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US-Einheiten werden
nicht abgezogen: Deutschland ist 60 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg noch immer ein besetztes Land. Wer anderes behauptet und unterstellt, die Bundesrepublik habe durch den Zwei-Plus-Vier-Vertrag vom Jahre 1990 die volle Souveränität erlangt, weiß es entweder nicht besser oder lügt. Schon ein Jahr nach der Herstellung der deutschen Einheit, während des Golfkrieges 1991, machte die Besatzungsmacht USA wieder vollen Gebrauch vom Besatzungsrecht, verschiffte Kriegsmaterial über den Hafen von Emden und flog Flüge in Richtung Irak. Daß das Grundgesetz Angriffskriege von deutschem Boden aus strikt verbietet, störte weder in Berlin noch in Washington. Mit gleicher Selbstverständlichkeit verfügte Washington auch während des Balkankrieges 1999 und beim Angriff auf den Irak im Frühjahr 2003 über Flughäfen, Nachschub- und Logistikeinrichtungen in der Bundesrepublik. Von Souveränität keine Spur. Besetzte Länder gab und gibt es zuhauf. Im Normalfall versuchen die Besetzten, die Besatzer wieder loszuwerden. Das ist in den von Israel besetzten Palästinensergebieten ebenso der Fall wie im Irak. Daß man selbst übermächtige Besatzer wie die USA wieder vertreiben kann, lehrt das somalische Beispiel. Der umgekehrte - und eher seltene - Fall ist in Deutschland zu beobachten. Hier wurden die Besetzten von den Besatzern so gründlich umerzogen, daß sie die Besatzer um keinen Preis wieder loswerden möchten. Gelegenheiten dazu hätte es in den letzten Jahrzehnten immer wieder gegeben, zuletzt im Gefolge der transatlantischen Verstimmungen um den Irakkrieg 2003. Washington war über die Kriegsunwilligkeit der Deutschen so erbost, daß nicht nur deutsche Firmen boykottiert wurden, sondern auch Vorkehrungen für einen Abzug amerikanischer Truppen aus Germany getroffen wurden. Neue Standorte in den neuen NATO-Ländern im Osten kamen ins Gespräch. Was jedes normalgebliebene Volk in Jubelstimmung versetzt hätte, löste hierzulande bei der politischen Kaste Entsetzen und Betroffenheit aus. Über alle Parteigrenzen hinweg beknieten Politiker die Amerikaner, keine Truppen aus Deutschland abzuziehen. Vergessen, daß US-Verteidigungsminister Rumsfeld die Krauts noch vor wenigen Monaten zusammen mit Franzosen, Kubanern und Nordvietnamesen aufs ärgste beschimpft hatte. Nun gab Uncle Sam Entwarnung: 80 Prozent der in Deutschland stationierten rund 70.000 US-Soldaten werden auch künftig in der Bundesrepublik bleiben. Keine amerikanische Garnison wird aufgelöst, einige Standorte wie etwa der Truppenübungsplatz im oberfränkischen Grafenwöhr sollen sogar ausgebaut werden. Die Begründung läßt sich auch als Verhöhnung interpretieren: in Deutschland sei ein "sicheres und freundliches Umfeld" für die GIs garantiert. Glückliche Sklaven, schrieb Marie von Ebner-Eschenbach einmal, sind die ärgsten Feinde der Freiheit.
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