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Deutsche Kriegsgefangene in den USA Nach dem offiziellen Bericht des US-amerikanischen Supreme Headquarters, Allied Expeditionary Forces (SHAEF), vom 11. Juni 1945 [1] befanden sich zu diesem Zeitpunkt insgesamt 7 614 794 deutsche Soldaten in amerikanischer und französischer Hand, und zwar 4 209 845 als 'Prisoner of War' = POW = Kriegsgefangener und 3 404 949 als sogenannte 'Disarmed Enemy Forces' = DEF = Entwaffnete feindliche Streitkräfte, denen - wie schon erwähnt - der Kriegsgefangenenstatus nach der Genfer Konvention von US-General Dwight D. Eisenhower bereits am 10.3.1945 aberkannt worden war. In französischer Hand befanden sich von den 7,614 Millionen lediglich 280 629 Soldaten. Zu diesem Zeitpunkt (19.5.1945) aber, als sich also über 7 Millionen Deutsche in US-Gefangenschaft befanden, davon 5,2 Millionen in Europa, wurden nach offiziellen Angaben des US-Quartermaster Corps lediglich 2 425 532 Verpflegungsrationen ausgegeben. "Die lange Nacht der Lügen" Es ist dem kanadischen Journalisten und Lektor James Baque zu verdanken, daß er 1989 erstmals in seinem Buch Der geplante Tod [2] Licht in das bisher verschwiegene Schicksal der von den westlichen Alliierten gefangengenommenen deutschen Kriegsgefangenen nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges brachte. Nach seinen Recherchen wurden ab 1945 Hunderttausende deutsche Soldaten in Gefangenenlagern der USA und Frankreich in den Tod getrieben, wobei von einer "langen Nacht der Lügen" die Rede ist. Sein Vorwurf an deutsche Historiker ist, daß sie sich "nicht gründlich genug" dem Schicksal deutscher Kriegsgefangener nach dem Mai 1945 gewidmet haben. Das Buch gründet unter anderem
auf neuen Funden im Archiv der US-Army in Washington
(Pennsylvania Avenue), auf der Mitarbeit ehemaliger
US-Offiziere, auf der Befragung von Zeugen verschiedener
Nationalität und auf der Auswertung von
Sekundärliteratur. Für Eisenhower ist zum Beispiel
der harmlose Titel Other Losses ('Sonstige
Abgänge') einer Rubrik in den
US-Kriegsgefangenen-Statistiken der Beweis, daß
1945/46 wahrscheinlich mit mehr als einer Million deutsche
Soldaten in amerikanischen Lagern sowie in
französischem Gewahrsam, in den sie von den Amerikanern
überstellt worden waren, an witterungsbedingten und
anderen Besonders schwer wiegt auch die These Baques, die deutschen Gefangenen seien Opfer einer bewußten Politik des damaligen Oberbefehlshabers der westlichen Alliierten 'Expeditionsstreitmacht', General Dwight D. Eisenhower, geworden. Wie schon erwähnt, hatte Eisenhower, der die Deutschen haßte, 'weil der Deutsche eine Bestie ist' (in einem Brief an seine Frau Mamie, September 1944), bereits im März 1945 die Schaffung einer neuen Klasse von Gefangenen, die nach der Kapitulation nicht von der US-Army zu ernähren seien. Als dann im April/Mai 1945 an der Rhein-Linie die sogenannten 'Prisoner of War Temporary Enclosures' für Hunderttausende entwaffneter deutscher Landser und Offiziere eingerichtet wurden, befahl Eisenhower, die Gefangenen dürften weder 'Obdach noch irgendeinen anderen Komfort' haben. Und tatsächlich handelte es sich bei den 'Camps' in Andernach, Rheinberg, Sinzig, Remagen lediglich um stacheldrahtumzäumte Wiesen unter freiem Himmel, die der Genfer Konvention, der sich die westlichen Alliierten offiziell verpflichtet fühlten, tödlich Hohn sprach. Ein Augenzeuge, von Luttichau (ein an der Ostfront verwundeter deutscher Offizier), berichtete: "Wir saßen in überfüllten Stacheldrahtkäfigen im Freien und bekamen kaum etwas zu essen. Die Latrinen waren Baumstämme, die man über Gräben mit Stacheldrahtzaun geworfen hatte. Wenn wir schlafen wollten, blieb uns nichts anderes übrig, als mit den Händen ein Loch zu graben und uns dann in dem Loch zusammenzudrängen. Weil so viele krank waren, mußten die Männer ihre Notdurft auf dem Boden verrichten. Bald war unsere ganze Kleidung besudelt, genau wie der Boden, auf dem wir gehen, sitzen und liegen mußten." Während die Nahrungsmitteldepots der US-Army überquollen, gestaltete sich die Versorgungslage der Gefangenen katastrophal. Von Luttichau führte dazu aus: "Zu Anfang gab es überhaupt kein Wasser, nur Regen, dann - nach zwei Wochen - konnten wir ein wenig Wasser aus einem Leitungsrohr bekommen. An diesem Abschnitt des Rheins regnete es in jenem Frühjahr fast ohne Unterbrechung. An mehr als der Hälfte der Tage bekamen wir überhaupt nichts zu essen. Schon nach wenigen Tagen waren etliche von den Männern, die gesund ins Lager gegangen waren, tot. Ich habe gesehen, wie unsere Männer viele Leichen ans Lagertor schleppten." Und wie recherchierten und äußerten sich unsere 'umerzogenen' deutschen Historiker PC-gerecht zu diesen 'Verbrechen gegen die Menschlichkeit'? Obwohl die von der Bundesregierung finanzierte 'Wissenschaftliche Kommission für deutsche Kriegsgefangenengeschichte' zwischen 1962 und 1974 insgesamt 18 (!) Bände über ihre Arbeiten vorgelegt hat, wirft ihr James Baque in seinem Buch unzureichende Recherchen vor. Der Kanadier meint, in den von Professor Erich Maschke (seinerzeit Universität Heidelberg) herausgegebenen Reihe werde "alles vermieden, was öffentliche Empörung hätte auslösen können". Es sei eine "bescheidene Veröffentlichung" vorbereitet worden, von der nur 431 Exemplare verkauft worden seien, hauptsächlich an Universitäten und wissenschaftliche Bibliotheken. "Eine Diskussion wurde nicht ausgelöst", wenn man bedenkt, daß diese 'Wissenschaftliche Kommission' die auch von ihr vor allem in den Rheinwiesen-Camps festgestellte "schlechte Behandlung" der Gefangenen unter anderem mit folgenden Worten 'verständlich' zu machen versuchte: "Menschliche Unzulänglichkeiten (!) vermehrten die Schwierigkeiten. Das Fraternisierungsverbot, der Siegestaumel, die Aufdeckung der KZ-Verbrechen, die angebliche Kollektivschuld des deutschen Volkes, die befohlene Suche nach Kriegsverbrechern unter den Eingesperrten. . . Der Sieg machte die Sieger übermütig (!) oder gleichgültig gegenüber den Besiegten. Der Phase des Übermuts, der Willkür und der Gleichgültigkeit folgte jedoch die Phase der Rückbesinnung darauf, daß man ausgezogen war, um eine verbrecherische Ideologie zu vernichten, nicht aber die Menschen, die von ihr befallen waren." Auslieferung deutscher Kriegsgefangener Wie Ludwig Peters [2] in seinem Buch Das Schicksal der deutschen Kriegsgefangenen berichtet, lagen Auslieferungsersuche über deutsche Kriegsgefangene den Amerikanern bei Kriegsende 1945 in reichem Maße vor, wollten sich doch alle von Deutschland im Krieg besetzten Länder die dort angerichteten Zerstörungen - auch wenn sie Folgen des britisch-amerikanischen Bombenkrieges waren - durch die Arbeitskraft der Kriegsgefangenen bezahlen lassen. Hinzu kam dann noch der logische Gedanke des Siegers, seine 'Kriegsbeute' in Form von billigen Sklaven einzufahren. Nach den offiziellen Zahlen der deutschen Wissenschaftlichen Kommission (Leitung: Erich Maschke), welche die bereits erwähnte Buchreihe zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen publiziert hat, ergibt sich folgendes Bild:
"Vor allem die offiziellen französischen Zahlen werden heutzutage in den Bereich der Fabel verwiesen, weil man inzwischen weiß, wie und warum sie so und nicht anders zustande kamen. . . Die Auslieferungen im Westen fanden nach Peters in verschiedenen Ausformungen statt. "Bei den direkten Auslieferungen nur wenige Stunden oder Tage nach der Gefangennahme wurden die Gefangenen einfach auf den Wiesen, auf denen sie sich gerade befanden, meist von den Westalliierten belassen. Die Wachmannschaften zogen ab, und neue Posten nahmen ihre Plätze ein. Es gab keinerlei Zählungen, Übergabeprotokolle, Gesundheitsuntersuchungen oder ähnliches, so daß man hierfür keine Zahlenwerte angeben kann. Auch Schätzungen sind nur äußerst schwierig, weil es keinerlei Bezugs- oder Durchschnittswerte gibt, mit denen man echte Kalkulationen durchführen könnte. Man kann aber davon ausgehen, daß diese Direktübergaben in ihrer Gesamtheit zumindest eine sechsstellige Dimension erreichen. Die Auslieferungen wurden aus zwei Gründen vorgenommen: 1. Hauptgrund war es, die deutschen Kriegsgefangenen als 'Arbeitssklaven' einzusetzen und eine Verteilung auf alle am Sieg über das Dritte Reich in irgendeiner Form beteiligten Staaten zu erreichen. Weiterführend: Quelle: Wolfgang Popp/WEHE DEN BESIEGTEN, Grabert 2000 (S. 98-119) |