Insbesondere grausam ist so Magdalena Lisching zu Tode gefoltert worden. Die Lehrerin Anna Dinjer wurde in das Nachbardorf Ernsthausen verschleppt und dort mit vier anderen Frauen und mit 34 deutschen Männern in ein und derselben Nacht von den Partisanen während einer Partisanenunterhaltung in dem Gasthaus des Georg Schlitter mit Holzhacken und mit Messern abgeschlachtet.

Die Kathreiner Bevölkerung wurde am 18. April 1945 in das Lager getrieben. Wohl waren bis zu diesem Zeitpunkte schon fast volle sechs Monate die alten Leute, die Kinder, die Kranken und Arbeitsunfähigen aus den anderen Lagern nach Kathreinfeld gebracht worden, aber die Kathreinfelder befanden sich meist noch in ihren Häusern. Die Auswärtigen waren bei ihnen untergebracht und mußten auch von ihnen unterhalten werden. Am 18. April trommelte es in der Früh um sechs Uhr, daß sich alle sofort auf dem Kirchenhof einzufinden hätten. Am Nachmittag wurden dann alle in das Schulgebäude gebracht. Die Bänke wurden entfernt und die Schulräume waren fortan ihre Unterkunft. In die einzelnen Klassenzimmer wurden bis zu 150 Personen hineingestopft, die dort in der Nacht weder liegen noch sonstwie ruhen konnten. Die Kinder brachen immer wieder in Weinkrämpfe aus, so daß man auch schon deswegen nicht hätte schlafen können. Von da an gab es für alle nur noch Lagerverpflegung. Sie wurden an Kesseln gefaßt und Eßgeschirr gab es nur wenig. Die späteren mußten immer darauf warten, bis die ersten ihre Suppe gegessen hatten. Was anderes gab es nicht. Die Häuser wurden ausgeräumt und alles zusammengetragen und aufeinandergestapelt. Als ein Teil der Häuser leer war, wurden alle wieder in diese eingewiesen. Auch jetzt wurde jedes Zimmer mit mehreren Personen belegt und die ganze Einrichtung bestand aus Stroh, das auf dem Fußboden an Stelle von Betten ausgestreut war. Alles, was noch irgendwie arbeiten konnte, wurde zu den verschiedensten Arbeiten eingeteilt und viele auch in andere Orte gebracht. Mütter, die hie und da noch mit ihren Kindern waren und auch manche jüngere Großmutter schon elternlos gewordener Kinder wurde von den Kindern weggerissen, die Kinder selbst ihrem Schicksal überlassen. Nach einiger Zeit wurden dann Familien aus Serbien nach Kathreinfeld gebracht, die in den übrigen Häusern des Dorfes angesiedelt wurden und auch alle die Sachen bekamen, die aus den Häusern weggeführt und gesammelt worden waren.

Am 30. Oktober 1945 wurden dann wieder alle Alten, Kranken, Kinder und Arbeitsunfähigen am Abend spät in das Schulgebäude getrieben, am nächsten Morgen an die Bahnstation geführt und in Waggons eingeteilt. Am Nachmittag setzte sich der Transport in Bewegung, ohne daß jemand gewußt hätte, wohin diese Reise geht. Noch an demselben Abend blieb der Transport in Rudolfsgnad (Knicanin) stehen. Hier mußten alle aussteigen und wurden dann in die Häuser des Ortes einquartiert. Zu früheren Zeiten lebten hier etwa 3.000 Menschen. Die Häuser standen jetzt schon ein ganzes Jahr leer und waren entsprechend verwahrlost. Täglich kamen immer wieder neue Transporte an, bis zuletzt 24.000 Menschen beisammen waren. Die Häuser wurden so stark belegt, als auf dem Fußboden zum schlafen Platz hatten. Mehr als Stroh gab es auch hier nicht. Von den Fremden, die als Kranke oder Arbeitsunfähige nach Kathreinfeld gebracht worden waren, sind bis zum Tage der Verlegung des Lagers nach Rudolfsgnad 770 in Kathreinfeld auch gestorben".

5. Im Südosten des Banats geschahen grauenvolle Untaten

Werschetz
Die Banater Stadt Werschetz ist mit der kühnen Tat Hennemanns in die Geschichte eingegangen. Einer unserer größten schwäbischen Dichter hat die Tat Hennemanns und die Tapferkeit der Werschetzer Bürger bei der Verteidigung der Stadt gegen die türkischen Horden als die "Werschetzer Tat" besungen. Im Zusammenhang mit dem letzten blutigen Völkerringen hat sich Werschetz ein zweites Mal in die Geschichte eingetragen. Nicht mit der Tat seiner mutigen Bürger, sondern den Un- und Missetaten, die an seinen friedlichen Bürgern und deutschen Menschen seiner Umgebung verübt wurden. Was sich in Werschetz in den Herbsttagen 1944 zugetragen hat, übersteigt selbst die krankhafteste Phantasie eines Sadisten und würde unglaubwürdig erscheinen, wenn es nicht durch verläßlichste Quellen verbürgt und auch heute noch von Hunderten von Zeugen bestätigt werden könnte.

In der durch ihren Weinbau berühmt gewordenen Banater Stadt Werschetz lebten bis zum letzten Kriege neben 12.000 Serben und einer geringen Zahl Ungarn und Rumänen annähernd 16.000 Deutsche. Von diesen sind schon Ende 1944, gleich nachdem die Partisanen von den Russen die Macht übernommen hatten, einzeln oder in Gruppen, bei den verschiedensten Gelegenheiten ungefähr 6.000 erschossen, erschlagen, verschleppt oder auf andere Art liquidiert worden. Auch aus den zahlreichen deutschen Siedlungen der Umgebung der Stadt hatte man sehr viele deutsche Menschen hierher gebracht, um sie hier zu vernichten.

Schon vom 3. Oktober 1944 angefangen, wurden in Werschetz durch die neuen Polizeibehörden umfangreiche Verhaftungen von deutschen Männern vorgenommen. Ungefähr 400 von diesen Häftlingen sind darauf verschwunden. Jede Nacht wurde eine größere Zahl dieser Leute aus dem Gefängnis herausgeholt und gleich darauf entweder im Keller der Polizei selbst oder auf anderen Plätzen innerhalb der Stadt erschlagen, erschossen oder auf andere Art umgebracht. Unter diesen Opfern befanden sich auch viele deutsche Zivilisten aus Rumänien, die auf der Flucht vor den russischen Truppen in Werschetz steckengeblieben und später von den jugoslawischen Partisanen gefangengenommen worden waren. Die Leichen der hier Getöteten wurden an den verschiedensten Stellen in der Stadt begraben. So fand man z.B. im Hof des Weinproduzenten Weigand unter einem großen Treberhaufen versteckt 12 auf grausame Art verstümmelte Leichen von deutschen Zivilisten, darunter auch die des Hauseigentümers.

Am 10. Oktober 1944 wurden 135 Deutsche, darunter auch ein Knabe und eine Frau, bei hellem Tage in der Stadt selbst, in der sogenannten "Dreilaufergasse", von Partisanen zusammengetrieben und öffentlich erschossen. Sie alle hatten sich der Reihe nach niederknien müssen und sind dann von rückwärts durch Genickschüsse erledigt worden. Wer sich aber nicht sogleich hinkniete, den haben die Partisanenrudel fürchterlich geprügelt, gestochen, angeschossen, die Zähne eingeschlagen und ihm erst nach langem Leiden den tödlichen Schuß gegeben. Die bei dieser Gelegenheit getötete Frau hieß Viktoria Geringer, der getötete Knabe war ihr Kind. Die meisten übrigen Opfer dieses Tages waren Weinbauern und Weingartenarbeiter . Sie waren gerade mit der Weinlese beschäftigt gewesen, und so wie sie ahnungslos mit ihren Wagen voll Maische und Trauben auf der Heimfahrt aus den Weingärten aus den verschiedensten Richtungen in die Stadt kamen, wurden sie von den Wagen heruntergeholt und von den Partisanen grundlos und wahllos getötet. Als alle tot waren, brachten die Partisanen Wagen herbei und führten die Leichen auf den Schinderplatz. Der Leichnam der erschossenen deutschen Frau Geringer aber bekam einen Strick um den Hals und wurde hinter dem letzten Wagen auf der Erde durch alle Gassen nachgeschleift. Auf dem Wagen selbst saßen auf den toten Deutschen jubelnde Partisanen und Zigeuner. Sie schändeten noch unterwegs die Leichen, machten Musik mit einer Ziehharmonika und sangen Partisanen-Lieder.

Am 23. Oktober wurden dann die wohlhabendsten deutschen Bürger der Stadt - 35 an der Zahl - aus ihren Häusern geholt und ins Gerichtsgefängnis gebracht. Dort wurden sie 2 Tage hindurch erbärmlich gefoltert. Manche wurden auch dort schon getötet. Am 25. Oktober in der Früh wurden sie auf einen Lastkraftwagen geworfen und aus der Stadt hinausgeführt. Sie sind für immer verschwunden. Der bekannte deutsche Lehrer Nikolaus Arnold und der Rechtsanwalt Dr. Julius Kehrer waren auch unter diesen Opfern.

Auch 250 deutsche Kriegsgefangene hatte man in jenen Tagen in dieses Gerichtsgefängnis gebracht. Diese sind dann gruppenweise jeden Abend gegen 10 Uhr nach fürchterlichen Mißhandlungen von hier weggeführt worden. Sie wurden vorher gefesselt und auf die Schinderwiese getrieben. Dort wurde jedesmal ein Graben ausgehoben. An diese Graben mußten die ausgewählten Opfer, nachdem sie nackt ausgezogen worden waren, in Gruppen zu 20 und mehr Leuten jedesmal herantreten und bekamen den Genickschuß. In der ganzen Stadt aber hörte man von dort diese Schießerei. Am 25. Oktober ist auch der frühere deutsche Bürgermeister Geza Frisch mit fünf anderen ehemaligen städtischen deutschen Würdenträgern am Schinderplatz erschossen worden. Diese Leute waren durch mehrere Tage hindurch in einem Raum des Bürgermeisteramtes eingesperrt und wurden dann am 25. Oktober abends gefesselt durch die Stadt getrieben. Hinter ihnen fuhren auf Wagen Partisanen. Die Pferde wurden dabei ständig angetrieben, so daß die Männer die Strecke bis zur Schinderwiese im Laufschritt zurücklegen mußten. Dort mußten sie sich selbst ihr Grab schaufeln und dann sich nackt ausziehen. Darauf bekamen sie ihre Genickschüsse. Schon wenige Tage später aber wurden ihre Kleider von Partisanen in der Stadt getragen. Besonders grausam ist man auch gegen die deutschen Mädchen und jungen Frauen von Werschetz vorgegangen. Hunderte von ihnen wurden verschleppt und sind verschwunden.

Am 27. Oktober 1944 und auch schon einige Tage vorher trieb man dann auch die übrigen deutschen Männer aus ihren Häusern und Wohnungen und brachte sie ins Konzentrationslager, das am sogenannten"Stojkowitsch-Telep" für die Deutschen errichtet worden war. Auch aus den Gemeinden der Umgebung brachte man Deutsche nach Werschetz ins Lager, so daß dort gegen 5.000 Deutsche zusammengepreßt worden waren. Das Lager bestand nur aus 5 Baracken, die in der ersten Zeit diese Tausende kaum faßten. Aber bald wurde das Lager leer, denn in den Abendstunden fuhren Tag für Tag Lastkraftwagen heran. Auf diese wurden schon vorher ausgewählte Gruppen von 100 und mehr Männern jedesmal aufgeladen und in der Nacht weggeführt. Alle diese sind verschwunden. Meist wurden sie zum Schinderplatz geführt und ohne Grund und ohne Verfahren, nachdem sie sich nackt haben ausziehen müssen, erschossen. Ganze Nächte hindurch hörte man das Schießen in der Stadt. Auf diese Weise wurde die Zahl der deutschen Lagermänner immer kleiner. Im Monat Dezember 1944 lebten von den früheren Tausenden nur mehr 350, die dann größtenteils in die Gemeinde Guduritz auf Holzarbeiten und von dort ins Lager Semlin auf schwere Zwangsarbeit geschickt wurden. Die Mehrzahl ist dort gestorben.

Aber auch im Konzentrationslager selbst, innerhalb des Stacheldrahtes, wurden viele Deutsche umgebracht, durch ständige Mißhandlungen und Folterungen getötet oder erschossen. Meist waren es die angesehenen Werschetzer Bürger, die wohlhabenderen Leute und die deutsche Intelligenz, die mit besonderer Vorliebe von den Partisanen zuerst Tage hindurch grausam gequält und dann erst liquidiert worden sind. Hunderte von diesen Leuten sind in der unmittelbaren Nähe des Lagers begraben. All dies wurde unter unmittelbarer Leitung des Lagerkommandanten selbst und der höchsten Funktionäre der neuen Behörden durchgeführt. Auch der frühere deutsche Werschetzer Rechtsanwalt, Dr. Alfred Marich, ist hier im Lager wiederholt von Partisanen sehr schwer mißhandelt worden. Es wurde ihm bei den Folterungen auch ein Auge verletzt. Zur Heilung seiner Wunden wurde ihm keine Gelegenheit gegeben. Schließlich wurde er einmal zur Nachtzeit allein aus der Baracke hinausgeführt und kehrte nicht mehr zurück. Angeblich wurde er nach langen Folterungen im Lager selbst von einem hohen behördlichen Funktionär eigenhändig getötet.

Am 18. November 1944, nachdem schon die meisten deutschen Männer liquidiert waren, kamen auch die deutschen Frauen und Kinder von Werschetz in das mittlerweile beinahe leer gewordene Konzentrationslager. Von hier schob man sie, viele Tausende, nach einiger Zeit der Qualen und Leiden in andere Ortschaften ab, wo die Frauen während des Winters schwere Zwangsarbeiten verrichten mußten und massenhaft zugrunde gingen. Größere Gruppen kamen nach Mitrowitz, Schuschara und anderen Orten. In diesen Gruppen befanden sich häufig auch Männer aus Weißkirchen. Die Mehrzahl von ihnen, die Ende 1945 noch lebten, wurden in das große Konzentrationslager nach Rudolfsgnad gebracht. Die meisten Werschetzer sind hier im Winter 1945 auf 1946 verhungert. Nur einzelne haben die Qualen überstanden.

Über die Vorkommnisse in Werschetz berichtet ein Augenzeuge im einzelnen noch folgendes:
"Nachdem es mir gelang, mit einem Arbeitertransport den ersten Rummel auszunützen und so unbemerkt in meine Heimat zu kommen, um meine dort verbliebenen Eltern zu suchen, fand ich folgende Zustände vor:

Es war Nacht, als der Zug in Werschetz einfuhr. Gleich am Bahnhof fiel mir auf, daß dort keine einzige bekannte Person zu sehen war. Es schien mir, als würde ich eine vollkommen fremde Stadt betreten. Durch die finsteren Straßen schleichend, erreichte ich mein Elternhaus, wo ich beim ersten Blick durch das Fenster die Situation sofort feststellen konnte. Im ehemaligen Schlafzimmer meiner Eltern, das ebenerdig auf der Straßenseite gelegen war, befanden sich Zigeuner um einen offenen Herd versammelt. Auf dem Fußboden spielten Zigeunerkinder. Da konnte ich nicht hinein und da ich müde war, ging ich in eine Weingartenhütte am Fuße des Berges, um dort die Nacht zu verbringen. Dort hielt ich mich auch während der ganzen Zeit meines Aufenthaltes verborgen. Ich konnte nur in der Nacht meine Bekannten aufsuchen, die mich auch verpflegten. Vom Nachbarn meiner Eltern erfuhr ich über meine Eltern folgendes:

Mein Vater, der nie politisch tätig, aber als tüchtiger Geschäftsmann bekannt und beliebt war, wurde um Mitternacht von den Partisanen aus dem Bette geholt und mit vielen hundert anderen im Bezirksgericht eingesperrt. Solche Aktionen wiederholten sich Nacht für Nacht, bis alle in der Heimat verbliebenen Deutschen und königstreuen Serben in Haft waren. Dort wurden die Serben von einem willkürlich zusammengewürfelten "Volksgericht" abgeurteilt. Es gab überhaupt nur Todesurteile. Mit russischen Autos wurden die "Verurteilten" Nacht für Nacht auf die Schinderwiese, eine große Fläche mit künstlichen Gruben, wo sonst Fäkalien abgelagert werden, gebracht, durch Zigeuner entkleidet, von Partisanen kurzerhand niedergeschossen und oft halblebend eingegraben. Mein Vater befand sich auch in einem solchen Schreckenstransport. Meine Mutter blieb noch eine Woche zu Hause und wurde dann ins Lager gebracht

So entstanden in Werschetz selbst vier große Lager, Stojkovich-Telep, Majdan, Schweitzer-Keller und Kaserne. Für Serben, die den Massenhinrichtungen nicht zum Opfer fielen, gab es Transporte nach Belgrad. Im Lager Stojkovich-Telep waren die Lagerinsassen nachts in den überfüllten Baracken, wie Heringe im Faß, hineingepreßt und durften sich nicht bewegen. Bei der kleinsten Bewegung wurde man sofort erschossen. Die Wachmannschaft hatte vollkommen freie Hand und bestimmte über Tod oder Leben der Lagerinsassen eigenmächtig. Eines Nachts stellte man Maschinengewehre um eine Baracke und schoß hinein. Nach Einstellung des Feuers mußten die Überlebenden zuerst die Verwundeten hinaustragen und dann die Toten. Die Verwundeten wurden sofort erschossen und die Überlebenden mußten dann alle Toten gleich an Ort und Stelle begraben. Da sie die Massengräber zu oberflächlich anlegten, hob sich die Erde nach einigen Tagen. Es mußten tiefere Gruben geschaufelt werden und die Toten noch einmal begraben werden. Es kamen Partisanenfrauen in die Baracken und haben die Schwerkranken und Schwachernährten so lange mit den Füßen getreten, bis sie starben. Das Austreten zur Notverrichtung war nach Laune der Wachmannschaften oft tagelang verboten. Solche, die hinausgelassen wurden, wurden oft auch gleich erschossen.

Nachweisbar wurden 4.000 Menschen in Werschetz erschossen. Bemerkenswert ist, daß sich unter den Erschossenen auch altbekannte Kommunisten befanden. Wegen des ständigen Umgruppierens der Lagerinsassen läßt sich nicht feststellen, wer ermordet, verschleppt oder sonstwie verschwunden ist. Ganz alte Leute und Kinder befanden sich in Setschan, wo sie täglich massenhaft an Hunger starben".

Karlsdorf
In Karlsdorf lebten rund 3.000 Deutsche. Der Ort wurde noch am 2. Oktober 1944 von den Russen besetzt. Die in ihrem Gefolge erschienenen Partisanen errichteten die Militärverwaltung, die schon am 5. Oktober wahllos deutsche Männer und Frauen zu verhaften begann. Jede Nacht wurden einige verhaftet. Die Nächte der ersten Zeit waren besonders für Frauen und Mädchen gefährlich. Immer wieder suchten Russen nach Frauen, um sie zu vergewaltigen. Eine 73jährige Frau war gleich das Opfer von drei Soldaten. Frauen und auch Männer begingen in ihrer verzweifelten Lage auch Selbstmord. Am 9. Oktober waren schon 28 Männer in einem Raume mit acht Quadratmeter Bodenfläche eingesperrt. Am 6. November war mit den Vernehmungen begonnen worden, bei denen die Männer meist geschlagen, einige auch schwer mißhandelt wurden. Die gräßlichsten Folterungen erlitten jene, bei denen Augen, Zähne eingeschlagen, Glieder abgeschlagen, Rippen und Knochen gebrochen wurden. Viele sind auch gestorben, oder erschossen worden.

Am 4. und 8. November wurden 38 Personen, darunter auch sechs Frauen (eine hochschwangere), nach Uljma verschleppt. Vier wurden am 9. November in einem schwer mißhandelten Zustande wieder zurückgebracht. Von den übrigen fehlt derzeit jede Spur. Sie sind am 9. und 10. November in Weißkirchen erschossen worden. Am 12. November mußten alle Männer im Alter von 16 bis 60 Jahren zum Feuerwehrheim kommen und wurden dann in die von der deutschen Luftwaffe neben dem Friedhof zurückgelassene Baracke geführt. Diese Baracke wurde mit Stacheldraht umgeben und war fortan ein Zwangsarbeitslager. Auch hier hat es an Mißhandlungen nie gefehlt. Einer der gefährlichsten Partisanen war Livius Gutschu, der selbst seinen Vater erschießen ließ, später aber, weil er sich an seinen Opfern bereichert hat, auch selbst verhaftet wurde und spurlos verschwunden ist. Am 18. November wurden die deutschen Frauen und Kinder und alle sonst arbeitsunfähigen Deutschen aus dem Alibunarer Bezirk nach Karlsdorf gebracht. Sie wurden in die Häuser der Deutschen eingewiesen. Aus dem Lager wurden einige Tage später etwa 200 Mann weggeführt. In dem 20 km entfernten Roschiana (bei Schuschara) mußten sie bis zum Frühjahr Holz fällen. Sie wohnten dort in Erdlöchern. Ein aus Uljma stammender Holzfäller wurde vom Wachkommandanten des Holzschlages gelegentlich einer Unterhaltung in Schuschara so schwer mißhandelt, daß er zusammenbrach. Er mußte die Hose ausziehen, worauf man ihm einen Ziegelstein an die Geschlechtsteile band und ihn mit Prügeln zum Tanze trieb. Auch im Dezember kam es noch zu schweren und tödlichen Mißhandlungen.

Um die Jahreswende wurden 280 Personen nach Rußland verschleppt. Als im Frühjahr die Männer vom Holzschlag zurückgekommen waren, wurden 200 Männer gleich wieder nach Semlin in Marsch gesetzt. Die Gruppe bestand vorwiegend aus Karlsdorfern (132), dann von Männern aus Weißkirchen (27), Schuschara (15), Alibunar (10), Uljma (6), Ilandscha (4), Jasenova (3), Seleusch (1) und anderen Orten. Am 12. Februar kamen aus dem Semliner Lager 600 Mann - darunter etwa 90 Karlsdorfer - nach Mitrowitz, wo ihnen noch 400 aus Apatin und Umgebung beigeschlossen wurden. Als die Gruppe am 25. Mai wieder nach Semlin zurückgebracht wurde, waren es um 112 weniger, die beim Bahnstreckenbau alle gestorben oder erschossen worden waren. Von den 90 Karlsdorfern allein fehlten 21. Im Mai 1947 lebten von den 132 Karlsdorfer Männem noch 66. Als das Semliner Lager im September nach Mitrowitz verlegt wurde, befanden sich darunter noch 17 Karlsdorfer. Im März 1946 lebten noch vier von diesen.

Am 24. März - eine Woche nachdem die Arbeitergruppe nach Semlin abgegangen war - wurden 30 Mann in das Pantschowarer Ried geschickt. Von den 15 Karlsdorfern ist Johann Hatibu an Erschöpfung schon in den nächsten Tagen dort gestorben. Am 27. April 1945 wurde die ganze deutsche Bevölkerung Karlsdorfs in das Lager getrieben. Sie blieben dort etwa vier Wochen lang, währenddessen ihre Häuser ausgeräumt wurden. Nach diesen vier Wochen wurden sie in einem Teil des Ortes wieder einquartiert. Über Sommer mußten alle Arbeitsfähigen auf Arbeit gehen. Als das Internierungslager Kathreinfeld nach Rudolfsgnad verlegt wurde, wurden auch alle Arbeitsunfähigen aus dem Karlsdorfer Internierungslager nach Rudolfsgnad gebracht. Etwa 450 Personen - darunter 264 Karlsdorfer - kamen am 30. Oktober nach Rudolfsgnad, wo im April des nächsten Jahres auch schon die Hälfte Hungers gestorben war. Im März 1948 lebten dort noch 80 Karlsdorfer. Als im Sommer 1946 mehr und mehr über Rumänien nach Österreich zu flüchten versuchten, gelang es vielen Karlsdorfern, das nackte Leben zu retten, doch sind viele auch an der Grenze erschossen und von verbrecherischem Gesindel, das seine Verbrechen Deutschen gegenüber noch immer unter dem Deckmantel partisanischen Heldentums ausüben konnte, ermordet und beraubt worden. Mitte April 1946 und später wurden in gewissen Zeitabständen größere Gruppen nach Guduritz und Werschetz geschafft. Dort, namentlich aber in Guduritz, wurde die Flucht nach Rumänien inoffiziell geduldet, so daß sich von dort die meisten noch das Leben retten konnten. Später, und zwar im Frühjahr und Sommer 1947, wurden Überstellungen von größeren Gruppen nach Gakovo durchgeführt. Auch dort wurde die Flucht nach Ungarn durch inoffizielle Duldung begünstigt.

Anfang 1948 - als die Zwangsarbeitslager aufgelöst wurden, hat sich der Rest der in Jugoslawien verbliebenen und noch am Leben gebliebenen Karlsdorfer, soweit sie arbeitsfähigen Alters waren, für serbische Bergwerke und Baranjaer Kolchosen verpflichtet. Nach Karlsdorf selbst kamen, soweit sie nicht auch schon nach Gakovo überstellt oder inzwischen gestorben waren, auch die Arbeitsunfähigen des ebenfalls um diese Zeit aufgelösten Rudolfsgnader Lagers. Karlsdorf, das jetzt als "Rankovicevo" den Namen des Chefs der OZNA trägt, ist somit zur Endstation des Leidensweges des jugoslawischen Deutschtums geworden. In die Baracken am Friedhof wurden alle Deutschen des Landes eingewiesen, die arbeitsunfähig waren und niemand hatten, bei dem sie ihren Lebensabend hätten beschließen können.

Alibunar
Das Zentrum des Vernichtungswerkes an dem Deutschtum des Alibunarer Bezirkes war Alibunar selbst. Im November wurden schon auf der Alibunarer Schinderwiese mehre Männer erschossen. Die Opfer mußten immer zuerst ihre Kleider ausziehen. Später mußten dann Frauen des Alibunarer Lagers die Kleider vor ihrer Verteilung an die Partisanen auswaschen. Diese Kleider deren frühere Träger den ortskundigen Frauen des Lagers meist bekannt waren, waren häufig der einzige Anhaltspunkt dafür, wer an gewissen Tagen den Erschießungen zum Opfer gefallen war. Am 18. November 1944 wurden die deutschen Frauen, Kinder und sonstigen arbeitsunfähigen Personen des Alibunarer Bezirkes nach Karlsdorf gebracht. Die Arbeitsfähigen waren bereits auf die verschiedensten Arbeitsplatzlager des Alibunarer Bezirkes verteilt worden. Wer mit dem Marschtempo nicht Schritt halten konnte, wurde auf der Straße erschossen und in den Straßengraben geworfen.

Klara Knoll aus Alibunar berichtet:
Alibunar ist Bezirksort und hatte eine gemischte Bevölkerung, vorwiegend Rumänen und Serben. Von den 5.000 Einwohnern waren etwa 220 Deutsche. Die Deutschen waren hauptsächlich Handwerker und Kaufleute. Am 3. Oktober 1944 kamen russische Truppen in unseren Ort. Erst zwei Tage später kamen serbische Partisanen und haben die Verwaltung der Gemeinde übernommen. Die ersten deutschen Männer und Frauen wurden ungefähr am 15. Oktober verhaftet. Sie wurden bis zu Ihrer Erschießung schwer mißhandelt (geprügelt, von den Zehen die Nägel heruntergerissen, zwischen die Finger in Benzin getauchte Papiere gesteckt und angezündet). Nach ihrer Erschießung fanden Frauen in die Wäsche eingewickelte Fußnägel. Über diese Folterungen haben uns Ungarinnen erzählt, die den Verhafteten Essen bringen konnten. Die deutschen Frauen durften ihren Angehörigen nichts bringen, ja nicht einmal dem Gebäude sich nähern. Mir hat auch ein bekannter Partisan, der früher einmal bei Verwandten von mir bedienstet war, erzählt, daß mein Mann durch die Mißhandlungen kaum zu erkennen sei.

Am 17.11.1944 kamen wir alle ins Lager nach Karlsdorf. Die einzelnen deutschen Familien von den zu unserem Bezirk gehörenden nicht-deutschen Dörfern waren auch in unseren Ort gebracht worden und mit uns nach Karlsdorf gekommen. Vor dem Abmarsch hielten Partisanen uns eine Rede, in der sie betonten, daß sie uns nicht alle erschießen würden, aber wir würden lebenslänglich ihre Sklaven sein. Den Partisanen, die uns begleiteten, wurde der Auftrag erteilt, alle diejenigen zu erschießen, die auf dem Weg ins Lager nach Karlsdorf eventuell nicht weiter gehen könnten und von der Marschgruppe zurückbleiben würden.

So wurden mein Vater Edmund Bauer, 86 Jahre alt; Frau N.Fritz, 82 Jahre alt; N.Jacker, die Frau des Schornsteinfegers, 50 Jahre alt (sie hatte kranke Füße) auf dem Weg beim Ausgang des Ortes erschossen. In Karlsdorf kamen wir abends an. Wir mußten uns alle an die Wand stellen. Wir dachten, daß wir erschossen würden. Die Kinder begannen zu weinen. Wir wurden in Gruppen zu je 10 Personen abgezählt und in die Häuser eingewiesen. Den Hauseigentümerinnen (ihre Männer waren ja entweder eingesperrt oder auf Arbeit in den Wald verschleppt) wurde gedroht, falls jemand fehlen sollte, würden sie erschossen. So verließ ich nicht das Haus und erfuhr erst drei Tage später vom Tode meines Vaters. Wir haben in Karlsdorf Feldarbeit und andere schwere Arbeiten machen müssen, aber wir haben in Häusern, in warmen Räumen schlafen und unsere nassen Kleider trocknen können, oder von den Deutschen aus Karlsdorf Kleider erhalten.

Als wir schon eine Woche in Karlsdorf waren, wurden am Samstag, dem 25.11.1944, erschossen: mein Mann, Franz Knoll, 43 Jahre alt (Frau Knoll zählt dann noch 15 weitere Opfer aus ihrem Heimatort auf). Außer den deutschen Männern und Frauen aus Alibunar wurden auch deutsche Frauen und Männer aus den nicht deutschen Ortschaften unseres Bezirkes erschossen, insgesamt 80 Personen. Sie wurden alle am sogenannten Schinderfriedhof erschossen und begraben. Sie mußten sich selbst das Grab graben und wurden in Gruppen zu 10 Personen zusammengebunden, auf ein quer über das Grab gelegtes Brett gestellt und erschossen. Die ersten haben vielfach die letzten der Gruppe mit sich hinuntergerissen, die dann im Grab erschossen wurden. Es mußten sich alle Frauen und Männer ganz entkleiden und wurden so erschossen. Da sich die Frauen weigerten, sich auszuziehen, wurden sie mit Benzin begossen und in den an ihrem Leibe brennenden Kleidern erschossen. Ihnen wurde auf dem Wege zum Erschießen gesagt: "Jetzt führen wir Euch zu Eurem Hitler". Auf dem Weg zum Schinderhof wurden den Frauen die Haare angezündet. Einige Tage durfte sich dem Massengrab niemand nähern. Da die Toten nur oberflächlich mit Erde bedeckt waren, zerrten Hunde sie bald an den Füßen und Händen heraus. Darauf mußten aus Karlsdorf ältere Männer, die nicht im Wald Holz machten, nach Alibunar gehen (5 km entfernt) und sie ordentlich mit Erde zuschütten.

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