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Der deutsche Liederschatz

 

Der Winter ist vergangen

1. Der Winter ist vergangen,
Ich seh des Maien Schein,
Ich seh die Blümlein prangen,
Des ist mein Herz erfreut.
So fern in jenem Tale,
Da ist gar lustig sein,
Da singt Frau Nachtigalle
Und manch Waldvögelein.

2. Ich gehe, den Mai* zu hauen,
Hin durch das grüne Gras,
Schenk meinem Buhl' die Treue,
Die mir die Liebste war.
Und ruf, daß sie mag kommen,
Wohl an dem Fenster stahn,
Empfangen den Mai mit Blumen,
Er ist gar wohlgetan.

3. Er nahm sie sonder Trauern
In seine Arme blank,
Der Wächter auf den Mauern,
Hob an sein Lied und sang:
Ist jemand noch darinnen,
Der mag jetzt heimwärts gehn.
Ich seh den Tag aufdringen
Wohl durch die Wolken schön.

4. Ade, mein Allerliebste,
Ade, ihr Blümlein fein.
Ade, schön Rosenblume,
Es muß geschieden sein.
Bis daß ich wiederkomme,
Sollst du die Liebste sein.
Das Herz in meinem Leibe
Das ist ja allzeit dein.

 

Text: trad. 1537
Melodie: trad. 1600
* Maibusch, um das Haus der Liebsten zu schmücken